Forschung für die Zukunft nach dem Bergbau

TFH-Erweiterung

2018 endet die Ära des Steinkohlebergbaus in Deutschland – doch der Bergbau wird die Region auch darüber hinaus noch beschäftigen. In Bochum wurde am Donnerstag nun das weltweit erste Forschungszentrum zum Nachbergbau eröffnet.

BOCHUM

, 24.10.2015, 05:00 Uhr / Lesedauer: 2 min
Forschung für die Zukunft nach dem Bergbau

Das neue Forschungszentrum ist in der früheren Hausmeisterei der TFH untergebracht.

Die Aufgaben sind vielfältig – und dennoch drehen sie sich fast alle rund ums Wasser: Denn mit dem Ende des Steinkohlebergbaus steht vor allem die Frage im Raum, wie mit dem Grubenwasser umzugehen ist, das in die alten Schächte drängt. Abpumpen, klären oder eindringen lassen?

Weltweit gibt es damit kaum Erfahrungen – das soll sich nun ändern. In der früheren Hausmeisterei der Technischen Fachhochschule Georg Agricola (TFH) findet nun ein Forschungszentrum Platz, das sich dem Nachbergbau widmet.

Bereits 50 Studierende sind in diesem Bereich seit der Einrichtung einer entsprechenden, durch die RAG-Stiftung geförderten Stiftungsprofessur im Jahr 2012 an der TFH eingeschrieben und lernen dort die Grundlagen zu den drei großen Forschungsschwerpunkten Grubenwasserhaltung, Poldermaßnahmen und Grundwasserreinigung.

Ganz NRW betroffen

„Das Forschungszentrum ist für uns alle eine wesentliche Anlaufstelle, die uns hilft, mit den Problemen des Nachbergbaus umzugehen“, so Friedrich Wilhelm Wagner, Leiter der Abteilung Bergbau und Energie in NRW bei der Bezirksregierung Arnsberg.

Denn der Nachbergbau und die bisher unerforschten Veränderungen im Boden durch stillgelegte Zechen ist nicht nur ein Thema im Ruhrgebiet: „Rund 10.000 alte Schächte sorgen in Nordrhein-Westfalen für Tagebruchgefahren“, so Wagner.

Die Forschung zu dieser Thematik ist also elementar in Nordrhein-Westfalen – auch damit es nicht solche Folgen gibt wie etwa in China, wo in den Regionen des staatlichen Bergbaus tatsächlich Häuser zunehmend absinken und durch Grundwasser geflutet werden.

Lob für Thomas Eiskirch

Um solche und andere für die Umwelt und Region schädlichen Folgen zu verhindern, konzentrieren sich die wissenschaftlichen Untersuchungen zum Thema Nachbergbau im nun eröffneten Bochumer Forschungszentrum – doch das sieht sich auch als wichtiger Bestandteil für die Energiewende, wie Professor Christian Melchers, wissenschaftlicher Leiter der Forschungsstelle sagt: „Wir sehen nicht nur die Risiken, sondern auch die Chancen, die der Nachbergbau bietet. Unsere Arbeit schafft die Voraussetzungen für den Einsatz von erneuerbaren Energien auf alten Flächen – wie etwa die Strom- und Wärmegewinnung aus Grubenwasser."

An dem Festakt im Studierendenzentrum der TFH nahm auch der gerade erst gewälte Bochumer Oberbürgermeister Thomas Eiskirch teil. Dessen hohes Engagement im Auf- und Ausbau des Forschungszentrums durch die Beratung rund um EU- und Landesförderungen wurde vom Leiter der TFH, Professor Jürgen Kretschmann, ausdrücklich gelobt.