Florence ist die schlechteste Opernsängerin der Welt

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Wäre die Handlung erfunden, würde man sie konstruiert nennen: Kann es sein, dass eine Sängerin, die keinen Ton trifft, vor 3000 Leuten in der Carnegie Hall auftritt? Doch – Florence Foster Jenkins (1868 - 1944) war ihr Name, und Regisseur Stephen Frears erzählt ihre Geschichte.

24.11.2016 / Lesedauer: 3 min
Florence ist die schlechteste Opernsängerin der Welt

St. Clair Bayfield (Hugh Grant) schützt seine Frau Florence (Meryl Streep) vor der bitteren Wahrheit der Talentlosigkeit.

In der Hauptrolle brilliert Meryl Streep, von der man seit „Mamma Mia“ weiß, dass sie eine mehr als akzeptable Gesangsstimme hat. Was sie bei Frears an Schlecht-Singerei hören lässt, ist einfach fabelhaft: wunderbar grotesk, schallend komisch, aber auch irritierend und zum Ende hin mitleiderregend traurig.

Ist Florence taub? Ihr darf doch nicht entgehen, dass ihr Gesang unbeleckt von aller Technik in jeder Höhe und Tonart schief liegt, dass ihre Arien klingen, als kläffe ein kurzatmiges Hündchen.

Streep produziert steinerweichende Jauler, strahlt dabei aber Selbstbewusstsein aus und bewegt sich mit der verrutschten Grandezza einer fülligen Matrone, die man ins Kostüm einer spanischen Tänzerin oder einer Scheherezade „geschossen“ hat.

Umgeben von Speichelleckern

Unglaublich peinlich, unglaublich witzig. Man prustet vor Lachen. Die Zuhörer bei Jenkins‘ Privatkonzerten würden gerne loswiehern, beißen aber auf ihre Lippen oder ins Taschentuch.

Manche sind auch einfältig wie Florence selbst und finden es „großartig, Darling, großartig!“ Die Sängerin ohne Stimme lebte in einer Blase, wie Stephen Frears es sieht: Sie war umgeben von Speichelleckern und Menschen, die sie vor der Wahrheit abschirmten.

Da wäre der Mann, mit dem sie in platonischer Ehe lebt, St. Clair Bayfield, gespielt von Hugh Grant. Er macht jederzeit gute Miene zum bösen Spiel, fällt Florence nicht in den Rücken, stützt die Fassade mit allem, was er kann.

Florence hat Vermögen, Bayfield einen Schmarotzer zu nennen, trifft es aber nicht. Zwar hat er eine Geliebte, aber auch eine starke Bindung zu Florence, deren Seelenmasseur er ist.

Ein seltsames Paar

Zugegeben, ein seltsames Paar mit spezieller Chemie. Das merkt auch Pianist Cosme McMoon (Simon Helberg aus „The Big Bang Theory“), der als Florences musikalischer Begleiter engagiert wird.

Am liebsten würde er hinschmeißen, die Arbeit mit der Unsäglichen ist schlecht für die Reputation. Dann bleibt er, weil er die Tragik in Florence Leben erkennt. Warum einer herzensguten Frau ihren Halt und ihre Illusion rauben?

Eine lustige, rührende, nobel ausgestattete, gut gespielte Tragikomödie. Mit einer Hauptfigur, die ihre Tragik verkennt. Sehenswert.