Fliegen kann es nicht ...

BOCHUM Christian Sperl flitzt um die Kurve. Nicht auf seinen zwei Beinen, sondern auf den drei Rädern seines Elektrofahrzeugs. Einem Twike. Und das ist so was wie eine kleine Wundermaschine.

von Von Claudia Picker

, 11.02.2009 / Lesedauer: 3 min
Fliegen kann es nicht ...

Christian Sperl macht die Luken von seinem Twike dicht. Und schon kann die Fahrt kann losgehen - ganz ohne Motorengeräusch.

 „Kann das auch fliegen?“ Nein, das kann es nicht. Eigentlich ist nicht viel dran an dem weißen Twike. Es ist ein Zweisitzer, hat kein Lenkrad, sondern eine Art Ruderpinne und Fahrradpedalen im Innenraum. Ein zweiter Hebel soll die Bremse sein, zwischen den beiden Sitzen ist so was wie ein Armaturenbrett. Ein Radio möchte Christian Sperl noch einbauen. Diese Minimalausstattung  bedeutet aber nichts. Denn in dem kleinen Fahrzeug steckt weitaus mehr.

Knapp 460 Kilowattstunden zeigt der Stromzähler  im Auto an. Das ist die Tankfüllung seit vergangenem Sommer. „Für 80 Kilometer zahlt man vielleicht einen Euro“, sagt Sperl. Ist es dann noch Solarstrom, kann man sich in diesem Fall von Umweltsünden frei sprechen und sogar die zehn Meter bis zum Nachbarn mit dem Auto fahren – null Emission, null Feinstaub, null Ölwechsel, null alles eigentlich. Nur beim Kalorienverbrauch des Fahrers ist das anders … Aber da hat Christian Sperl mitgedacht. In seinem Zweisitzer sind Fahrradpedalen eingebaut. Mit Kette und Gangschaltung. „Das ist mein Sportprogramm.“ Statt auf dem Heimtrainer auf der Stelle zu strampeln, fährt er durch Innenstadtstraßen, unterstützt damit minimal den Elektromotor und bleibt vor allem fit – trotz Bequemlichkeit.

Wie ein Ruder hält Christian Sperl die „Ruderpinne“ in der Hand. Er zieht es mal leicht nach links, mal nach rechts. An der Rückseite ist ein Knopf. Damit kann Sperl das Tempo bestimmten. Die Geschwindigkeit regelt ein Tempomat. „Laut Tacho kann ich 95 Kilometer pro Stunde fahren.“ Das reicht Sperl. Er fahre hauptsächlich Kurzstrecken. „Angst vorm Liegenbleiben braucht heute niemand mehr haben“, sagt der E-Mobil-Fan. Im Notfall könne man ja jede Steckdose nutzen. Man müsse nur dem Besitzer erklären, dass man seine Stromrechnung so gut wie gar nicht belastet.

Einkaufen sei auch kein Problem. „Rein rechnerisch habe ich mehr Platz als in einem Smart.“ Und um seine Sicherheit sorgt er sich ebenfalls nicht: „Mit diesem Fahrzeug wird man nicht übersehen“, sagt er. Einzig, die Radfahrer und Fußgänger achten eher selten auf ihn: „Die hören mich einfach nicht.“ Sein Twike ist fast geräuschlos.

Bei dem Wort „Steuern“ lächelt Sperl: Fünf Euro zahle er im Jahr. Quasi nichts. Dafür sei die Anschaffung teuer, weil jedes Modell handgemacht sei. Auf einen Neuwagen muss man zur Zeit anderthalb Jahre warten. Der Markt kann einfach den Bedarf nicht decken. Die Akkus sind ebenfalls nicht günstig. Sie halten aber lange, so Sperl. Er sieht es mit Blick in die Zukunft: „Das ist vorausgezahltes Benzingeld – und ich spare trotzdem.“