Exotisches Kunst-Erlebnis mit Ren Rong

Osthaus-Museum Hagen

HAGEN. Der chinesische Künstler Ren Rong passt in keine Schublade. Er fragt nicht danach, was gerade in Mode ist. Seine Pflanzenmenschen sind zeitlos, anmutig und greifen nach dem Wahren, Guten und Schönen. Mit anderen Worten: Ren Rong ist Optimist.

17.02.2016, 17:37 Uhr / Lesedauer: 2 min

Vor allem aber ist er ein Mensch, der kaum still sitzen kann. "Einer der vitalsten Künstler, die ich je kennengelernt habe", sagte denn auch Museumsdirektor Tayfun Belgin, als er am Mittwoch die Retrospektive des Künstlers im Osthaus Museum Hagen vorstellte. Und tatsächlich: Kaum ist die Pressekonferenz beendet, wetzt der in Bonn und Peking lebende Ren Rong (Jahrgang 1960) auch schon wieder los, um seinen 150 Arbeiten in zwölf Räumen noch den letzten Schliff zu geben.

Explosion der Farben und Formen

Dabei ist die Schau bereits jetzt ein Erlebnis, ein exotische Explosion der Farben und Formen. Im "Raum der Schöpfung" leuchten 28 Eisenstelen in allen Farben, die die LED-Technik zu bieten hat. Männer und Frauen, Sonne und Mond, Vögel und Fische sind die Motive, aus denen Ren Rong seine ornamentalen Skulpturen zusammensetzt. Aber nicht nur: Seine Pflanzenmenschen, in denen Natur und Zivilisation zu einer friedlichen Einheit finden, greifen auch nach dem Bundestag oder umtanzen eine Atombombenexplosion. Rote Tische symbolisieren den "Dialog der Kulturen".

FOTOSTRECKE
Bildergalerie

Ausstellung Ren Rong in Hagen

17.02.2016
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Schon vor dem Museum erwarten zehn Elemente der Installation "Genesis" den Besucher. Sie zeigen die für den Künstler Ren Rong typischen "Pflanzenmenschen".© Foto: Jäger
Ein Familienbild des Künstlers begrüßt den Gast. Der Künstler ist das Kind links vorn. Das Lackbild zeigt aber auch seine Eltern, seine würdevolle Oma in der Bildmitte und seine drei Brüder. © Foto: Jäger
Im Eingang der Schau hat Ren Rong den "Dialog der Kulturen" aufgebaut. Der Besucher kann die roten Tische und Hocker gern benutzen - wie hier bei der Pressekonferenz zur Eröffnung. © Foto: Jäger
Professor Detlef Mache (von links), Vorsitzendes des Vorstandes des Vereins Bildung-Kultur aus Witten, der Künstler Ren Rong und Museumsdirektor Dr. Tayfun Belgin haben die Ausstellung gemeinsam erarbeitet. © Foto: Jäger
Der "Raum der Schöpfung" ist sehr beeindruckend. Rechts und links stehen die Stelen des Werkes "Genesis", in der Mitte hängt ein Bild Maos. © Foto: Jäger
LED-Lichter tauchen den Raum in verschiedene Farbstimmungen. Ob das dem Besucher gefällt, ist Geschmacksache. © Foto: Jäger
Überall im Museum stehen die schönen Pflanzenmenschen. © Foto: Jäger
Die frühen Bilder des Künstlers wirken surrealistisch. Sie werden vor leuchtgrünen Wänden präsentiert. © Foto: Jäger
Detlef Mache zeigt die bunten Scherenschnitte des Künstlers.© Foto: Jäger
Eine sehr effektvolle Installation findet sich im Obergeschoss. Die Bälle liegen auf einer Fläche aus Reiskörnern. © Foto: Jäger
Zwei Kabinette hat der Künstler regelrecht inszeniert. Dieser Raum hängt voller "Augenhände" ....© Foto: Jäger
... ein anderer Raum zeigt Figuren aus Draht.© Foto: Jäger
Die Pflanzenmenschen zieren große Teile des Obergeschosses. © Foto: Jäger
Bunt und kitschig wirken die Porträts von Mao aus - das liegt vermutlich in der Absicht des Künstlers.© Foto: Jäger
Dieses Bild zeigt den "Großen Vorsitzenden" beim Schwimmen, umringt von den fröhlichen Pflanzenmenschen des Künstlers.© Foto: Jäger

Drückt Ren Rong seine Sehnsucht nach Frieden auf zu naive Weise aus? Vielleicht, aber die Werke sind eben auch ästhetisch gelungen und technisch extrem raffiniert. Da gibt es glänzende Lackbilder auf Holzkisten, in die die Figuren mit dem Geißfuß geschnitten sind, schneeweiße Prägedrucke und tolle Installationen wie einen Raum voller "Augenhände" .

Ein Dissident wie Ai Weiwei ist Ren Rong nicht. Er ist stolz auf seine in China sehr angesehene Familie. Mit Mao, dessen Porträt der einzige Wandschmuck seiner Eltern war, hat er sich stark auseinandergesetzt. Maos Aufruf "Lasst 100 Blumen blühen" gab der Schau sogar ihren Untertitel und bezeichnet eine Phase anno 1956/57, in der Mao die Künstler zur Kritik aufrief. Leider wurde sie ein Jahr später mit Gewalt gestoppt.

Ironischer Blick auf Mao

Ren Rongs Mao-Bilder sind extrem bunt, gewollt kitschig, subtil ironisch. Und während sich der westliche Betrachter noch fragt, ob hier Mao glorifiziert oder demontiert wird, weist Kurator Detlef Mache darauf hin, dass man diese Bilder in China nicht zeigen könnte.

Osthaus Museum Hagen: "Ren Rong", 21.2.-15.5., Hochstr. 73, Di-So 11-18 Uhr. Eröffnung am Samstag, 20. Februar, um 16 Uhr.