Feuerwehr Syburg übte die Realität: Schreie aus dem Autowrack

SYBURG Zwei Autos schießen den Steilhang hinunter, schwer verletzte Kinder wimmern in den zerquetschten Wracks. Blaulicht und Scheinwerfer leuchten das Szenario aus. Eine schockierte Mutter schreit die Retter an: „Warum helfen Sie meinem Kind nicht?“

von Von Peter Bandermann

, 08.11.2008, 19:37 Uhr / Lesedauer: 2 min

14.31 Uhr: Michael Jorg und Markus Weber sperren die Syburger Dorfstraße für den Verkehr.

14.31 Uhr: Michael Jorg und Markus Weber sperren die Syburger Dorfstraße für den Verkehr.

Jürgen Josten schminkt im Gerätehaus an der Reichsmarkstraße die vier Unfallopfer. Malte Bleckmann von der Jugendfeuerwehr sieht aus wie ein Zombie.

Ein Kranwagen setzt zwei zerquetschte Kleinwagen am Steilhang ab. Die Fahrzeuge überschlagen sich und schießen hinab. 

Löschzugführer Oliver Hitzegrad und Michael Jorg besprechen letzte Details. Sonst weiß niemand aus dem Löschzug von dem Unfallszenario. 

Die vier Unfallstatisten treffen am Unfallort ein. Jürgen Josten gibt letzte Anweisungen: „Schieb deinen Oberkörper zwischen die Vordersitze. Dann kommen sie schlechter an dich ran.“

Die Unfallstatisten der Jugendfeuerwehr lachen ein letztes Mal und kriechen in die Unfallwracks. 

Jürgen Josten, 42 Jahre bei der Berufsfeuerwehr und jetzt ehrenamtlich im Dienst, denkt laut nach: „Eigentlich sollte für jeden Autofahrer alle 5 Jahre eine Ersthelferausbildung Pflicht sein.“ Es wird dunkel.

Alle Opfer eingeklemmt. Steffi Wilner, die „schockierte Mutter“, von Beruf Kinderkrankenschwester und ehrenamtlich bei der Feuerwehr, wählt 112.  

Das erste Feuerwehrfahrzeug trifft ein. Einsatzkräfte springen heraus. „Konstruktive Hektik“ und Kommandos bestimmen die Atmosphäre. 

Der Rettungsdienst aus Wichlinghofen trifft ein. 

Die Zahl der Verletzten steht fest. Notärzte setzen Prioritäten, wer zuerst behandelt wird. Jürgen Jostens Lehrsatz „Wer schreit, hat Zeit“ bewahrheitet sich. Josten war früher Leiter der Rettungschule in Hörde.

Stahlscheren zerschneiden den um einen Baum „gewickelten“ Polo. Die Retter können ein vorher von einem Arzt versorgtes Kind jetzt den  Steilhang hinauf tragen und abstransportieren. Jetzt im Einsatz: 42 Kräfte. 

Dirk Aschenbrenner von der Berufsfeuerwehr zieht als Übungsbeoabchter eine Bilanz: „Alle Verletzten sind innerhalb der Zeitvorgaben versorgt worden. Das war ein anspruchsvolles Szenario. Ich freue mich über das Engagement der Freiwilligen: Die haben in der Übung so gearbeitet, als würde es um ein Menschenleben gehen. Ein gutes Gefühl, wenn eine Truppe so motiviert ist.“   

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