Film als getanztes Theater

Ballett Dortmund

Wie der Film wäre dieses Ballett einen Oscar wert: Die Tanz-Zwillinge Jiri und Otto Bubenicek haben "Das Piano", den Film aus dem Jahr 1993, als ihr erstes großes Handlungsballett als Uraufführung auf die Bühne des Dortmunder Opernhauses gebracht. 70 Minuten faszinierendes, wunderschönes Tanz-Theater krönten am Samstag die "Drei Streifen: Tanz".

DORTMUND

, 15.02.2015, 12:46 Uhr / Lesedauer: 2 min

Es sieht aus wie in dem Film über die stumme Schottin Ada, die mit Tochter und Klavier in Neuseeland strandet, dort mit Plantagenbesitzer Alistair Stewart verheiratet wird und sich in Nachbar George verliebt.

Videos aus Neuseeland

Otto Bubenicek hat in Neuseeland an den Filmschauplätzen Videos gedreht, die auf zwei Leinwänden Kulisse für das Liebesdrama sind. Da spült das Meer Ada an den Strand, im Nu entstehen mit Videos die Wohnungen von Alistair und George mit Barock-Tapeten oder Blick auf die Natur und eine Kirche.

Jiri Bubenicek choreografiert das Drama auch mit vielen Komödienelementen und wie ein großes Handlungsballett von Tschaikowsky: mit vielen skurrilen Figuren (wie Jelena Anna Stupar als Tante oder Arsen Azatyan als Reverend), mit traditionellen Tänzen der Maori und mit großen Liebes-Pas-de-deux.

Semionovs Wut-Solo

Die darf George (großartig: Arsen Mehrabyan) noch mehr mit Ada (ganz stark gespielt und getanzt von Emilie Nguyen) tanzen als Alistair. Dmitry Semionov hat dafür ein überragend getanztes Wut-Solo. Die junge Casey Hoskins spielt und tanzt Tochter Flora hochprofesionell. Und wer den Film mag, wird auch das wunderschöne Ballett lieben.

Der erste Teil dieses spektakulären Abends ist Tanz pur mit drei Choreografien vom Stuttgarter Demis Volpi und "Closer" von Benjamin Millepied. Primaballerina Monica Fotescu-Uta und Mark Radjapov tanzen diesen Pas-de-Deux zu Minimal-Music von Glass hinreißend.

Das ist 15 Minuten große Tanzkunst, ein Spiel zwischen Nähe und Distanz mit vielen originellen Hebungen. Ein großartiges Kammerspiel des Tanzes.

Technik-Feuerwerk

Technisch ebenso schwer zu tanzen, aber komödiantischer sind die drei Pas-de-deux von Demis Volpi, vor allem "Little Monsters" zu Musik von Elvis Presley mit Stephanine Ricciardi und Francesco Nigro.

Viele neue Facetten von Spitzentanz zeigt Volpi in "Private Light", in dem spannend zu beobachten ist, dass nie beide Füße der Ballerina (Clara Hernandez mit Andrei Morariu) den Boden berühren.

Als Uraufführung präsentierte Volpi das "Ebony Concerto", ein swingendes Tanzstück, in dem auch die Haare der Ballerina (Denise Chiarioni mit Giuseppe Ragona) tanzen. Dieser Abend ist ein Fest für Tanzfreunde.

 

Termine:, 1./7./ 19.3., 24. 4., 7./16. 5., 5. 6.; Karten: Tel. (0231)5027222

 

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