Flüchtlingsoper „The Greek Passion“ ist dramatisches Oratorium

Aalto-Theater

Aktueller geht es kaum: Am Samstagabend startete das Aalto-Theater Essen mit "The Greek Passion" (Die griechische Passion) von Bohuslav Martinu, einer Oper über Flüchtlinge, in die neue Saison.

ESSEN

, 27.09.2015 / Lesedauer: 2 min
Flüchtlingsoper  „The Greek Passion“ ist dramatisches Oratorium

Yannakos (Michael Smallwood) mit Katerina (Jessica Muirhead) im Gemüsebeet.

Das auf Englisch gesungene Plädoyer des gebürtigen Tschechen für eine auch für die Fremden geltende christliche Nächstenliebe, vollendet 1959, traf auf große, einhellige Zustimmung des Premierenpublikums im Essener Aalto-Theater.

Dabei setzt die mit hohen Mauern aufwartende Inszenierung von Jiri Herman und seinem Bühnenbildner Dragan Stojcevski allerdings wohltuend auf eher zeitlose, ruhig fließende Bilder statt auf Aktionismus und Aktualitätsbezug.

Dramatisches Oratorium

In Martinus auf Nikos Kazantzakis' gleichnamigem Roman basierender Oper ist es ausgerechnet das religiöse Oberhaupt, der Priester Grigoris, der die in sein Dorf kommenden Flüchtlinge wieder vertreiben will. Und dafür auch nicht davor zurückschreckt, den allzu wohltätigen Jesus im Passionsspiel umbringen zu lassen.

Weil aber nicht nur sein Jesus, sondern alle Darsteller sich zunehmend mit ihren Rollen identifizieren, die Flüchtlinge überdies liturgische Gesänge wie das "Kyrie" anstimmen, wird "The Greek Passion" zu einer Art dramatischem Oratorium oder geistlicher Oper.

Entsprechend wichtig sind die Chöre, die vom Opern-, Extra- und Kinderchor des Aalto-Theaters sehr differenziert und klangvoll ausgeführt werden.

Starke Solisten

Das starke Solistenensemble führt die neu in Essen singende britisch-kanadische Sopranistin Jessica Muirhead mit üppig-sinnlicher, tragfähiger Stimme als Katerina alias Maria Magdalena an. Jeffrey Dowd ist als Manolios/Jesus ihr charismatischer Partner. Michael Smallwood gibt einen überzeugenden Yannakos/Petrus ab.

Die Essener Philharmoniker unter Generalmusikdirektor Tomas Netopil lassen die Musik suggestiv schillern und entfalten eine Sogwirkung, die den zweieinhalbstündigen Abend trägt und zum unvergesslichen Erlebnis macht.

Termine: 1./4./10./ 25./ 28.10., 12./14.11.; Karten: Tel. (02 01) 81222 00.