Fotografie mit dem Handy - Fünf Tipps für bessere Schnappschüsse

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Heute ist jeder ein Fotograf. Die ausgefeilte Technik in Smartphones macht es möglich. Egal ob für Soziale Medien oder große Abzüge: Mit ein paar einfachen Kniffen lässt sich mehr rausholen.

Dortmund

, 03.07.2020, 14:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Gleich vorweg sei gesagt: Fotografie ist mehr als der Druck auf den Auslöser. Nicht umsonst ist Fotograf ein Ausbildungsberuf, der viel technisches Wissen, Erfahrung und auch „ein Händchen“ braucht.

Aber auch Hobbyknipser können mit einfachen Handgriffen mehr aus den eigenen Kreationen machen.

Das Schöne: Es braucht kein zusätzliches Equipment. Ein Smartphone hat (fast) jeder griffbereit. Die folgenden fünf Tipps lassen sich auf viele Foto-Motive sofort und ohne Vorbereitung anwenden.

1. Das Portrait oder Selfie

Das Portrait ist ein absoluter Klassiker. Das Selfie (Selbstbild) schreibt es fort. Wer auf ein paar Regeln achtet, setzt sein Model besser in Szene.

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Portraits

03.07.2020
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So gelingt ein Portrait leicht und schnell: Weiches Licht durch den bewölkten Himmel, tiefe Kamerahaltung und viel Platz im Hintergrund.© Stachelhaus
So geht es nicht: Im Hintergrund ist zwar viel Platz, aber die hohe Kamerahaltung wirkt, als ob man von oben auf das Modell herabblickt. Direkter Sonnenschein sorgt für hartes Licht. Auch im Schatten lässt sich das kaum ausgleichen. © Stachelhaus

  • Kamera auf Brusthöhe: Wer die Kamera beim Portrait auf Augenhöhe hält riskiert, sein Model „von oben herab“ abzulichten. Also Kamera tiefer halten.
    Faustregel: Auf Brusthöhe des Models stimmen die Proportionen.
  • Viel Luft im Hintergrund: Es geht um das Model, nicht um die Wand dahinter.
    Faustregel: Die Wand weglassen oder auf Abstand gehen. So wird der Hintergrund unscharf. Die Portrait-Funktion moderner Handys hilft, ist aber Geschmackssache.
  • Licht im Rücken des Fotografen: Das Gesicht des Models soll möglichst gut beleuchtet sein. Also steht die Sonne am besten im Rücken des Fotografen.
    Faustregel: Direktes Sonnenlicht schafft starke Schatten im Gesicht (hartes Licht). Schatten hilft bedingt. Wolken sorgen für weicheres Licht.

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2. Die Frosch-Perspektive: Kleines Umdenken, große Wirkung

Ein schönes Gebäude, eine Skulptur, eine grüne Parklandschaft. Sieht mit bloßem Auge super aus, dem schnell geknipsten Foto aus der Hand fehlt aber irgendwie der Pepp?

Manchmal hilft es, in die Hocke zu gehen oder sich auf den Boden zu legen. Klingt völlig banal, verschafft dem Motiv aber einen neue und spannende Perspektive. Nicht jede Szene bietet sich dafür an, aber einen Versuch ist es wert.

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Frosch-Perspektive

03.07.2020
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Aus einem stehenden Blickwinkel gibt dieses Motiv nicht besonders viel her.© Stachelhaus
Aus der Froschperspektive vom Boden aus gewinnt das gleiche Motiv deutlich an Spannung.© Stachelhaus

Faustregel: Ideen sind gut, viel ausprobieren ist besser. Und wenn man schon auf dem Boden liegt, lässt sich der nächste Tipp gleich mitbenutzen.

3. Die Drittel-Regel: Bildgestaltung leicht gemacht

Eine der einfachsten Bildgestaltungen ist die Drittel-Regel oder „Rule of Thirds“. Dabei wird das Foto gedanklich durch je zwei horizontale und vertikale Linien geteilt und so in neun gleiche Teile gegliedert. An diesen Linien und ihren Kreuzung orientiert sich der Fotograf.

Wie gut, dass die meisten Kamera-Apps ein entsprechendes Raster einblenden können. Es findet sich in den Einstellungen. Unser Auge empfindet so gestaltete Fotos als harmonischer.

