Ex-WBU-Chef erhebt schwere Vorwürfe zur geplanten Eishallenschließung in Unna

Beschluss könnte im Rat vertagt werden

Der ehemalige Chef der städtischen Eishallen-Betreibergesellschaft ist überzeugt: Das plötzliche Aus der Eissporthalle hätte verhindert werden können. Ivars Weide zeigt sich erschüttert und kritisiert das Vorgehen der Wirtschaftsbetriebe.

Unna

, 28.06.2018, 05:00 Uhr / Lesedauer: 3 min
Ex-WBU-Chef erhebt schwere Vorwürfe zur geplanten Eishallenschließung in Unna

Ein „Treffpunkt für Jung und Alt“ – das war die Eissporthalle in den 1980er-Jahren. Zu dieser Zeit war Ivars Weide verantwortlich für die Halle. Heute übt er scharfe Kritik an den plötzlichen Schließungsplänen.archiv

Das ist von langer Hand von der WBU geplant worden. Man hat es einfach schleifen lassen.“ – Mit diesen Worten meldet sich kurz vor der entscheidenden Ratssitzung am heutigen Donnerstag ein Mann zu Wort, der den Ruf der Eissporthalle Unna in den 1980er-Jahren weit über die Kreisgrenzen hinaus trug: Ivars Weide, ehemaliger Geschäftsführer der Sport- und Bäderbetriebe GmbH und damit auch Chef der Eishalle, zeigt sich im Gespräch mit unserer Redaktion „erschüttert“ von dem drohenden schnellen Aus für die Eissporthalle.

Ex-WBU-Chef erhebt schwere Vorwürfe zur geplanten Eishallenschließung in Unna

Ivars Weide.archiv

„Es wäre anmaßend, wenn ich sagen würde, dass ich weiß, wie das Ganze jetzt wieder funktionieren kann, weil ich seit 23 Jahren nicht mehr in der Halle war“, sagt Weide, „aber es ist für mich nicht nachvollziehbar, dass die Anlage irreparabel sein soll.“ Weide hatte in seiner Rolle als Hallen-Chef Mitte der 1980er-Jahre versucht, das Etatvolumen der Eissporthalle langfristig konstant zu halten, indem er unter anderem Energiesparmaßnahmen vorschlug. Dazu zählte auch die Optimierung der Eisaufbereitungsanlage.

„Die Anlage in der Halle ist von dem Standard-Ausstatter für Eishallen. Die gleichen Anlagen stehen auch in den Eissporthallen in Iserlohn und Duisburg“, sagt Weide. Diese Hallen seien zur selben Zeit gebaut worden wie die Eissporthalle in Unna. „Die Anlagen dort sind tatsächlich noch etwas älter als die, die wir in Unna haben“, sagt Weide, der die Duisburger Eishalle genau kennt, da er von dort 1978 nach Unna wechselte. „Wenn Probleme mit der Anlage schon länger bekannt waren, wieso hat man dann nicht vor zwei oder drei Jahren bereits einen Experten draufschauen lassen? Das hätte viel mit den Investitionskosten gemacht“, meint Weide.

Wie nun mit der Eissporthalle umgegangen werde, tue ihm „in der Seele weh“, sagt Weide. „Aus Sicht von Herrn Mölle ist es einfach, weil es wirtschaftlich nicht mehr darstellbar ist“, sagt Weide. Er könne nachvollziehen, dass die WBU die Eissporthalle nicht betreiben will. Aber die Eishalle jetzt so schnell abzuwickeln, spreche aus seiner Sicht dafür, dass dies lange geplant gewesen sei. Weide zieht den Vergleich zum Freizeitbad Massen, das während seiner Amtszeit als Geschäftsführer der Sport- und Bäderbetriebe eröffnet wurde. „Binnen weniger Jahre werden in Unna jetzt zwei Zugpferde der Stadt geschlossen. Ich bin einfach nur erschüttert.“agm

Hoffnung auf Zeitgewinn für die Eishalle

Wie weitreichend der Beschluss zur Eishalle in der Ratssitzung an diesem Donnerstag ausfällt, ist offen. Möglicherweise wird er in Teilen oder in Gänze verschoben. Zumindest die Ratsfraktion der Linken meldet Beratungsbedarf an, und nach den Bräuchen der Unnaer Lokalpolitik bedeutet dies unabhängig vom Stimmgewicht der Fraktion die Absetzung eines Punktes von der Tagesordnung.

Dies würde der Suche nach Alternativen zu einem Abriss der Eishalle Zeit verschaffen, und darum geht es der Linke-Fraktion auch. „Das Hauruckverfahren ist Stil der Verwaltung. Aber wir meinen, dass es ein Fehler wäre, den Jugendlichen diese Einrichtung wegzunehmen. Daher braucht es jetzt Zeit für Beratungen“, so die Fraktionsvorsitzende Petra Weber.

In ähnliche Richtung geht ein Antrag des fraktionslosen Ratsherrn Christoph Tetzner, der einzelne Punkte des Beschlusses absetzen möchte. Demnach würde der Stadtrat in dieser Sitzung zwar die Vertragsauflösung zwischen der WBU und den Pächtern zur Kenntnis nehmen, einen Betrieb durch die WBU selbst ausschließen und die Vereine bei der Suche nach Ersatz unterstützen, doch Beschlüsse für einen Abriss der Gebäude und einen Ausschluss der Neuverpachtung würde der Rat vorerst nicht fassen.

Bereitschaft, der Angelegenheit mehr Zeit zu geben, signalisiert auch die CDU-Fraktion. „In der Sache haben wir selbst keinen Beratungsbedarf mehr“, stellt der Fraktionsvorsitzende Rudolf Fröhlich fest. „Es ist weiterhin unsere Haltung, dass die Eishalle nicht zu retten ist, und ich habe in der Diskussion noch kein Argument gehört, das dies widerlegt. Aber: Wir sind diskussionsbereit, und wenn dafür mehr Zeit gewünscht wird, bin ich nicht derjenige, der sagt, dass wir jetzt auf Biegen und Brechen den Abriss beschließen müssen.“

Die Grünen werfen der Stadtverwaltung vor, sie habe „von Anfang an versäumt, die Bürger mitzunehmen“, so die Fraktionsvorsitzende Charlotte Kunert. In der Sache allerdings halten auch die Grünen die Halle für nicht mehr haltbar – aus wirtschaftlichen und aus Umweltgründen.

Übrigens: Bisher ist offiziell noch nichts passiert, was die Eishallen-Zukunft angeht. Die WBU-Geschäftsführung hat den Aufhebungsvertrag mit der Pächterfamilie noch nicht unterzeichnet, wie Stadtsprecher Oliver Böer am Mittwochnachmittag bestätigte. Der Vertragsabschluss sei für Freitag vorgesehen.

Dass der Ratsbeschluss am Donnerstagabend abgewartet werden soll, sei Spekulation.ska

Unverständnis bei Ganzke

In der Diskussion um die Eissporthalle meldet sich der aus Massen stammende SPD-Landtagsabgeordnete Hartmut Ganzke kritisch zu Wort. Nach einer Diskussion mit Schülern in Königsborn in der vergangenen Woche teilte sein Büro mit, die Schließungspläne lösten bei Ganzke Unverständnis aus. Die Eishalle sei bei Schülern immer sehr beliebt gewesen. Ganzke war zu Gast an der Werner-von-Siemens-Gesamtschule, als er dies sagte.

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