Film "The Promise" ist nicht schlecht, aber ausrechenbar

Melodram im Kino

„The Promise“ ist ein aufklärerischer Film über ein verdrängtes Kapitel der Zeitgeschichte. Regisseur Terry George setzt den Opfern ein Denkmal. Aus Fakt und Fiktion knüpft er das Handlungsgeflecht eines opulenten Historiendramas, das mit seiner Melange aus Liebe, Tragik, Schicksal an „Doktor Schiwago“ erinnert.

17.08.2017, 16:18 Uhr / Lesedauer: 1 min
Film "The Promise" ist nicht schlecht, aber ausrechenbar

Unverhofftes Wiedersehen: Michael (Oscar Isaac) liebt Ana (Charlotte Le Bon), egal, was kommen mag.

Konstantinopel 1914. Eine vitale Stadt, in der Medizinstudent Michael (Oscar Isaac) eine glänzende Zukunft vor sich hat. Er verliebt sich in Ana (Charlotte Le Bon), die wie Michael armenische Wurzeln hat. Und da liegt das Problem, das der amerikanisch-spanische Spielfilm „The Promise“ aufgreift.

Als die Türkei in den Krieg eintritt, kommt es zu Übergriffen auf die Armenier, die man als fünfte Kolonne der Russen diffamiert. Sie sind Freiwild und werden massakriert. Etwa 1,5 Millionen Armenier sterben, auf das Wort „Völkermord“ reagiert die Türkei bis heute extrem gereizt.

Christian Bale als betrogener Reporter

Michael liebt Ana, Ana liebt Michael, obwohl beide liiert sind. Er hat eine Verlobte, sie steckt in einer Beziehung mit dem US-Journalisten Chris (Christian Bale). An diesem Trio buchstabiert der Film das armenische Elend durch. Michael leistet Zwangsarbeit an einer Bahntrasse.

Er rettet sich auf einen Zug voller eingepferchter Armenier – Parallelen zum Holocaust sind gewollt. Ana hilft Waisenkindern bei der Flucht. Chris ist der Reporter ohne Furcht und Tadel, der die Verbrechen protokolliert und drastische Berichte nach New York kabelt.

Bales Rolle ist die Schwäche des Films

An Bales Rolle wird die Schwäche des Films deutlich: Wer Zeitgeschehen exemplarisch an Figuren aufhängt, steht mit einem Bein im Lager der Kolportage. Ein Reporter als Märtyrer der Wahrheit, ein Schmerzensmann, eine Frau zwischen zwei Männern – das Webmuster wirkt bekannt und bieder.

Melodramatisch durchleidet die Musik die Qualen der Armenier, Irrungen und Wirrungen der Liebenden münden in Gefühlskino von beträchtlichem Pathos und Schnulzenfaktor. Kein schlechter Film, aber ein ausrechenbarer.