Exxon will Pilotprojekt für Fracking ohne giftige Chemikalien

Umstrittene Gasbohrungen

Die Debatte um Fracking gewinnt weiter an Fahrt: Der Öl- und Gaskonzern ExxonMobil hat angekündigt, beim umstrittenen Fracking auf den Einsatz von giftigen Chemikalien verzichten zu können und plädiert jetzt für ein Pilotprojekt. Die Gegner der Gasbohrungen laufen dennoch weiter Sturm. Sie fordern ein Fracking-Verbot - und kritisieren die Umweltministerin.

NRW

, 02.04.2014, 18:46 Uhr / Lesedauer: 2 min
Modell aus dem 3D-Drucker: Das Unternehmen ExxonMobil stellte in Osnabrück auch eine neue Bohranlage vor. Der Bohrturm verkleidet, die Pumpen in Hallen - so soll der Lärmschutz bei künftigen Bohrungen deutlich verbessert werden.

Modell aus dem 3D-Drucker: Das Unternehmen ExxonMobil stellte in Osnabrück auch eine neue Bohranlage vor. Der Bohrturm verkleidet, die Pumpen in Hallen - so soll der Lärmschutz bei künftigen Bohrungen deutlich verbessert werden.

Jetzt hat ExxonMobil in Osnabrück bei einer Statuskonferenz bekanntgegeben, man habe die bislang für das Fracking notwendigen giftigen Chemikalien durch ungiftige ersetzt, oder komplett gestrichen. „Durch den Info-Dialog haben wir unsere Anstrengungen in Forschung und Entwicklung erheblich verstärkt“, sagt ExxonMobil-Sprecherin Ritva Westendorf-Lahouse. „Wir stehen bereit, diese neuen Lösungen jetzt in der Praxis in Pilotprojekten umzusetzen“, sagte ExxonMobil-Sprecherin Ritva Westendorf-Lahouse in Osnabrück.

Umweltverbände kritisieren die Formulierung im Koalitionsvertrag, dass nur ein Verbot des Einsatzes "umwelttoxischer Substanzen" festgeschrieben werden solle. "Um welche Substanzen es sich hierbei handelt, ist unklar. Das Chemikalienrecht kennt diesen Begriff nicht", sagt Oliver Kalusch vom geschäftsführenden Vorstand des Bundesverband Bürgerinitiativen Umweltschutz (BBU). Er forderte ein "unzweideutiges Bekenntnis zu einem ausnahmslosen Fracking-Verbot“.

In Nordrhein-Westfalen hatten zuletzt Forderungen des ehemaligen Landesverkehrsministers Oliver Wittke (CDU) sowie des EU-Energiekommissars Günther Oettinger (CDU) nach Pilotprojekten für Fracking die Debatte neu befeuert. Doch auch in der CDU geht ein Riss durch die Reihen zwischen Skeptikern und Befürwortern: So ging unmittelbar nach den Fracking-Vorstößen der CDU-Größen ein Antrag des CDU-Bezirksverbandes Münsterland für den Landsparteitag ein. Darin heißt es, unterschrieben von Karl-Josef Laumann: "Fracking mit toxischen Stoffen in den Böden bzw. im Grundwasser kommt als Instrument der Rohstoffgewinnung nicht in Frage". Energiekonzerne wie ExxonMobil, die BASF-Tochter Wintershall und andere haben sich hier große Gebiete gesichert, um nach Erdgas suchen zu dürfen. Diese Gebiete können

eingesehen werden. Ein Erlass des Landes stoppte jedoch 2011 jegliche Bohrungen, die im Zusammenhang mit Fracking stehen könnten. Bislang gibt es erst einen einzigen Antrag auf eine Probebohrung im münsterländischen Nordwalde. Auch dieser liegt seit 2010 auf Eis.

Der BUND bleibt bei seiner ablehnenden Haltung gegen die Technologie. „Selbst wenn das Chemieproblem tatsächlich gelöst wäre – wir sollten auf erneuerbare Energien setzen – Fracking ist der falsche Weg und würde da nur bremsen“, sagt Holger Sticht, NRW-Vorsitzender des BUND. Auch Bundesumweltministerin Barbara Hendricks (SPD) spricht sich dagegen aus. „Fracking ist die falsche Antwort auf die Energiefrage. Eine Neuausrichtung unserer Energiepolitik sollte uns weg von fossilen Brennstoffen führen“, sagte Hendricks dieser Redaktion.

Als Sturm im Wasserglas bezeichnete der Bundesverband Bürgerinitiativen Umweltschutz (BBU) die Äußerungen von Hendricks. "Während öffentlichkeitswirksam von einem „Fracking-Verbot“ gesprochen wird, entpuppen sich die Aussagen der Umweltministerin bei näherem Hinsehen lediglich als ein Plädoyer für eine Fracking-Regulierung", teilte der BBU am Mittwoch mit. Der BBU fordert stattdessen einen Gesetzentwurf für ein ausnahmsloses Fracking-Verbot.

Der Info-Dialog, ein fachlicher Austausch mit rund 150 Akteuren, war im Rahmen der Risikostudie Fracking entstanden. Teilnehmer sind unter anderem Behördenmitarbeiter, Branchenangehörige, aber auch Bürgerinitiativen. Für die Risikostudie hatte ExxonMobil Experten beauftragt, mögliche Gefahren durch Fracking zu untersuchen.

Die Experten kamen zu dem Ergebnis, das Fracking zwar eine „neuartige Risikodimension“ darstelle, ein Verbot aber nicht notwendig sei. Der Expertenkreis sprach Empfehlungen aus, wie die Technologie vor einem großindustriellen Einsatz weiterentwickelt werden sollte. ExxonMobil sagte zu, die Empfehlungen der Experten umzusetzen. Der Ersatz der giftigen Chemikalien war eine Empfehlung der Forscher. Im Rahmen der Statuskonferenzen stellt ExxonMobil die Fortschritte bei der Umsetzung der Empfehlungen vor.