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Folkwang zeigt das Kriegsgrauen in Bildern

"Conflict, Time, Fotographie"

Trümmerfelder, verwundete Menschen, postapokalyptische Landstriche - es ist beängstigend, was das Essener Museum Folkwang in seiner Fotoausstellung "Conflict, Time, Photography" zeigt. In Zusammenarbeit mit der weltberühmten Londoner Tate Gallery of Modern Art und der staatlichen Kunstsammlung Dresden offenbart die Ausstellung schonungslos das Grauen des Krieges und dessen künstlerische Verarbeitung in der Fotokunst.

ESSEN

, 10.04.2015 / Lesedauer: 3 min
Folkwang zeigt das Kriegsgrauen in Bildern

Trügerische Idylle: Das Foto zeigt ein Gebäude im afghanischen Kabul nach einer kriegerischen Auseinandersetzung im Jahr 2003.

Es ist eine Welt der Kriege, verteilt über alle Erdteile, durch die die Ausstellung führt. Sie zeigt zu Beginn den Atompilz von Hiroshima, dann das zerstörte Reims nach dem Ersten Weltkrieg. Die Anordnung der Bilder richtet sich nach dem zeitlichen Abstand zu dem Ereignis, auf das sich die Fotografen beziehen.

Sie beginnt mit Fotografien, die unmittelbar nach Bombeneinschlägen und Gewehrsalven entstanden sind, und endet mit Aufnahmen, die 100 Jahre später gemacht wurden - etwa am Ort einer Hinrichtung. Dabei schleicht sich das Grauen nach und nach in das Bewusstsein des Betrachters.

Keine einfache Ausstellung

"Es ist keine einfache Ausstellung", gibt Tobia Bezzola, Direktor des Museum Folkwang, zu. Der Schweizer nennt die Ausstellung einen "poetischen Essay", der erzählt werde, um aus persönlichen Geschichten echte Historie zu machen.

Es sind Geschichten wie die eines japanischen Wächters, dessen Schatten sich in die Holzwand eines Hauses einbrannte. Er muss 1945 von der Atombombe über Nagasaki überrascht worden sein - und starb vermutlich einen qualvollen Tod. Nur drei Wochen nach dem Inferno machte Fotograf Matsumoto Eiichi diese erschreckende Aufnahme.

Bis ins Mark

Die Ausstellung mit 130 Fotografien und insgesamt mehr als 800 Exponaten dringt ins Mark des Betrachters, gibt ihm das Gefühl, einen intimen Blick in Nachkriegsschauplätze zu werfen - zehn, 20 oder 100 Jahre nach einem Gefecht. "Es gibt Fotos aus Berlin im Jahr 1961, von denen man denkt, der Krieg sei erst seit einem Tag vorbei", sagt der Brite Simon Baker, Kurator der Ausstellung, die zuletzt in der Londoner Tate Modern zu sehen war.

Verschiedene Konzepte

Erstaunlich, meint er, seien die verschiedenen Konzepte, mit denen Fotografen an die Motive herangingen. Auf 1400 Quadratmetern in 13 Ausstellungsräumen hängen nicht nur Arbeiten von Profis, sondern auch Werke von Amateurfotografen, wie die Bilder der nach dem Zweiten Weltkrieg in Schutt und Asche liegenden Stadt Essen. Eigens für das Folkwang Museum wurde "Conflict, Time, Photography" dieser Abschnitt mit Fotografien des zerstörten Ruhrgebietes und des Rheinlandes nach dem Zweiten Weltkrieg angefügt.

Essener Ruinen

Die Aufnahmen zeigen eine Normalisierung des Alltags inmitten einer kriegerischen Verwüstung. Sie zeigen Brotverkäufer zwischen Trümmern, Menschen mit Hüten und feinen Mänteln neben Essener Ruinen. Eindrücke aus vergangenen Tagen, die man heute täglich aus anderen Gegenden der Welt erhält.

Die Ausstellung zeigt aber auch Szenen, die erst idyllisch anmuten, um beim Blick auf den Begleittext ihr volles Grauen zu entfalten. "Viele Fotos können selbst dann eine Wirkung haben, wenn auf ihnen scheinbar nicht viel zu sehen ist", erklärt Kurator Simon Baker. Eine Wirkung, die nach dem Besuch der Ausstellung tiefe Spuren hinterlässt.

Museum Folkwang Essen: Conflict, Time, Photography", bis 5. Juli, Museumsplatz 1, Di/Mi 10 bis 18 Uhr, Do/Fr 10-20 Uhr, Sa/So 10-18 Uhr, Katalog 29,90 Euro. wwww.museum-folkwang.de

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