Fiege will den Nordbahnhof abreissen

Antrag gestellt

Dem historischen Nordbahnhof am Ostring droht der Abriss. In einer Mitteilung bestätigte die Privatbrauerei Moritz Fiege, seit 2000 Eigentümer des Gebäudes, entsprechende Gerüchte. Diese Entscheidung wollen Bochums Historiker nicht unwidersprochen hinnehmen.

BOCHUM

, 12.08.2015, 15:49 Uhr / Lesedauer: 2 min

Jahrelang habe die Brauerei verschiedene Nutzungskonzepte für den 1874 errichteten Bahnhof geprüft. „Leider ließ sich keines der Modelle wirtschaftlich darstellen“, heißt es nun seitens des Unternehmens. Bei den Bochumer Historikern löst das Unternehmen damit Empörung aus. „Es ist das älteste Gebäude dieser Art in der Stadt“, sagt Hans H. Hanke, Vorsitzender der Kortum-Gesellschaft. Erst Anfang Mai dieses Jahres hatte der heimatkundliche Verein ein ausführliches Statement zum Denkmalwert des Bahnhofs an die Stadt geschickt.

Und der sei hoch, so Hanke: „Innen ist das noch der Bahnhof von 1874.“ Und auch außen sei das Gebäude, das im Krieg durch einen Bombentreffer seine oberste Etage verlor, ein besonderes Beispiel der „Wiederaufbauarchitektur: „Er ist so hergerichtet, dass er ein Schmuck der vom Hauptbahnhof ausgehenden Achse ist“, sagt Hanke, der auch die städtebauliche Bedeutung des Bahnhofs für Bochum betont: „Schließlich wurde der Ostring bewusst an den Bahnhof herangeführt.“

Die grundsätzliche Bedeutung des Bahnhofs für die Stadt scheint auch der Brauerei Moritz Fiege bewusst zu sein – zumindest hatte das Unternehmen mit großen Plänen im Jahr 2008 die Revitalisierung des Gebäudes angekündigt. So war in jenem Jahr unter anderem ein Bauantrag gestellt worden, der eine Aufstockung des Gebäudes um ein gläsernes Geschoss vorsah.

Dialogbereitschaft

Als Gründe, warum Fiege nun den Abrissantrag stellt, nennt das Unternehmen die schlechte Durchleuchtung des Erdgeschosses mit Tageslicht sowie eine Durchfeuchtung der Rückwand durch den jahrzehntelangen Leerstand. Das Gebäude verlor 1979 seine Funktion als Bahnhof.

Mehrfach war für den seitdem ungenutzten Bahnhof auch eine Verwendung als Gedenkstätte im Gespräch. Während der Zeit des Nationalsozialismus waren von diesem Bahnhof aus mehrere Deportationszüge gestartet. „Er ist daher ein Ort, der authentisch ist und diese Verbrechen bezeugt“, so Hanke.

Trotz des Antrags zum Abriss wolle die Privatbrauerei Moritz Fiege, die sich in dieser Sache nach eigener Aussage „ökonomisch vernünftig“ zu verhalten habe, den Dialog mit den Interessensgruppen suchen.

"Nicht ganz faire Art"

„Das erst jetzt – nachdem der Antrag gestellt wurde – zu machen, ist eine nicht ganz so faire Art mit den Interessensgemeinschaften umzugehen“, sagt Hanke und betont, dass er in den letzten drei Monaten immer wieder das Gespräch mit der Brauerei gesucht habe. „Es gab jedoch auf meine Bitten keinen Widerhall“, so der Vorsitzende der Kortum-Gesellschaft.

Der Verein sei jedoch weiterhin zu Gesprächen mit der Brauerei bereit: „Wir können gerne mit Fiege darüber reden, wie man mit dem Gebäude umgehen kann“, sagt er. Auch gebe es natürlich die Möglichkeit des Verkaufs an andere Investoren, heißt es seitens der Kortum-Gesellschaft. 

Gebaut wurde der Bahnhof zwischen 1871 und 1874 für den Personen- und Güterverkehr zwischen Osterath (heute Meerbusch) und Dortmund. 1883 wurde er an die Ruhrtalbahn angeschlossen. Mit dem Bau der Verbindungskurve über dem Konrad-Adenauer-Platz – die das Gleisbett des Hauptbahnhofs mit der Strecke in Richtung Herne verbindet – verlor der Bahnhof 1979 seine Funktion.