Feiner Sopran traf lautes Orchester

Camilla Nylund in Essen

Bei der Essener "Residenz" von Anja Harteros ist der Wurm drin: Nach ihrem Liederabend vor zwei Wochen musste die Sopranistin auch ihre Operngala am Samstagabend mit Musik von Jubilar Richard Strauss absagen. Die Philharmonie Essen fand für sie allerdings sensationellerweise kurzfristig mehr als nur einen Ersatz: Mit Camilla Nylund präsentierte sie eine zweite veritable Strauss-Diva.

ESSEN

, 09.03.2014, 18:57 Uhr / Lesedauer: 1 min
Sopranistin Camilla Nylund sprach kurzfristig ein.

Sopranistin Camilla Nylund sprach kurzfristig ein.

Die weltberühmte finnische Sopranistin, von den Endproben als Elsa in Wagners "Lohengrin" aus Wien eingeflogen, übernahm das Harteros-Programm und verkörperte so in großen Soloszenen die Ariadne auf Naxos, die "Capriccio"-Gräfin, die Marschallin aus dem "Rosenkavalier" und die Titelheldin aus der Oper "Arabella".Strahlende Stimme

Vom Essener Publikum mit großer Sympathie empfangen, adelte Camilla Nylund alle diese Rollen, die sie zum größten Teil schon in Gänze an ersten Häusern wie der Wiener und der Münchner Staatsoper gesungen hat. Mit Ausnahme ihrer Darstellung der dem Ball entgegenfiebernden Arabella verzichtete sie dabei auf große Gesten und fesselte allein mit ihrer Stimme. Und da war ein schlanker, heller, strahlender Sopran mit feinem Vibrato zu erleben, der im Maße der beschworenen Leidenschaften aufblühte, durch bruchlose Registerwechsel berückte und sich überdies stets durch große Textverständlichkeit auszeichnete.

Die Essener Philharmoniker bewährten sich unter Friedrich Haider einmal mehr als das von Stefan Soltesz geschulte schwelgerische Strauss-Orchester, nur musizierten sie teilweise sehr laut.Extrem aufgedreht

Extrem war dies in "Ein Schönes war" aus "Ariadne": Hatten sich die Musiker zuvor noch im "Blumine"-Satz von Mahler für die Soli von Trompete und Klarinette zurückgenommen, so drehten sie nun trotz viel kleinerer Besetzung unverschämt auf.

 

 

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