Ex-Staatsminister bestätigt „Geheimfonds“ für Agent Mauss

Steuerprozess

Sie waren zwei Schwergewichte der internationalen Geheim-Diplomatie: Ex-Staatsminister Bernd Schmidbauer und Ex-Agent Werner Mauss. Am Montag trafen sie sich wieder - und zwar vor Gericht. Schmidbauer sagte zu einem "Geheimfonds" für Mauss aus - bezahlt unter anderem von den USA.

BOCHUM

09.01.2017 / Lesedauer: 3 min
Ex-Staatsminister bestätigt „Geheimfonds“ für Agent Mauss

Der frühere Geheimagent Werner Mauss steht zurzeit vor dem Bochumer Landgericht.

Im Steuerprozess gegen Ex-Geheimagent Werner Mauss hat der ehemalige Staatsminister im Kanzleramt, Bernd Schmidbauer (CDU), am Montag die Existenz eines Geheimfonds bestätigt. Daraus habe Mauss seine Operationen finanziert, sagte der 77-Jährige als Zeuge vor dem Bochumer Landgericht aus. Das Geld sei intern als „internationale Reserve“ bezeichnet und von anderen Staaten eingezahlt worden - unter anderem von den USA. Genaue Angaben über die Einrichtung und Kontrolle könne er aber nicht machen.

Mauss selbst habe seit 1991 kein Geld mehr von der Bundesrepublik Deutschland erhalten. Es seien auch keine Verträge mehr mit ihm abgeschlossen worden. Man habe allerdings kooperiert - vor allem bei Geiselbefreiungen in Südamerika. „Ich habe ihm vertrauen können“, sagte Schmidbauer den Richtern, „aber seine Wege haben sich uns nicht erschlossen“.

Mauss beteuert weiter seine Unschuld

Deshalb könne er auch nichts über Zu- und Abflüsse aus dem Geheimfonds sagen. „Es gab keine Möglichkeit von deutscher Seite auf die Verwendung der Gelder Einfluss zu nehmen.“ Dass es gar keine Kontrolle gegeben hat, könne er sich aber nicht vorstellen. „Ich glaube nicht, dass jemand das Geld hingeschmissen hat und gesagt hat: Mach' damit, was du willst.“

Jetzt lesen

Die Staatsanwaltschaft wirft Mauss vor, Steuern in Millionenhöhe hinterzogen zu haben. Er selbst beteuerte am Montag dagegen noch einmal seine Unschuld. „Ich habe keine Steuerhinterziehung begangen“, sagte er den Richtern. „Ich habe das Verbrechen schließlich immer bekämpft.“ Bei dem auf Konten in Luxemburg und Panama deponierten Geld handele es sich ausschließlich um die von Schmidbauer genannte „internationale Reserve“, die er seit den 1980er-Jahren treuhänderisch verwaltete. Sie sei ihm daher privat nicht zuzurechnen. Genau das sieht die Staatsanwaltschaft jedoch anders.

Türöffner zur südamerikanischen Guerilla

Wie sich Mauss finanziert hat, ist unklar. Auch Schmidbauer konnte dazu im Zeugenstand keine genauen Angaben machen. Dass Mauss kostenlos gearbeitet hat, könne er sich allerdings nicht vorstellen. „Ich kenne niemanden, der Leistungen erbringt, ohne dafür entlohnt zu werden“, sagte Schmidbauer den Richtern. Es sei ihm allerdings nicht bekannt, welche Regelungen dazu getroffen worden sind.

Für die Bundesregierung sei Mauss auf jeden Fall ein wichtiger Türöffner gewesen - vor allem zur südamerikanischen Guerilla. Nachdem seine verschiedenen Identitäten aufgeflogen seien, habe er ihm allerdings geraten aufzuhören. Allerdings ohne Erfolg. „Das Ergebnis war wie bei einer Katze - gleich Null“, sagte Schmidbauer den Richtern.

Von dpa