Fahrzeuge sichern Weihnachtsmärkte in Dortmund und Münster

Nach Anschlag in Berlin

Die Bundesländer überdenken nach dem mutmaßlichen Terroranschlag auf einen Berliner Weihnachtsmarkt ihre Sicherheitskonzepte. Dortmund, Hagen und Münster sichern mit Einsatzfahrzeugen und Bussen die Zufahrten zur Innenstadt. Auch in weiteren NRW-Städten gibt es solche Maßnahmen.

KÖLN/DUISBURG

von dpa, bär

, 20.12.2016, 08:52 Uhr / Lesedauer: 3 min

In Dortmund hat die Stadt zusätzlich zum Durchfahrtsverbot für Fahrzeuge ab 3,5 Tonnen bereits am Dienstagabend mobile Sperren an Zufahrtswegen zum Weihnachtsmarkt errichtet. Fahrzeuge des Ordnungsamtes versperren an mehreren Stellen in der Innenstadt die Straßen. Man habe das am Dienstag bewusst nicht im Vorhinein kommuniziert, sagte ein Stadtsprecher am Mittwoch auf Nachfrage. Bis auf weiteres gilt seit Mittwoch bis zum 31. Dezember (Samstag) ein tägliches Durchfahrtsverbot für Fahrzeuge mit einem Gewicht höher als 3,5 Tonnen innerhalb des Wallringes. Das Verbot gilt jeweils in der Zeit zwischen 18 und 23 Uhr. 

Quergestellte Reisebusse an stark frequentierten Zufahrten zur Innenstadt sollen in Münster den Weihnachtsmarkt schützen. Zu dieser Maßnahme habe die Polizei nach dem Anschlag auf dem Berliner Weihnachtsmarkt geraten, um unberechtigte Fahrzeuge abzuhalten, sagte Wolfgang Heuer, Ordnungsdezernent der Stadt, am Mittwoch. Solange die Verkaufshütten geöffnet sind, werden die großen Busse als mobile Sperre an vier besonders gefährdeten Stellen rund die Innenstadt postiert.

Da auch der Fahrer vor Ort sei, könne man gewährleisten, dass der Weg für Rettungsfahrzeuge sofort frei gemacht werde. „Mit diesen Maßnahmen sind wir am oberen Ende dessen, was überhaupt an Sicherheitsvorkehrungen möglich ist“, sagte Heuer weiter. Komplett abriegeln könne man die Stadt nicht. Auch in anderen Städten in NRW kommen ähnliche Sperren - vielfach auch durch Polizeifahrzeuge - zum Einsatz. Auch die Polizei hat ihre Präsenz auf Weihnachtsmärkten deutlich erhöht. 

Kölner Dom zusätzlich geschützt

Nach dem Anschlag auf den Berliner Weihnachtsmarkt will die Polizei den Kölner Dom an Weihnachten zusätzlich schützen. „Ich bin mir der besonderen Verantwortung bewusst, was den Dom angeht“, sagte Polizeipräsident Jürgen Mathies am Mittwoch. „Was ich zusagen kann, ist auf jeden Fall eine Polizeipräsenz an den Domzugängen.“ Dies gelte für die Christmette und die anderen großen Weihnachtsgottesdienste.

Dompropst Gerd Bachner sagte der Deutschen Presse-Agentur, er stehe in engem Kontakt mit Mathies. „Für Einlasskontrollen sehen wir zurzeit keinen Anlass“, sagte er. Die Lage werde aber ständig neu bewertet. „Ob man mit großen Rucksäcken oder Koffern in den Dom kommt, das möchte ich mir - in Absprache mit der Polizei - noch offen halten.“ Derzeit sei aber lediglich geplant, dass Polizisten an den Ein- und Ausgängen stehen sollten. „Der Kölner Dom steht als Gotteshaus grundsätzlich jedem offen, wir wollen ihn nicht zur Festung ausbauen“, betonte Bachner.  „Die Gefahrenlage für den Kölner Dom ist keine konkrete, sondern eine abstrakte, etwa vergleichbar mit der des Hauptbahnhofes.“

