Festnahme eines 15-Jährigen in Hamburg: „Ich dachte, ich sterbe gleich“

Polizei

Ein Polizeieinsatz in der Hamburger Neustadt vor laufender Handykamera sorgt für Diskussionen. Der Jugendliche schildert jetzt seine Sicht des Vorfalls und macht eine Ankündigung.

Hamburg

21.08.2020, 14:00 Uhr / Lesedauer: 2 min
Über einen Polizeieinsatz in Hamburg hatte es zuletzt Diskussionen gegeben.

Über einen Polizeieinsatz in Hamburg hatte es zuletzt Diskussionen gegeben. © picture alliance/dpa

Mit Gewalt und Pfefferspray bringen Polizisten in Hamburg einen 15-Jährigen zu Boden, Videos der Szene in sozialen Medien lösen eine heftige Debatte um die Rechtmäßigkeit des Einsatzes aus. Gegenüber dem Portal Belltower.News schilderte der 15-Jährige jetzt ausführlich seine Sicht des Vorfalls und kündigt auch rechtliche Schritte an.

Laut Polizei hatte sich der Vorfall ereignet, als ein Stadtteilpolizist den Jugendlichen am Montag habe kontrollieren wollen. Dieser habe mit einem Elektroroller wiederholt verbotswidrig den Gehweg benutzt. Der Jugendliche kam demnach der Aufforderung, sich auszuweisen, nicht nach.

„Ich bin 15 Jahre alt. Erst ab dem 16. Lebensjahr besteht in Deutschland eine Ausweispflicht. Das weiß ich“, sagte der Jugendliche gegenüber Belltower.News. Er habe dem Polizisten auch sein Alter und seinen Namen mitgeteilt. Einen Ausweis habe er nicht dabeigehabt, und das Angebot, seinen Vater anzurufen, damit der den Ausweis bringe, hätten die Polizisten nicht erlaubt.

„Dann sagte man mir, ich müsste mit auf die Wache kommen. Ich wollte aber nicht, weil ich doch meine Personalien längst gesagt hatte und auch angeboten hatte, meinen Ausweis bringen zu lassen. Dann fing die Polizei an, mich festzuhalten“, schildert der Jugendliche seine Sicht des Geschehens.

„Wie in den Videos aus Amerika, wie bei George Floyd“

Dann sei die Situation eskaliert, Polizisten hätten angefangen, ihn anzugreifen. „Ich habe Todesangst bekommen, weil eine Polizistin mit einem Gummihandschuh die ganze Zeit meinen Mund zuhielt. Ich dachte, ich ersticke gleich“, so der 15-Jährige zu Belltower.News. „Als dann die Verstärkung kam und auf mich losging, dachte ich, ich sterbe gleich. Ich dachte, das ist wie in den Videos aus Amerika, wie bei George Floyd, und die denken, dass ich bewaffnet bin.“

Er habe dann sein Oberteil ausgezogen, damit die Polizisten sehen könnten, dass er keine Waffe dabeihabe. Daraufhin seien die Einsatzkräfte „auf mich rauf und drückten mich zu Boden. Ich habe Knüppelschläge gespürt und ein Knie im Nacken“, so der 15-Jährige. Anschließend sei er auf die Wache gebracht worden.

Der Jugendliche will sich einen Anwalt nehmen

Ein Arzt habe später Verletzungen festgestellt. „Ich habe Schmerzen am Nacken, an den Armen, an den Beinen, am Kopf und auch in den Augen wegen des Pfeffersprays“, so der 15-Jährige. Gegenüber Belltower.News kündigte der Jugendliche an, sich einen Anwalt zu nehmen: „Ich finde, dass ich ein Recht darauf habe, dass so etwas untersucht wird.“

Die Polizei betonte, das Video zeige deutlich, dass die Beamten gewillt gewesen seien, den Widerstand mit einfacher körperlicher Gewalt zu beenden und den Jugendlichen zu Boden zu bringen. „Dabei wurden die Einsatztechniken so kontrolliert, dass es dem Jugendlichen jederzeit möglich war zu atmen“, hieß es.

Der Jugendliche sei wegen zweier Attacken auf Lehrkräfte polizeibekannt. Es sei für die Beamten auch nicht einfach gewesen, mit ihm umzugehen. Der 15-Jährige sei 1,85 Meter groß und boxe in einem Verein. Die Polizei kündigte an, der Einsatz werde vom Dezernat Interne Ermittlungen überprüft.

RND/seb, mit dpa

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