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Ex-Opelaner erinnert sich an den "wilden Streik"

Vor zehn Jahren

Für Jürgen Rosenthal war es der Anfang vom Ende. Vor genau zehn Jahren trat die Bochumer Opel-Belegschaft in einen „wilden Streik“. Rosenthal war vorne mit dabei, gab dem Streik ein Gesicht. Nach einer Woche war der Spuk vorbei. Laut Rosenthal begann damit „der Tod auf Raten“.

BOCHUM

, 14.10.2014 / Lesedauer: 3 min

Es fing an mit der Ungewissheit. Niemand wusste, wo die Reise für das Bochumer Opel-Werk hingehen solle. Der Konzern hüllte sich in Schweigen. Die Belegschaft wollte Antworten, wollte Sicherheit. Deswegen der unangemeldete Streik, der schnell als „wilder Streik“ bekannt wurde.

Rosenthal engagierte sich, wollte die Zukunft des Werks retten. „Ich hatte die Idee, die Tore zu besetzten.“ Das damalige Komponentenwerk belieferte alle General-Motors-Standorte in Europa. Das wollte die Belegschaft unterbinden. Die Lieferungen wurden gestoppt, der Konzern hatte europaweit Probleme in der Fertigung.

Währenddessen wurde Rosenthal immer bekannter. „Ich war in der ganzen Woche vielleicht zehn Stunden zu Hause.“ Er stand oft vor der Kamera, gab Interviews, schaffte es sogar ins ARD-Morgenmagazin. Die Medien freuten sich über den parteilosen Opelaner, der keiner Gewerkschaft und auch nicht dem Betriebsrat angehörte.

Auch wenn ihn der Konzern damals unter Druck gesetzt hat: „Ich würde das immer wieder machen“, sagt Rosenthal heute. Sein einziges Problem: Der Streik endete zu schnell. Nach einer Woche sprach sich die Belegschaft per Abstimmung für ein Ende aus. „Das wäre nicht passiert, wenn IG Metall und Betriebsrat die Stimmzettel nicht so merkwürdig formuliert hätten.“ Viele Opelaner hätten erst im Nachhinein bemerkt, dass sie für ein Streikende gestimmt haben, so Rosenthal. Der Betriebsrat hätte Druck von oben bekommen, damit der Streik abgebrochen wird. Er sei eingeknickt.

„Wer weiß, was wir hätten erreichen können, wenn der Streik länger gedauert hätte“, sagt der Selbstständige. Der Streik hätte den Konzern von Tag zu Tag mehr Geld gekostet. „Unsere Verhandlungsposition wäre immer besser geworden.“ Seit 2005 ist Rosenthal nicht mehr bei Opel. Aber: „Es tut mir leid, zu sehen, wie die Menschen ihre Stellen verlieren.“ 

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