"Forced Entertainment": Schlachtfeld mit Haushaltswaren

Ruhrtriennale

Die Theatergruppe "Forced Entertainment" hat groß eingekauft. Und zwar in der Abteilung Haushaltswaren. Töpfe oder Siebe setzten sich die Schauspieler auf den Kopf - fertig ist der Helm. Besen her - fertig ist das Gewehr. Besonders tödlich scheint der kümmerliche Rest eines Staubsaugers zu sein. So bewaffnet geht es auf das Schlachtfeld der Geschichte.

GLADBECK

von Von Bettina Jäger

, 06.09.2013, 12:30 Uhr / Lesedauer: 1 min

"The Last Adventures" (Die letzten Abenteuer) heißt diese Uraufführung der Gruppe "Forced Entertainment", zu sehen bei der Ruhrtriennale in der Maschinenhalle Zweckel in Gladbeck. Damit ist auch schon die größte Attraktion genannt: die schöne Jugendstilhalle. Der Theaterabend bleibt dagegen belanglos, erhält auch nur mäßigen Applaus.

Und zwar nicht, weil er mit einfachen Mitteln arbeitet. Das ist zwar nicht neu, aber respektabel. Zu Anfang gibt es eine Art Sprechunterricht mit Sätzen, die immer indoktrinierender werden.Silhouetten aus Sperrholz Sei wach, schlaf nie! Dann geben die 16 Schauspieler 16 Bäume, tragen die aus Sperrholz ausgesägten Silhouetten herum. Symbole der Natur. Wenn doch der Mensch nicht immer Krieg anfangen würde ...

Aus Kisten holt das Ensemble die Requisiten dafür. Regisseur Tim Etchells erschafft "Killing fields" aus Küchengeschirr. Rote Bänder geben die herausquellenden Gedärme.Schön, dass auch glänzende Alufolie zum Einsatz kommt. Als Roboter oder als Sternchen, die sich Hofdamen über den Kopf hauen. Mit Wolken und Wellen als Anleihen beim Barock-Theater macht Bühnenbildner Richard Lowdon ein bisschen was her.Es bleibt Dilettantismus

Die Schauspieler - nur da merkt man die Klasse der 1984 gegründeten Truppe - improvisieren sehr gut. In den besten Momenten erinnern die Kriegsopfer an Bilder von Dix oder Grosz.

Aber absichtlicher Dilettantismus bleibt hier doch Dilettantismus. Dass Krieg eine üble Sache ist, hatten wir schon nach den ersten zehn Minuten der (sehr langen) 80 Minuten verstanden.Spannender ist die Geräusch-Collage von Tarek Atoui. Der Künstler entlockt einem gordischen Knoten aus Elektronik faszinierende Klänge. Nur mit der Handlung findet das nicht recht zusammen.

Termine: 7./8.9., 20.30 Uhr, Karten: Tel. (0221) 28 02 10.