„Farbe tanken“ und sich in ihren Bann ziehen lassen

Kunstmuseum Bochum

Die Farbenpracht des Himmels über kriegszerstörten Landschaften ließ Rupprecht Geiger das Schöne im Düsteren entdecken - diese Erfahrungen bringt er in seinen Werken zum Ausdruck. "Farbe tanken", eine Ausstellung im Kunstmuseum Bochum, lässt die Besucher Farben neu erfahren. Sie wabern, pulsieren, nehmen den Raum ganz für sich ein, ebenso wie die Betrachter.

BOCHUM

, 23.06.2017, 15:51 Uhr / Lesedauer: 1 min
„Farbe tanken“ und sich in ihren Bann ziehen lassen

Rupprecht Geiger spielt in seinen Objekt-Arbeiten mit Rottönen – und buchstäblich mit dem Farbraum.

Im ersten Teil der Ausstellung ist es noch eine warme Einladung, die den Besucher zu den Werken zieht. Schwarz und tiefdunkles Rot dominieren frühe Werke des 2009 gestorbenen Künstlers.

Geiger zieht Inspiration aus der Zeit als Kriegsmaler

Ein breiter, weißer Strich wird zum Licht, zum Ausgang. Hier erkennt man Geigers Inspiration, die er auch aus der Zeit als Kriegsmaler zog, in der ihm vor allem das Rot des Abendhimmels Hoffnung gab.

Den Bezug sieht man auch bei einem weiteren Motiv. In den goldenen Himmel über einer rot glühenden Wüste reißt er mit Schwarz ein riesiges Loch.

Das Rote in all seinen Abstufungen und Nuancen

Rot ist Geigers Farbe - absolut und in all ihren Nuancen. Auch Orange, Gelb und Violett zählen zum Spektrum.

Von einer warmen Einladung ist im zweiten Teil von "Farbe tanken" nichts mehr zu spüren. Geigers hell leuchtenden Farbspiele in Gelb, Orange und sattem Pink, ziehen die Besucher mit Kraft in ihren Bann.

Fluoreszierende Pigmente erzeugen wirkungsvolle Effekte

Mit einer Spritzpistole brachte Geiger seit den 60er-Jahren acrylgebundene, fluoreszierende Pigmente auf die Leinwand und erzeugt wirkungsvolle Effekte.

Beeindruckend: Ein großer, orangefarbener Punkt auf weißem Grund, der nach außen heller wird und umrandet ist von einem feinen Rand in Violett, pulsiert unaufhörlich im Blick.

Auch Formen werden zum Spielball

Und nicht nur mit Farbe weiß Rupprecht Geiger umzugehen. Auch die Formen werden in den 1960ern zu seinem Spielball.

Mal besprüht er eine halbrunde Leinwand oder verbindet mehrere Wände zu zweifarbigen Konstruktionen und bringt sein Rot auf Drei-Meter-Wände.

Figur taucht wie der Betrachter in den Farbraum ein

Auch Skulpturen hat der Künstler gestaltet. In einen Zylinder, innen pink besprüht und auf eine pinkfarbene Wand gerichtet, lässt er eine kleine graue Menschenfigur starren.

Bezeichnend für Geiger, denn auch die Betrachter seiner Werke lässt er auf diese Weise in den Farbraum eintauchen.

: "Farbe tanken", 25.6. (Eröffnung 11.30 Uhr) bis 24.9., Kortumstraße 147, Di-So 10-17 Uhr, Mi 10-20 Uhr.