Fazil Say zeigt Chopins Musik als Seelenschmeichler

Der CD-Tipp

DORTMUND. Schon mit seiner Mozart-CD hat Fazil Say aufhorchen lassen. Der türkische Pianist, der Exklusivkünstler des Dortmunder Konzerthauses war, ist ruhiger geworden und krempelt die Musik nicht mehr auf links. Mit seiner neuen Chopin-CD wandelt er auf ganz sanften, fast meditativen Pfaden.

19.09.2017, 16:02 Uhr / Lesedauer: 1 min
Fazil Say zeigt Chopins Musik als Seelenschmeichler

Fazil Say hat seine erste Chopin-CD aufgenommen.

Die 15 bekanntesten der 21 Nocturnes aus allen Schaffensphasen von Chopin hat er eingespielt – Seelenschmeichler sind das unter den Fingern des 47-Jährigen, der früher so wild und ungestüm war.

Wenig Virtuoses

Effektvolles Virtuosentum blitzt auf dieser CD nur selten auf: im c-Moll-Werk op. 48,1 zum Beispiel, das Fazil Say mit so viel Kraft herausspielt, dass es schon Rachmaninow vorausahnen lässt. Manches wirkt improvisiert, aber eigentlich macht der Pianist diese romantischen Nachtstücke zu einer großen Träumerei, zu Liedern ohne Worte, zum sanften Gesang in Diskant-Tönen.

Im Mai im Konzerthaus Dortmund

Balladenhaft kann das klingen – wie im ersten Nocturne, op. 9,1 – oder nach leiser Melancholie. Einen Chopin-Ton, der aufhorchen lässt und mit dem der polnische Pianist Rafal Blechacz das Publikum verzaubert, hat  der 47-Jährige nicht.

Den hatte er auch vor vier Jahren, als er im Konzerthaus Dortmund Chopin gespielt hat, noch nicht gefunden. Fast war da der widerborstige Fazil Say, der alles gegen den Strich gebürstet hat, spannender. Diese Musik auf der CD klingt schön, nur schön. Nicht mehr.

Chopin: Nocturnes mit Fazil Say, Plg Classics (Warner), rund 19 Euro, ASIN B0 71 WN 18 YL.
Im Konzerthaus Dortmund spielt Fazil Say am 17. Mai, 20 Uhr, Werke von Chopin, Beethoven, Satie und Say. Karten: Tel. (0231) 22 69 62 00.

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