Keine akute Bedrohung

Mathies sagte, an Silvester sei die Kölner Polizei auch auf die „Bewältigung eines möglichen Anschlagsszenarios“ vorbereitet. Die seit Monaten laufenden Planungen seien darauf ausgerichtet, auf jede neue Lage sofort reagieren zu können. Fahrzeugsperren seien schon vor dem Berliner Anschlag vorgesehen gewesen. „Wir sehen, wie real die Gefahr ist“, sagte Mathies. Gleichzeitig gelte: „Wir werden als Polizei das Feiern nicht verhindern.“ Die Polizei müsse hier die richtige Balance finden. Dass ihr das auch gelinge, habe sie bereits an Karneval und bei den Kölner Lichtern bewiesen. Nach den massenhaften sexuellen Übergriffen auf Frauen in der Silvesternacht 2015 setzt die Kölner Polizei dieses Jahr zehn Mal so viele Beamte ein wie damals. Allein 1500 Beamte der Landespolizei sollen die Feiern absichern. Die Bundespolizei will mit etwa 800 Beamten in Bahnhöfen und Zügen in Nordrhein-Westfalen unterwegs sein. 

„Aktuell deutet nichts darauf hin, dass es eine direkte Bedrohung durch einen Anschlag hier bei uns in Nordrhein-Westfalen geben könnte“, sagte NRW-Ministerpräsidentin Hannelore Kraft (SPD). Sie fügte hinzu: „Aber es muss sich jede Bürgerin und jeder Bürger bewusst sein, dass es auch Nordrhein-Westfalen treffen kann. Wir dürfen die Gefahr nicht ignorieren, wir müssen mir ihr leben.“ Die Polizei habe die Sicherheitsmaßnahmen für die Weihnachtsmärkte in NRW noch einmal verstärkt.

Sperren in Duisburg

In Hagen hat sich die Polizei Unterstützung durch die Feuerwehr und deren Einsatzfahrzeuge geholt. Wie Polizeipressesprecher Ralf Bode auf Nachfrage am Dienstag bestätigte, sicherten Feuerwehrwagen die Zufahrten zum Weihnachtsmarkt. "Das ist eine rein vorsorgliche Maßnahme", so Bode, es gebe keine konkrete Gefahrenlage. Auch hier patrouillierten bewaffnete Beamte durch die Gassen. Wie lange Feuerwehrfahrzeuge die Zufahrten sicherten, könne man nicht absehen, sagte Bode. "Wir bewerten die Lage von Tag zu Tag neu."

Die Stadt Duisburg hat derweil mobile Sperren an den Zufahrtswegen zu ihrem Markt errichtet. In Abstimmung mit der Polizei wurden am Dienstag bereits zwei große mobile Sperren aufgestellt, teilte die Stadt mit. Dort würden während der Öffnungszeiten des Weihnachtsmarktes Mitarbeiter der Polizei und der Stadt eingesetzt. Außerdem würden auf dem Marktgelände „zahlreiche technische Sicherungsmaßnahmen“ platziert. Aus einsatztaktischen Gründen sollten Details dazu nicht genannt werden. Beide Maßnahmen hätten zum Ziel, ein schnelles Durchfahren mit LKW oder Auto zu verhindern. Auch die Kölner Polizeiführung reagierte mit zusätzlichen Kontrollen und Einsatzkräften auf Weihnachtsmärkten und im Stadtgebiet. Man werde weitere Beamte zum Schutz der Märkte freistellen, sagte Polizeipräsident Jürgen Mathies auf dpa-Anfrage. 

Keine Absage

Die Innenminister von Bund und Ländern hatten sich am Dienstag Vormittag gegen eine Absage ähnlicher Veranstaltungen in Deutschland ausgesprochen. Vor Ort solle über angemessene Maßnahmen zur Erhöhung der Sicherheit entschieden werden, teilte das Bundesinnenministerium am Dienstag nach einer Telefonkonferenz der Ressortchefs mit. Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) erklärte: „Egal, was wir im weiteren Verlauf noch über die genauen Hintergründe und Motive der Täter erfahren, wir dürfen und wir werden uns unser freiheitliches Leben nicht nehmen lassen.“

Am Montagabend war ein LKW auf einen Weihnachtsmarkt in Berlin gerast. Zwölf Menschen kamen ums Leben, ein Verdächtiger wurde festgenommen. Die Polizei vermutet einen Terroranschlag.

mit dpa