Flucht aus demFoltercamp der„Colonia Dignidad“

Im Kino

Ein Stück Deutschland in Chile. Zucht und Ordnung, Grüß Gott und Blasmusik. Außen verläuft Stacheldraht, innen, wo Hunde kläffen, regiert der Terror. Was schwer an ein KZ erinnert.

19.02.2016, 17:07 Uhr / Lesedauer: 1 min
Flucht aus demFoltercamp der„Colonia Dignidad“

Daniel (Daniel Brühl) demonstriert für Präsident Allende – sein Verhängnis.

"Colonia Dignidad" hieß die Siedlung des Predigers Paul Schäfer, der nach Belieben mit seinen Schäfchen verfuhr, die ihn als Halbgott verehrten. Er führte ein Regiment der Gewalt und machte die Kolonie zum geheimen Foltercamp von Pinochets Militärjunta.

Brühl als Aktivist

Wahre Fakten, zwei fiktionale Hauptfiguren - mit diesem Ansatz geht Florian Gallenbergers Film "Colonia Dignidad" das Thema an. Daniel Brühl spielt den Aktivisten Daniel, der im Chile von 1973 Flugblätter für Präsident Allende entwirft und nach dem Putsch verhaftet wird. Emma Watson ist als seine Geliebte Lena zu sehen. Eine Stewardess, die todesmutig in Schäfers Kolonie geht, als sie hört, dass Daniel dorthin verschleppt wurde.

Lena tarnt sich als demütige Gottessucherin, während Daniel nach der Folter den tumben Idioten heuchelt. Beide sind umringt von Aufsehern und Duckmäusern, die Schäfer (herrisch und bedrohlich: Mikael Niqvist) mit Knute und Tabletten ruhigstellt.

Passionsgeschichte

Eine Passionsgeschichte im Szenario von "Nackt unter Wölfen", weniger eine Analyse der Mechanismen massenhafter Gehirnwäsche. Die Dramaturgie ist auf Spannung aus, und die ist mit Händen zu greifen. Es gibt keine Privatsphäre in der Kolonie, der Satan Schäfer hat überall seine Ohren. Wer an Flucht denkt, riskiert sein Leben. Lena und Daniel wagen es trotzdem. Ihre Liebe im Angesicht des Todes ist blumiger Kintopp, doch als nervenaufreibender Thriller funktioniert der Film ganz prächtig.

Nicht erfunden hat Gallenberger die Kumpanei zwischen Chiles Militär und Teilen der deutschen Botschaft, die bei ihm in eine atemlose Fluchtsequenz mündet. Die späte Abrechnung mit einer Diktatur und ihren Komplizen, ein gut gespielter (Polit-) Thriller, der nur gelegentlich zu dick aufträgt. Sehenswert.