Fall Marvin: Angeklagter bekommt ärztliche Hilfe

rnLandgericht Bochum

Im Prozess um den Fall Marvin soll der Angeklagte nach der Sommerpause stets einen Arzt an die Seite gestellt bekommen. Grund dafür sind gesundheitliche Probleme.

von Werner von Braunschweig

Bochum

, 10.07.2020, 04:30 Uhr / Lesedauer: 1 min

Mit Blick auf den angeschlagenen Gesundheitszustand des Angeklagten ist der Prozess um den Fall Marvin am Bochumer Landgericht ohne Zeugenvernehmung fortgesetzt worden. Die Richter wollen künftig auf Nummer sicher gehen und immer einen Arzt im Saal dabeihaben.

Angeklagter hat gesundheitliche Probleme

Übellauniges Abwinken, genervte Miene, kreidebleiches Gesicht: Dass es Lars H. (45) am Donnerstag nicht gut ging, war bereits beim Gang zur Anklagebank kaum zu übersehen. „Mein Mandant hat mir soeben berichtet, dass er heute seine Tabletten nicht bekommen hat. Er zittert und hat Herzrasen“, erklärte Verteidiger Markus Kluck kurz danach und bat um eine vorzeitige Unterbrechung des 11. Verhandlungstages. Ganz ohne Überprüfung dieser Behauptungen wollte die 8. Strafkammer die eigentlich vorgesehene Vernehmung eines Belastungszeugen, der auch schon in einem Zeugenzimmer bereit saß, dann aber doch nicht absagen.

Zunächst wurde in der Justizvollzugsanstalt (JVA) Bochum angerufen, dann die im Saal anwesende Psychiaterin Dr. Maren Losch befragt. Nachdem die Sachverständige mit Blick auf die bekannte Epilepsie-Erkrankung und den erkennbar schlechten Zustand des 45-Jährigen eine anstaltsärztliche Untersuchung empfahl („Es besteht die Gefahr eines epileptischen Anfalls“), entschieden die Bochumer Richter, die Zeugenvernehmung zu verschieben. An den kommenden Prozesstagen soll nun stets vorsorglich auch ein Internist im Gerichtssaal anwesend sein.

Prozess geht nun in eine Pause

Der Prozess geht nun in eine einmonatige Pause bis zum 10. August. Wie bekannt wurde, soll bis dahin die umstrittene Frage der Art der Zeugenvernehmung von Marvin (mit oder ohne Beisein des Angeklagten) neu geprüft werden.

Der vorbestrafte Lars H. soll den anfangs 13-jährigen Marvin zweieinhalb Jahre lang in seiner Wohnung in Recklinghausen-Süd versteckt, mit Geld und Zigaretten belohnt und hundertfach sexuell missbraucht zu haben. Entdeckt wurde Marvin Ende 2019 zufällig bei einer polizeilichen Durchsuchung wegen Kinderporno-Verdachts im Schrank.

wvb

Lesen Sie jetzt