Experten: Letzte Beweise für Giftmord an Arafat fehlen

Tod des Palästinenserführers

Für einen Giftmord an Palästinenserführer Jassir Arafat mit Polonium 210 fehlen nach Aussage von Schweizer Experten letzte Beweise. Es könne zum jetzigen Zeitpunkt nur nicht ausgeschlossen werden, dass Arafat vergiftet worden sei, betonten die Schweizer Mediziner am Donnerstag.

LAUSANNE

von dpa

, 06.11.2013, 20:41 Uhr / Lesedauer: 2 min
Palästinenserführer Jassir Arafat im Sommer 2004. Foto: Atef Safadi

Palästinenserführer Jassir Arafat im Sommer 2004. Foto: Atef Safadi

Die Experten vom Institut für Radiophysik der Uni-Klinik von Lausanne (CHUV) hatten Proben von Knochen und Kleidung Arafats untersucht. Für Gewissheit würden noch viel mehr Informationen gebraucht, sagte François Bochud, Chef der Strahlenphysik. Die Analysen seien besonders schwierig gewesen, da acht Jahre zwischen dem Tod Arafats und dem Beginn der Untersuchungen gelegen hätten. „Wir konnten nicht kontrollieren, dass die Proben unter Bedingungen konserviert worden sind, die wir uns gewünscht hätten“, sagte Patrice Mangin, Chefforensiker der Uniklinik.  Der arabische TV-Sender Al-Dschasira und die britische Zeitung „Guardian“ hatten am Mittwoch über den 108 Seiten umfassenden Bericht der Schweizer Experten berichtet. In Gewebeproben Arafats hatten die Experten eine 18 Mal so hohe Konzentration von Polonium 210 gefunden worden wie normal. Schon ein Millionstel Gramm des radioaktiven Schwermetalls kann einen Menschen töten. Israel hat jede Verantwortung für den Tod Arafats zurückgewiesen.

 

Gewebeproben aus Rippe und Becken

Arafats Witwe Suha sprach laut Al-Dschasira von einem "Verbrechen des Jahrhunderts". Die Palästinensische Autonomiebehörde in Ramallah wollte zu den Berichten zunächst keine Stellung nehmen. Sie hatte am Vortag bekräftigt, dass sie die Ergebnisse der Untersuchungen erst öffentlich machen werde, wenn alle drei Gutachten vorlägen.

Russische Experten hatten bereits erklärt, sie hätten keine Hinweise auf eine Polonium-Vergiftung finden können. Ein französisches Gutachten steht noch aus. Alle drei Expertenteams hatten die Gewebeproben - unter anderem aus einer Rippe und dem Beckenbereich Arafats - bei der Exhumierung der Leiche vor knapp einem Jahr entnommen.Israel weist Vowürfe zurück

Die Schweizer Experten vom Institut de radiophysique in Lausanne hatten ihr Ergebnis der Untersuchung am Dienstag der Palästinensischen Autonomiebehörde in Ramallah zugeleitet.

Die Frage, wer den im Alter von 75 Jahren in einem französischen Militärhospital gestorbenen Arafat vergiftet haben könnte, ist allerdings völlig unklar. Israel hat entsprechende Vorwürfe von palästinensischer Seite stets zurückgewiesen.Kritik an Untersuchung

Der Sprecher des Außenministeriums in Jerusalem, Jigal Palmor, sagte laut "Jerusalem Post", die Experten hätten weder die früheren Arbeitsräume Arafats in Ramallah auf die radioaktive Substanz untersucht noch das französische Militärhospital, in dem Arafat 2004 im Alter von 75 Jahren gestorben war. "Alles ist sehr, sehr unklar", sagte Palmor. "Klar ist nur, dass die Theorie (vom Giftmord) große Löcher aufweist, mehr Löcher als ein Schweizer Käse." 

Plötzliche Erkrankung

Für viele Palästinenser steht hingegen außer Zweifel, dass nur Israel hinter der plötzlichen Erkrankung und dem schnellen Tod ihres Idols stecken könne. Allerdings hatte Arafats wegen seines autoritären Führungsstils und wuchernder Korruption innerhalb der Palästinenserführung auch anderswo viele Feinde.  

 

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