Finnische Kunst, die zu sich selbst gefunden hat

Sehnsucht Finnland

Eigenständige finnische Kunst entstand erst ab Ende des 19. Jahrhunderts - da gehörte Finnland noch zu Russland. Als es 1917 unabhängig wurde, verfügte das Land schon über eigene Nationalkunst. 70 solcher Werke zeigt die Sonderausstellung "Sehnsucht Finnland" im Gustav Lübcke Museum in Hamm erstmals in Deutschland.

HAMM

, 25.01.2016, 16:08 Uhr / Lesedauer: 1 min
Finnische Kunst, die zu sich selbst gefunden hat

Landschaftsbild von Pekka Halonen: "Die Sägemühle in Myllykylä", 1899

Die Ausstellung ist eine Darstellung finnischer Kunstgeschichte von 1880 bis 1920. Eine Geschichte, die nur beginnen konnte, weil Finnland seit 1809 als autonomes Großfürstentum Russlands neue Freiheiten gewann.

"700 Jahre, unter Schwedens Herrschaft, konnte sich keine finnische Kultur herausbilden", sagt die Museumsdirektorin Friederike Daugelat. Umso größer war der Drang der Finnen im 19. Jahrhundert, das typische Finnland künstlerisch abzubilden.

In Frankreich gelernt

Weil ihnen die künstlerischen Fähigkeiten und eigene Kunstschulen fehlten, reisten viele Maler nach Frankreich. Daher malten die ersten finnischen Künstler französische Motive, Nils Krüger 1886 etwa seinen "Austernfischer in der Bretagne". Neben diesem und weiteren impressionistischen Werken hängen in Hamm Gemälde im realistischen Stil. Realismus und Moderne entstanden in Finnland zeitgleich, weil beide Stile in Frankreich bereits bekannt waren.

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Ausstellung "Sehnsucht Finnland"

Finnische Kunst ist jung. Werke, die heute als Nationalkunst gelten, entstanden erst seit Ende des 19. Jahrhunderts. Im Gustav Lübcke Museum in Hamm sind 70 dieser Werke in der Sonderausstellung "Sehnsucht Finnland" ausgestellt. Sie erzählen interessante Geschichten über die Entstehung der finnischen Kunst zwischen 1880 und 1920.
19.10.2015
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Landschaftsmalereien wie die, vor denen die Direktorin des Gustav Lübcke Museums, Friederike Daugelat, steht, sind typisch für finnische Nationalkunst.© Vanessa Dumke
Der Ausstellungsraum ist bewusst großzügig und weit gehalten - eine Parallele zur finnischen Landschaft.© Vanessa Dumke
Um 1900, als finnische Kunst entstand, wollten die Maler den Charakter Finnlands abbilden. So entstanden auch Malereien von typischen Finnen. Hier: "Matti, der Luchsjäger", Akselin Gallen-Kallela, 1905.© Vanessa Dumke
In Frankreich schulten sich finnische Künstler. Sie eigneten sich dort den realistischen Stil an. Hugo Simberg hat 1902 dieses Bild "Studie eines Modells" gemalt.© Vanessa Dumke
Andere entschieden sich im gleichen Zeitraum für den impressionistischen Stil. Hier: "Mädchen auf der Wiese", Alin Danielson-Gantogi, 1880© Vanessa Dumke
Noch ein impressionistisches Gemälde, das in Frankreich entstanden ist: "Gitana tanzend", Albert Edelfelt, 1881© Vanessa Dumke
Frauen waren in Finnland als Künstler früher anerkannt, als in anderen Ländern. Es sollte schnell finnische Kunst entstehen, aber es gab nur wenig Künstler. Da kam es auf jeden einzelnen an.© Vanessa Dumke
"Der Fluss Kymi im Winter" von Victor Westerlohn (1919) zeigt die Landschaft so, wie der Maler sie sich wünscht. Eigentlich stand an dem Fluss bereits ein Wasserkraftwerk, aber Westerlohn stand der Industrialisierung als einer der ersten Naturschützer skeptisch gegenüber.© Vanessa Dumke
Landschaftsbild von Pekka Halonen: "Die Sägemühle in Myllykylä", 1899© Foto: Vanessa Dumke
Tierbilder haben finnische Künstler nicht gezeichnet. Denn die Tiere, die es in Finnland gab, gab es auch in anderen skandinavischen Ländern. Sie bildeten nicht das typische Finnland ab. Dieses Werk - das größte Gemälde in der Ausstellung "Sehnsucht Finnland" ist vom schwedischen Maler Bruno Liljefors, 1915. Es heißt "Stumme Schwäne".© Vanessa Dumke

Mit den Techniken der Malerei vertraut und zurück in der Heimat, galt es, finnische Motive zu zeichnen. Weite Landschaften mit Seen und finnische Bürger sind auf dem Großteil der Nationalkunstwerke zu sehen. Auch auf dem Titelbild der Ausstellung, Akseli Gallen-Kallelas "Landschaft in Kuhmo". Wenn Finnen Stillleben malten, dann nur, um neue Techniken auszuprobieren. "Denn Gegenstände ohne Bedeutung vermochten es nicht, den Charakter des Landes darzustellen", erklärt Daugelat. Ebenso Tierbilder.

Audioguide hilft beim Rundgang

Alle Tiere, die es in Finnland gibt, gibt es auch in Schweden. Trotzdem sind zwei Gemälde mit Tieren ausgestellt, beide vom Schweden Bruno Liljefors. Was es mit ihnen auf sich hat, erklärt ein Audioguide. Er verrät dem Besucher auch, dass Künstlerinnen in Finnland von Beginn an anerkannt waren: In dem jungen skandinavischen Land gab es so wenig Künstler, dass jeder und jede gebraucht wurde, um eine Nationalkunst zu erschaffen.

Mit derlei Informationen präsentiert "Sehnsucht Finnland" nicht nur bedeutende Kunstwerke. Zugleich wird auch finnische Kulturgeschichte begreifbar. 

Gustav Museum Hamm: "Sehnsucht Finnland", bis 20.3., Neue Bahnhofstraße 9, Di-Sa 10-17 Uhr, So 10-18 Uhr, Eintritt 9 Euro (erm. 7 Euro, Kinder 5 Euro)