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Flüchtlingstragödie begreifen

Schauspielhaus Bochum

Das Schauspielhaus Bochum möchte gemeinsam mit dem Spediteur Gerard Graf ein Zeichen setzen für eine menschlichere Flüchtlingspolitik. Die Mittel dazu sind allerdings drastisch. Der Bochumer Spediteur stellt am Mittwoch (2.9.) vor dem Theater einen LKW auf, in dem die Besucher zumindest die Enge des furchtbaren Geschehens werden begreifen können.

BOCHUM

von Von Bettina Jäger und dpa

, 01.09.2015 / Lesedauer: 2 min
Flüchtlingstragödie begreifen

In diesem LKW starben 71 Flüchtlinge.

Zwischen 18 und 18.30 Uhr wird der 56-Jährige auf dem Vorplatz des Theaters einen seiner LKW parken, der genauso groß ist wie der Wagen, in dem vor einer Woche 71 Flüchtlinge ihr Leben verloren. "Es wird die Möglichkeit geben, den LKW zu betreten und für einen kurzen Moment zu erleben, wie es sich anfühlt, wenn sich die Türen schließen", kündigte das Theater ein.

Der Titel der Aktion lautet: "Niemand darf in einem LKW sterben müssen". Zusätzlich werden die Mitarbeiter des Theaters auch die Grundfläche von 6 mal 2,5 Metern auf dem Boden abkleben, damit man sich ein Bild machen kann.

"Gruseltourismus"

Von "Gruseltourismus" will der leitende Dramaturg des Bochumer Schauspielhauses, Olaf Kröck, nichts hören. Er sagte, zynisch sei vor allem das, was die Realität gerade biete.

"Das Angstgefühl will ich gar nicht vermitteln", betonte auch Gerard Graf. Ihm geht es darum, zu einer anderen Flüchtlingspolitik aufzurufen.

Es dürfe doch nicht sein, dass Menschen sich in eine solche Situation begeben müssen. "Diese Menschen haben keine andere Möglichkeit für sich selbst und ihre Kinder gesehen", sagte der Bochumer, der selbst drei erwachsene Kinder hat.

Recht auf Asyl

Als Spediteur kennt er die ausweglose Lage von Flüchtlingen. Schon seit Jahren gebe es lebensgefährliche Situationen, in denen sich Flüchtlinge sogar auf die LKW-Achse unter den Wagen legen.

Gerade die Menschen aus Syrien hätten ein Recht auf Asyl, so Graf. Deshalb müsste die Einreise vereinfacht werden, etwa mit Stationen, an denen die Menschen mit Bussen abgeholt werden.

"Dafür braucht es mutige Politiker", so Graf, der hofft, dass sich die Bochumer OB-Kandidaten heute einfinden.

Dass Menschen seine Aktion auch missfallen könnte, ist ihm egal: "Alles, was dazu beiträgt, dass die Menschen über die Flüchtlingsproblematik sprechen, empfinde ich als positiv."