Fazil Say lässt uns Mozart mit anderen Ohren hören

Philharmonie Essen

Wenn Musik von Mozart zusammen mit Werken des türkischen Pianisten und Komponisten Fazil Say erklingt und er auch noch selbst dabei mitspielt, hört man sie mit ganz anderen Ohren. So auch am Samstag in der Philharmonie Essen beim Konzert des 46-Jährigen, zwischen Orient und Okzident vagabundierenden Klassikkünstlers mit der Camerata Salzburg.

ESSEN

, 07.02.2016, 12:47 Uhr / Lesedauer: 1 min
Der türkische Starpianist Fazil Say spielte in der Philharmonie Essen.

Der türkische Starpianist Fazil Say spielte in der Philharmonie Essen.

Der zunächst nachdenklich am offenen Flügel sitzende Fazil Say schien Mozarts A-Dur-Klavierkonzert KV 414 mit seinen Fingern zu "erzählen". Seine persönliche, intuitiv wirkende Interpretation faszinierte vor allem durch weichen und runden Anschlag.

Melodien sang er zum Teil mit, zwischenzeitlich dirigierte er auch sein eigenes Spiel, sofern er dazu eine Hand freihatte. Für den langsamen Satz fand er einen schwärmerischen Ausdruck, im Finale wurden manche Töne zart hingetupft.

Zarte Begleitung der Camerata Salzburg

Diesem feinen, liebevollen Zugang passten sich die Musiker der Camerata Salzburg an, indem sie den Pianisten ganz zart begleiteten (ein Sonderlob an die beiden Hornisten). Seine auch ohne Dirigent auskommende Mozart-Kompetenz bewies das kleine österreichische Orchester gleichermaßen in der kammermusikalisch durchsichtig gespielten Sinfonie Nr. 29 KV 201, die in den schnellen Sätzen frisch und spritzig, im Andante sehr delikat klang.

Einen "Alla turca"-Rahmen erhielt der Essener Abend durch die beiden in ihren Melodien und Rhythmen hörbar orientalisch geprägten Kompositionen Fazil Says. Einen noch stärkeren Eindruck als die im letzten Jahr in New York uraufgeführte suggestiv-eingängige "Chamber Symphony" hinterließ dabei das Klavierkonzert "Silk Road" von 1996. Hier sorgte das von Say mit Gegenständen auf und zwischen den Saiten präparierte Klavier zusätzlich mit dumpfen, geräuschhaft-perkussiven und schnarrenden Klängen für ungewohnte Farben.

Als Say am Ende mit den Fingern im Flügel eine alte Volksmelodie zupfte, verwandelte sich sein Instrument schier in eine anatolische Zither.