Forscher sagen noch mehr extreme Winter voraus - trotzdem keine Eiszeit

Wetter

Auf den aktuellen eisigen Wintereinbruch in Europa werden Klimaforschern zufolge in den kommenden Jahren viele weitere folgen. Sie halten aber jeweils nicht lange an. Generell werde auch diese Jahreszeit eher wärmer.

BERLIN

von Von Simone Humml und Matthias Brunnert, dpa

, 26.03.2013, 14:59 Uhr / Lesedauer: 2 min
Ist der lange, kalte und dunkle Winter 2013 Vorbote für eine neue Eiszeit? Nein, meint der Sonnenphysiker Werner Curdt.

Ist der lange, kalte und dunkle Winter 2013 Vorbote für eine neue Eiszeit? Nein, meint der Sonnenphysiker Werner Curdt.

In ganz Deutschland ist es Ostern diesmal deutlich kälter als an Weihnachten. 2012 hatte der Deutsche Wetterdienst (DWD) den wärmsten Heiligabend seit Beginn der Wetteraufzeichnungen registriert.

 Der Rekord lag bei fast 19 Grad am 24. Dezember in Freiburg. Dort soll es auch am Osterwochenende wieder am wärmsten werden - allerdings nur 10 Grad. 

Pik-Forscher Prof. Vladimir Petoukhov hatte bereits 2010 in einer Modellrechnung eine Verdreifachung extremer Wintereinbrüche in Europa und Nordasien prognostiziert. Grund: Das dunkle, offene Meer in der Arktis heize untere Luftschichten weiter auf. Das führe zu einer Luftströmung, die in der Computersimulation kalte Winterwinde nach Europa brachte. US-Forscher hätten die Modellrechnungen bestätigt, erläutert Rahmstorf. "Sie haben durch eine Datenauswertung gezeigt: Wenn weniger Seeeis in der Arktis ist, dann wird es wahrscheinlicher, dass sich dort ein Hochdruckgebiet bildet, das uns Kälte bringt." Die derzeitigen Kälterekorde seien sehr ungewöhnlich, wenn man längere Messreihen betrachte. Daher sei es wahrscheinlich, dass sie als Ursache eine bislang ungekannte Entwicklung wie die starke Eisschmelze der Arktis hätten.

In ganz Deutschland ist es Ostern diesmal deutlich kälter als an Weihnachten. 2012 hatte der Deutsche Wetterdienst (DWD) den wärmsten Heiligabend seit Beginn der Wetteraufzeichnungen registriert.

 Der Rekord lag bei fast 19 Grad am 24. Dezember in Freiburg. Dort soll es auch am Osterwochenende wieder am wärmsten werden - allerdings nur 10 Grad. 

Die Fläche des arktischen Eises schwankt im Jahresverlauf, geht aber generell zurück. Im September 2012 war die Eisfläche der Arktis nach Angaben des US-Datenzentrums für Eis und Schnee (NSIDC) so klein wie nie in den 33 Jahren Beobachtung. Auch die maximale Eisausdehnung im März geht zurück: "Die zehn kleinsten Maxima seit Satellitenbeobachtung gab es in den zehn vergangen Jahren von 2004 bis 2013", berichtete das NSIDC am Montag.

Die Sonne jedenfalls sieht Rahmstorf im Gegensatz zu anderen Berichten nicht als Ursache für die winterlichen Temperaturen. "Nur fünf Prozent der Temperaturunterschiede von Winter zu Winter können durch Schwankungen der Sonnenaktivität erklärt werden." Die Sonnenaktivität wirke sich mit einem Monat zeitlicher Verzögerung im geringen Umfang auf das Erdklima aus, habe aber keine größeren Einfluss: "2010 hatten wir ein besonders tiefes Minimum in der Sonnenaktivität und zugleich das global wärmste Jahr seit Aufzeichnungsbeginn im Jahr 1880." Auch Sonnensystemforscher Werner Curdt vom Max-Planck-Institut für Sonnensystemforschung (MPS) im niedersächsischen Katlenburg-Lindau geht davon aus, dass der langanhaltende Winter kein Vorbote der nächsten Eiszeit ist. Derzeit gebe es zwar eine relativ geringe Sonnenaktivität, die prinzipiell zu einer Abkühlung des Erdklimas führen könne. Die aktuelle Wetterlage sei aber keine Folge geringer Sonnenaktivität. In anderen Regionen der Nordhalbkugel, etwa in Sibirien, sei es derzeit wärmer als sonst um diese Jahreszeit.

"Grundsätzlich gibt es einen Zusammenhang zwischen Sonnenaktivität und Erdklima", sagt Curdt. Ein Beispiel dafür sei die sogenannte kleine Eiszeit. "Es hat von 1650 bis 1700 so gut wie keine Sonnenflecken gegeben. Gleichzeitig war es auf der Erde sehr kalt." Sonnenflecken sind das auffälligste Zeichen für eine starke Sonnenaktivität. Der genaue Zusammenhang sei allerdings unklar. Er gehe davon aus, dass in Zeiten größerer Sonnenaktivität auf der Erde mehr Röntgenlicht und mehr ultraviolettes Licht ankomme und es daher wärmer werde. Derzeit sei die Sonnenaktivität vergleichsweise gering, sagte Curdt. "Ich glaube aber nicht, dass sich dies klimatisch auswirkt". Erst wenn die geringe Aktivität mehrere Jahrzehnte lang anhielte, würde sich dies auf das Klima auswirken. Es gebe über mehrere Jahre hinweg zwar gewisse zyklische Schwankungen der Sonnenaktivität, sie lasse sich aber insgesamt nicht langfristig vorhersagen.