Experten warnen vor Pandemiefolgen auf dem Ausbildungsmarkt

Coronavirus

2020 haben erstmals weniger als 500.000 Jugendliche eine Berufsausbildung begonnen. Dieses Jahr werde es wegen der Pandemie noch schlimmer kommen, warnen Kinderschutzbund und Gewerkschaften.

Berlin

von Nadine Wolter

, 10.04.2021, 10:45 Uhr / Lesedauer: 2 min
Friseur-Azubis lernen nur noch an Übungsköpfen, die Berufsschule lehrt über das Internet – und Berufsfeldpraktika an den Schulen fallen vielmals aus: Corona hat auch die Berufsausbildung hart getroffen.

Friseur-Azubis lernen nur noch an Übungsköpfen, die Berufsschule lehrt über das Internet – und Berufsfeldpraktika an den Schulen fallen vielmals aus: Corona hat auch die Berufsausbildung hart getroffen. © picture alliance/dpa/dpa-Zentralbild

Das Schuljahr 2020/2021 ist für die wenigsten der deutschen Schülerinnen und Schüler ein gutes Jahr. Besonders schwierig ist die Situation für Jugendliche, die im Sommer die Sekundarstufe I verlassen und eine Ausbildung beginnen wollen. Sie betreten schlechter vorbereitet einen Arbeitsmarkt, auf dem weniger Ausbildungsplätze angeboten werden.

Arbeitsagentur vermeldet weniger Ausbildungsstellen

Bis März wurden bei der Bundesagentur für Arbeit 412.600 betriebliche Ausbildungsstellen gemeldet. Das sei ein deutlicher Rückgang um 7 Prozent gegenüber dem Vorjahr, sagte eine Sprecherin dem Redaktions­Netzwerk Deutschland (RND). Grund seien vor allem die Pandemie und die damit verbundenen wirtschaftlichen Einschränkungen.

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Zeitgleich ist die Zahl der über die Arbeitsagentur gemeldeten Bewerber um 12 Prozent gesunken. Auch dieser Rückgang dürfte pandemiebedingt sein, so die Sprecherin:

„Ein Grund für die sinkenden Bewerbermeldungen, vor allem der aktuellen Schulabgänger, dürfte darin bestehen, dass sich Jugendliche trotz vorhandenen Ausbildungsinteresses nicht bei der Ausbildungsvermittlung melden, weil die gewohnten Zugangswege wegen der Pandemie versperrt und persönliche Beratungsgespräche kaum möglich sind.“

Weniger Praktika, fehlende Orientierung

Auch die fehlende Präsenz­berufsberatung an den Schulen spiele eine große Rolle. Online­angebote zur Berufsorientierung seien kein Ersatz für Projektwochen und Praktika, sagte Ilka Hoffmann, Vorstandsmitglied der Bildungsgewerkschaft GEW, dem RND. „Viele Jugendliche sind derzeit verunsichert, welchen Beruf sie ergreifen sollen.“

Zugleich fehlten den Schülern die Kontakte zu Betrieben, die sonst über Praktika entstehen. Häufig seien diese im laufenden und im vergangenen Schuljahr coronabedingt ausgefallen. Eine Schülergruppe ist so doppelt benachteiligt: „Gerade bei der Vermittlung von Jugendlichen mit schlechteren Zeugnissen ist der direkte persönliche Kontakt zu Betrieben besonders wichtig“, sagt Hoffmann.

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Sowohl GEW, als auch Kinderschutzbund kritisierten, dass die Situation der Schüler, die einen Hauptschul­abschluss oder die Fachoberschulfreife anstrebten,

Zugleich dürften verschiedene Schülergruppen nicht gegeneinander ausgespielt werden: „Mich wundert, dass wir immer nur über das Abitur reden“, sagte Hoffmann. Gerade Gymnasiasten kämen meist aus der Mittelschicht und verfügten über eine bessere Infrastruktur zum Lernen als materiell schlechtergestellte Schüler.

„Offensichtlich ist die Gesellschaft an der künftigen potenziellen Elite der Gesellschaft mehr interessiert“, sagte Hilgers.

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