Fast 35.000 Menschen bei Demo gegen G7-Gipfel

In München

Mit einer großen Kundgebung haben Gegner des G7-Gipfels ihre Proteste gegen das Treffen der sieben wichtigen Industrienationen eingeläutet. Unter dem Motto „TTIP stoppen - Klima retten - Armut bekämpfen“ gingen am Donnerstag in München nach Polizeiangaben fast 35.000 Menschen auf die Straße.

München

04.06.2015, 16:13 Uhr / Lesedauer: 2 min

Auf Plakaten der Demonstranten hieß es etwa „Yes we can - Stop TTIP!“ und „Jedes Kind, das an Hunger stirbt, wurde ermordet“. Am Münchner Hauptbahnhof entrollten Demonstranten ein großes Plakat mit der Aufschrift: „G7-Gipfel blockieren!“ Rund 3000 Polizisten waren in ganz München laut Polizeisprecher Wolfgang Wenger im Einsatz. Im Protest-Camp der G7-Gegner in Garmisch-Partenkirchen kamen nach Angaben der Organisatoren zwischen 250 und 300 Menschen an. „Alles entspannt, tolles Alpenpanorama“, sagte Benjamin Ruß vom Aktionsbündnis Stop G7 Elmau zur Stimmung vor Ort.

Polizei hatte gewaltbereite Demonstranten erwartet

Knapp drei Monate nach den gewalttätigen Ausschreitungen bei der Eröffnung des Neubaus der Europäischen Zentralbank in Frankfurt bereitet den Sicherheitsbehörden rund um Elmau der mögliche Aufmarsch von Autonomen Kopfzerbrechen. Bayerns Innenminister Joachim Herrmann (CSU) hatte am Mittwoch betont, es würden „mindestens zwei- bis dreitausend gewaltbereite Leute“ erwartet.

Größere Zwischenfälle oder gewalttätige Aktionen gab es nicht. „Es ist ein schöner, bunter Zug. Es ist alles friedlich. Das ist schön zu sehen“, zollte der Sprecher des Polizeipräsidiums München, Wolfgang Wenger, den Demonstranten Lob. Auch rund um den Tagungsort am Fuße der Zugspitze blieb es ruhig. 

"Wir spüren die Kontrollen sehr wohl"

Zu dem bunten Protest in München hatten diverse Parteien und Nichtregierungsorganisationen aufgerufen. Vor allem das geplante TTIP-Freihandelsabkommen der EU mit den USA war Thema auf der Kundgebung, an der bei strahlendem Hochsommer-Wetter auch Bundestagsvizepräsidentin Claudia Roth (Grüne) und ihr Parteikollege Jürgen Trittin teilnahmen. Linken-Politiker Klaus Ernst betonte mit Blick auf TTIP: „Das brauchen nur die großen Konzerne.“ Nach dem Auftakt zogen die Menschen in einem Demonstrationszug durch München.

Nach Angaben von Polizeisprecher Hans-Peter Kammerer sind Autonome bereits in Garmisch-Partenkirchen eingetroffen. „Wir spüren durch Kontrollen sehr wohl, dass sich linksextreme autonome Personen hier aufhalten“, sagte er. Zum Schutz des Gipfels sind mehr als 19 000 Beamte im Einsatz - 17 000 in Deutschland, 2100 im benachbarten Tirol. Herrmann sprach vom größten Polizeieinsatz der bayerischen Geschichte. In Elmau treffen sich am Sonntag und Montag die Staats- und Regierungschefs der G7-Staaten.

Sicherheitsvorkehrungen auch im Luftraum

Kanzlerin Angela Merkel (CDU) will am Sonntag gemeinsam mit US-Präsident Barack Obama den Kontakt mit Bürgern suchen. Merkel werde Obama am Sonntagvormittag zu einem Gespräch treffen, hieß es in Regierungskreisen in Berlin. In diesem Zusammenhang sei auch die Begegnung mit Bürgern im kleinen Ort Krün ganz in der Nähe des Tagungsortes Schloss Elmau geplant.

Deutschland wird beim G7-Gipfel die größte Luftraumbeschränkung seiner Geschichte erleben. Von Sonntagmorgen bis Montagabend müssen von Ingolstadt an der Donau bis zum Brenner an der österreichisch-italienischen Grenze alle Privatflugzeuge am Boden bleiben. Die Entfernung beträgt Luftlinie rund 200 Kilometer. 17 Polizeihubschrauber und zwei Flugzeuge überwachen laut Polizei die Einhaltung des Flugverbots, das auch für Drachen- und Gleitschirmflieger sowie Drohnen gilt. 

von dpa