FH-Studentin lebte sechs Wochen bei Jesus-Sekte in Sibirien

Foto-Projekt für Abschlussarbeit

Zu Besuch bei Jesus in Sibirien: Die Dortmunder Fotografie-Studentin Julia Sellmann hat sechs Wochen bei einer skurrilen Sekte gelebt und ihre Mitglieder porträtiert. "Die Kirche des letzten Testaments" betet einen russischen Ex-Polizisten als wiedergeborenen Jesus an - und trainiert im Niemandsland an der russisch-mongolischen Grenze für den Weltuntergang.

DORTMUND

, 10.12.2015, 17:39 Uhr / Lesedauer: 1 min
Die Gemeinschaft bezeichnet sich selbst als Ökopolis Tiberkul, das bedeutet so viel wie ökologische Stadt Tiberkul. 4000 der weltweit etwa 8000 Mitglieder dieser Sekte leben an jenem See in der südsibirischen Taiga an der Grenze zur Mongolei.

Die Gemeinschaft bezeichnet sich selbst als Ökopolis Tiberkul, das bedeutet so viel wie ökologische Stadt Tiberkul. 4000 der weltweit etwa 8000 Mitglieder dieser Sekte leben an jenem See in der südsibirischen Taiga an der Grenze zur Mongolei.

Warum schließen sich Menschen einer Gruppe an? Noch dazu einer, bei der die Hürden, sich anzuschließen, hoch sind? Diese Frage beschäftigt Julia Sellmann. Sie versucht, sich den Antworten durch Fotografie zu nähern. Sie porträtiert Menschen, die Teil einer aus ihrer Sicht skurrilen Gruppe sind. Sie hat Jungschützen in ihrer Heimat Werdohl fotografiert und Cosplayer, Menschen, die in die Rollen von Figuren aus Mangas, Computerspielen oder Filmen schlüpfen.

Für ihre Bachelorarbeit des Fotografie-Studiums an der FH Dortmund hat sie ein zeitlich und räumlich begrenztes Projekt gesucht. Eine Kommune, die sie für eine Weile begleiten kann. Bei ihrer Recherche ist sie auf „Die Kirche des letzten Testaments“ gestoßen. Die Sekte nahm sie für sechs Wochen auf. Von August bis September 2014 hat Sellmann mit den Anhängern zusammengelebt. Julia Sellmann war eine geduldete Zuschauerin, sie lebte im Gästehaus im Ort Petropawlowka. 

Trainingslager für den Weltuntergang

Die Gemeinschaft bezeichnet sich selbst als Ökopolis Tiberkul, das bedeutet so viel wie ökologische Stadt Tiberkul. 4000 der weltweit etwa 8000 Mitglieder dieser Sekte leben an jenem See in der südsibirischen Taiga an der Grenze zur Mongolei. Sie leben ohne Strom, ohne technische Hilfsmittel, in einfachen Holzhäusern. „Es ist“, sagt Sellmann, „die in dieser Form größte Selbstversorger-Gemeinschaft der Welt.“

Die Menschen, die dort leben, glauben an Wissarion. Und Wissarion glaubt, er sei Jesus Christus. Der 54-jährige, ehemalige Polizist aus Krasnodar, er heißt eigentlich Sergei Anatoljewitsch Torop, hat diesen Ort am Tiberkul ausgewählt, um sich vor dem Weltuntergang zu schützen, erzählt Julia Sellmann. „Er glaubt, dass unser System zusammenbrechen wird.“ Ökopolis Tiberkul sei eine Art Trainingslager, um sich darauf vorzubereiten – mitten im russischen Nirgendwo.

Sellmanns Porträts:

FOTOSTRECKE
Bildergalerie

Die Menschen der Kirche des letzten Testaments

Die Dortmunder Fotografin Julia Sellmann hat für ihre Bachelorarbeit an der FH Dortmund sechs Wochen bei der Sekte "Die Kirche des letzten Testaments" gelebt. Die Mitglieder, die abgelegen in Sibirien leben, glauben an einen Mann, Wissarion, der glaubt die Wiedergeburt Jesu Christi zu sein. Wir stellen stellen ein paar dieser Menschen vor.
04.12.2015
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Selfie mit Comedian: Stefan Ludwig (links) traf Bernhard Hoëcker, bekannt aus verschiedenen TV-Comedy-Sendungen wie „Switch“ oder „Genial daneben“. Er gehört zu den Prominenten, die sich mit Ludwig für ein Buchprojekt am Phoenix-See getroffen haben.© Foto: Stefan Ludwig
Eine Ein-Mann Hütte in Petropawlowka. Es ist die typische Bauform in der Siedlung, die in Sibirien an der Grenze zur Mongolei liegt.© Foto: Julia Sellmann
Lia lebt in Petropawlowka. Für ihren Besuch des Sommerfestes am 18. August, wo Wissarion eine Rede gehalten hat, hat sie ihre schönste, weiße Kleidung angezogen.© Foto: Julia Sellmann
Wissarion, der im echten Leben Sergei Anatoljewitsch Torop heißt, aus Krasnodar kommt und ein Ex-Polizist ist, sieht aus, wie wir uns Jesus vorstellen: ein Mann mit langen braunen Haaren, weißem Gewand und Sandalen.© Foto: Julia Sellmann
Die Menschen, die dort leben, glauben an Wissarion. Und Wissarion glaubt, er sei Jesus Christus.© Foto: Julia Sellmann
Julia Sellmann hat für ihre Bachelorarbeit des Fotografie-Studiums an der FH Dortmund sechs Wochen bei der "Kirche des letzten Testaments" in Sibirien gelebt und die Sektenmitglieder porträtiert.© Foto: Anna Spindelndreier
Englisch spricht in der Gemeinschaft kaum einer, Sellmann konnte sich nur mit den wenigen Deutschen vor Ort verständigen, sie erklärten ihr, wie die Gemeinschaft funktioniert.© Foto: Julia Sellmann
© Foto: Julia Sellmann
Die Sektenmitglieder leben völlig abgekoppelt von der Außenwelt.© Foto: Julia Sellmann
Die Menschen dort seien Vegetarier oder Veganer, Gemüse bauen sie im Garten an, Kleider waschen sie im Fluss.© Foto: Julia Sellmann
Die erste Kapelle der Kirche des letzten Testaments. Davor, mit einem weißen Tuch abgedeckt, der neue Altar am Tag seiner Einweihung.© Foto: Julia Sellmann
Geld brauchen die Sektenmitglieder nicht.© Foto: Julia Sellmann
Eine unbefestigte Straße führt durch alle Dörfer der Gemeinschaft und endet schließlich in der Modellsiedlung.© Foto: Julia Sellmann
Die Gemeinschaft bezeichnet sich selbst als Ökopolis Tiberkul, das bedeutet so viel wie ökologische Stadt Tiberkul. 4000 der weltweit etwa 8000 Mitglieder dieser Sekte leben an jenem See in der südsibirischen Taiga an der Grenze zur Mongolei.© Foto: Julia Sellmann
Sie leben ohne Strom, ohne technische Hilfsmittel, in einfachen Holzhäusern.© Foto: Julia Sellmann
Das ist einer von zwei Zuflüssen zum See Tiberkul. An ihm liegt die Ökostadt der Sekte.© Foto: Julia Sellmann
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