Faszinierende Täuschung von zwei großartigen Künstlern

Osthaus Museum Hagen

Mit der Hundertwasser-Schau hat das Osthaus Museum in Hagen gerade den Ausstellungsknüller des Jahres präsentiert. Heute eröffnet eine ebenso großartige Doppelausstellung von zwei Künstlern, deren Arbeiten überwältigend sind.

HAGEN

, 11.09.2015 / Lesedauer: 3 min

Sowohl Patrick Hughes (76) als auch Filmkünstler Christoph Böll (66) geht es um die Wahrnehmung und um unterschiedliche Perspektiven. Schaut man von Weitem auf die Bilder in den "Bewegenden Räume" von Patrick Hughes sieht man Wolken, die fein säuberlich im Regal aufgereiht sind, Häuser in Venedig oder Blicke in nette Zimmerchen, manchmal paradoxe Dinge. Und oft Bücher, die für Hughes ein Tor zur Welt waren. So weit ist das nicht spektakulär.

Tritt man näher, sieht man, dass diese Bilder dreidimensional sind, aus nach vorn springenden, bemalten Dreiecken zusammengesetzt sind. Deshalb verschwinden - je nach Betrachtungswinkel - in den Bildern Tischchen, Bücher oder ganze Häuser. "Reverspective", also umgekehrte Perspektive, nennt der britische Künstler das.

Pforten der Wahrnehmung

Den Blick für die nach von innen nach außen gedrehte Perspektive wurde in den Kriegsjahren geschärft, als das Kind Patrick Hughes oft unter eine Treppe flüchtete und dort die Stufen von unten sah. Faszinierende Kunst ist das.

Das gilt auch für die Filme, die der Kölner Christoph Böll als "Pforten der Wahrnehmung" zeigt. Den TÜV Rheinland hat er für seinen Film "Kirmes" begleitet. Später war er beim Abriss der Kirche "Maria Hilf" in Bochum dabei, hat Max Imdahl im Atelier besucht und Filme über eine Jüdin und Sturm Ela, der in Düsseldorf 30000 Bäume umknickte, gedreht. Oder Maschinen zu Hauptdarstellern einer "sinnlichen Dokumentation" gemacht. "Dokumentarfilme" nennt Böll die 23- bis 95-minütigen Filme bescheiden. Sie sind große Kunst.

Bildmächtiger Film

Riesig, auf drei Wänden, ist der Film über den Kirchenabriss, der viel mehr grafische Videokunst als Dokumentation ist, im Museum zu sehen. "Kirmes" ist mit dem dritten Satz aus Mahlers vierter Sinfonie unterlegt - ein leiser, eindringlicher, bildmächtiger, eindrucksvoller Film. Am 18. und 19. September (19 Uhr) unterlegt "Dream Control" (Steve Schroyder, früher "Tangerine Dream", und Zeus B. Held, "Birth Control") den Film mit eigener Musik.

Der Mensch steht immer im Mittelpunkt von Bölls Arbeiten. "Ich will zeigen, wie ein Mensch seine Umwelt verändert", sagt der Künstler. Das ist beiden Künstlern dieser Ausstellung eindrucksvoll gelungen.

: "Bewegende Räume" von Patrick Hughes und "Pforten der Wahrnehmung" von Christoph Böll, 12.9. (Eröffnung um 16 Uhr) bis 15.11., Museumsplatz 1, Di-So 11-18 Uhr. Katalog Hughes: 15 Euro, Katalog Böll: 20 Euro.