Fall George Floyd: Prozess gegen Polizisten offenbar nächstes Jahr

Prozess

Der Prozess gegen die vier an der Festnahme von George Floyd beteiligten Polizisten beginnt offenbar erst im nächsten Jahr. Dem Hauptangeklagten drohen 40 Jahre Haft, den anderen lange Haftstrafen.

Minneapolis

30.06.2020, 12:00 Uhr / Lesedauer: 2 min
Ein Knopf mit der Aufschrift «I can't breathe» (Ich kann nicht atmen) ziert die Jacke eines Trauernden vor der Trauerfeier von George Floyd in der Fountain of Praise Church.

Ein Knopf mit der Aufschrift „I can’t breathe“ (Ich kann nicht atmen) ziert die Jacke eines Trauernden vor der Trauerfeier von George Floyd in der Fountain of Praise Church. © picture alliance/dpa

Das Hauptverfahren gegen vier wegen der Tötung des Afroamerikaners George Floyd angeklagte Ex-Polizisten soll US-Medienberichten zufolge am 8. März nächsten Jahres beginnen. Zuvor soll es am 11. September noch eine Anhörung zu Verfahrensfragen geben, wie Richter Peter Cahill am Montag (Ortszeit) verfügte.

Er rechnet damit, dass es Anträge auf getrennt geführte Prozesse gebe. Die beteiligten Anwälte der Angeklagten hat er zusammengestaucht. Falls die öffentlichen Äußerungen nicht aufhören sollten, sei ein Maulkorberlass wahrscheinlich, sagte er am Montag bei einer Anhörung für die vier angeklagten Polizisten.

Prozess an anderen Ort verlegen

Auch die Staatsanwaltschaft solle dafür sorgen, dass öffentlich Angestellte den Fall nicht öffentlich debattieren. Außerdem sei er geneigt, den Prozess an einen anderen Ort zu verlegen, falls dies jemand beantrage.

Der Hauptangeklagte Derek C. nahm über Videolink aus dem Gefängnis an der Anhörung teil, die übrigen drei waren im Gerichtssaal präsent, wie sie weiter berichteten. Ihnen drohen lange Haftstrafen. Zwei der inzwischen entlassenen Polizisten sind auf Kaution frei.

Tod führte zu Massenprotesten

Der unbewaffnete Floyd war am 25. Mai in der Stadt Minneapolis im Bundesstaat Minnesota bei einer brutalen Festnahme ums Leben gekommen. Sein Tod führte im ganzen Land zu Massenprotesten gegen Polizeigewalt und Rassismus.

Die Polizeibeamten hatten Floyd wegen des Verdachts, mit einem falschen 20-Dollar-Schein bezahlt zu haben, festgenommen.

Sie drückten ihn auf der Straße zu Boden. Der weiße Beamte Derek C. drückte sein Knie rund acht Minuten lang in Floyds Hals, während dieser flehte, ihn atmen zu lassen. Floyd verlor der Autopsie zufolge das Bewusstsein und starb an Ort und Stelle.

Mord zweiten Grades

Die Polizisten wurden aus dem Dienst entlassen. Derek C. wird unter anderem Mord zweiten Grades vorgeworfen, worauf in Minnesota bis zu 40 Jahre Haft stehen. Den übrigen Ex-Polizisten wird Beihilfe zur Last gelegt.

Einer von ihnen, Alexander K., plädierte auf nicht schuldig und berief sich auf das Recht der Anwendung verhältnismäßiger Gewalt zur Selbstverteidigung, wie ein bei Gericht eingereichtes Dokument zeigte.

Die Anwälte der übrigen Angeklagten nahmen zu den Vorwürfen noch nicht Stellung, wie die örtlichen Medien berichteten. Die etwa einstündige Anhörung wurde nicht im Fernsehen übertragen. Der Zugang zum Gerichtssaal für Journalisten war auch wegen der Coronavirus-Pandemie begrenzt worden.

RND