Finnen verweigern Solidarität

BOCHUM Nokia-Betriebsratschefin Gisela Achenbach Einen Mangel an europäischer Solidarität hat die nach einem Treffen mit Gewerkschaftern in Brüssel beklagt.

30.01.2008, 17:51 Uhr / Lesedauer: 2 min

Sie sei ein bisschen enttäuscht über den Ablauf der Sitzung, sagte Achenbach. Die deutschen Nokia-Beschäftigten wünschten die Unterstützung ihrer europäischen Kollegen. "Dies ist von den finnischen Kollegen nicht der Fall gewesen." Achenbach verließ die Gewerkschaftssitzung in Brüssel vorzeitig.

NRW-Wirtschaftsminsterin Christa Thoben , die gestern eine Termin in Bochum wahrnahm, bezeichnete die signalisierte Gesprächsbereitschaft der Finnen als "Fortschritt". Heute informiert ihr Ministerium die Nokia-Geschäftsleitung, wer in der von Thoben angeregten Arbeitsgruppe sitzen wird. Und sie betonte: "Wir legen Wert darauf, dass der Bochumer Betriebsrat als erstes seine Vorstellungen vortragen darf". Thoben weiter: "Der Betriebsrat traut sich noch einiges zu".

Derweil drängt die katholische Kirche die Leitung des Handyherstellers Nokia zu Gesprächen mit der Mitarbeiterseite. Wie der Essener Weihbischof Franz Grave sagte, hat die Kirche einen Brief an die Unternehmensleitung geschrieben. Darin weist sie auf die Besonnenheit der Betriebsräte hin. Diese Haltung spreche für die "Qualität der Belegschaft". Deren Wunsch nach konstruktiven Gesprächen müsse die Leitung erwidern.

Rats-Resolution

Angesichts eines Berichts über ein großes Betriebsergebnis im Bochumer Nokia-Wert haben die Grünen den Konzern scharf angegriffen. "Wer pro Beschäftigten 90000 Euro Gewinn macht und dann diese Beschäftigen entlassen will, weil die Firma angeblich zu wenig verdient, legt offenkundig die Axt an die soziale Marktwirtschaft." Der finnische Konzern erzielte nach Informationen des Wirtschaftsmagazins "Capital" mit der Handy-Produktion im Werk Bochum 2007 ein Betriebsergebnis vor Zinsen von 134 Millionen Euro.

Der Rat der Stadt hat gestern seine Solidarität mit den Beschäftigten von Nokia bekundet. In einer einstimmig verabschiedeten Resolution fordert er die Firmenleitung auf, seine Verantwortung für den Standort Bochum wahrzunehmen und seinen eigenen Verhaltenskodex zu beherzigen. "Der Rat erwartet deshalb an erster Stelle, dass Nokia Gespräche mit Betriebsrat, Gewerkschaften, Politik und der Stadt über eine Standortsicherung aufnimmt", heißt es weiter.

 

Die Solidarität der Bochumer Symphoniker mit den Nokia-Mitarbeitern wird praktisch: Am Samstag (2.) geben um 14 Uhr in der Christuskirche am Rathaus die Musiker ein Solidaritätskonzert für die Nokianer. Der Eintritt ist frei. Es wird um Spenden für zukünftige Aktionen des Nokia-Betriebsrates gebeten.