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Die Drittel-Regel

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Ein einfaches Urlaubsfoto gestaltet nach der Drittel-Regel. Der Fokus liegt auf der Windmühle von Oudeschild (Texel). Himmel und Boden werden grob durch die obere horizontale Linie getrennt. Deutlicher wird es...© Stachelhaus
... wenn man das Linieraster der Drittel-Regel über das Foto legt. Die meisten Kamera-Apps können es bereits beim Fotografieren einblenden.© Stachelhaus
Ein völlig anderes Motiv, aber auch wird die Drittel-Regel angewendet. Kopf und Hinterpfote liegen...© Stachelhaus
... auf den beiden rechten Kreuzungen, des Rasters. Die Kreuzung oben rechts wird von den meisten Menschen als angenehmster Bezugspunkt auf Foto gesehen.© Stachelhaus
Auch bei diesem einfachen Schnappschuss im Urlaub sorgt die Drittel-Regel für eine einfache aber harmonische Bildgestaltung...© Stachelhaus
... Der Fokus liegt auf der jungen Frau im Vordergrund. Der Horizont verläuft entlang der oberen Horizontalen.© Stachelhaus

Den Einsatzmöglichkeiten der Drittel-Regel sind kaum Grenzen gesetzt. Portraits, Landschaften, Tierfotos, Gebäude, (fast) alles lässt sich an den Gitterlinien ausrichten.

Faustregel: Das Hauptmotiv des Fotos liegt auf einer der beiden vertikalen Linien. Optimal ist der Kreuzungspunkt zu einer waagerechten Linie. Bei reinen Landschaftsaufnahmen verläuft der Horizont entlang einer der beiden waagerechten Linie.

4. Mehr Dynamik mit diagonalen Linien

Etwas anders funktioniert der Einsatz von diagonalen Linien. Sie geben dem Auge Führung, machen ein Foto dynamischer und geben ein Gefühl von Tiefe. Laufen Linien von unten links nach oben rechts „verlassen“ sie gefühlt das Bild.

Laufen Linien von oben rechts nach unten links kommen sie gefühlt auf den Betrachter zu. Alle fachlichen Details muss der Fotograf dabei nicht unbedingt kennen.

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Tiefe durch Diagonale Linien

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Eine Frontalaufnahme von Schloss Oberwerries in Hamm. Das Gebäude wirkt auf diesem Foto statisch und zweidimensional. Das kann natürlich absichtlich genutzt werden...© Stachelhaus
... Oder man wählt eine seitlichen Blickwinkel. Die diagonalen Linien geben dem Bild ein wenig mehr Dynamik. Wichtiger aber noch: Sie geben dem Foto Tiefe. Die Spiegelung im Wasser gibt es gratis dazu.© Stachelhaus

Wer auf die Perspektive achtet, kann hier gezielt die Wirkung von Fotos beeinflussen. Im Gegenzug geben waagerechte und senkrechte Linien einem Foto Ruhe.

Über Einsatz und Wirkung entscheidet der Fotograf nach Belieben. Ein wirkliches Richtig und Falsch gibt es nicht immer.

5. Für Fortgeschrittene: Fotos bei Nacht

Das Fotografieren bei Nacht oder am Abend ist etwas für Fortgeschrittene. Der sogenannte Nachtmodus hat in den vergangenen rund zwei Jahren die Welt der Smartphone-Fotos erobert. Die Ergebnisse sind, technisch gesehen, beeindruckend.

Von Hand lassen sich aber vergleichbare oder bessere Ergebnisse erzielen. Ein Stativ ist dafür Pflicht. Wer kein Geld ausgeben will, kann aus einer Klopapierrolle schnell eins für sein Handy basteln. Anleitungen gibt es zum Beispiel auf Youtube.

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Fotografieren bei Nacht

03.07.2020
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Eine Nachtaufnahme mit dem sogenannten Nachtmodus der Kamera-App. Die Darstellung ist gut, wirkt an einigen Stellen aber ein wenig "matschig". Moderne Software holt dennoch erstaunliche Ergebnisse aus den kleinen Linsen heraus.© Stachelhaus
Das gleiche Motiv, diesmal mit manuellen Einstellungen. Die Lichtempfindlichkeit liegt bei ISO 100, die Belichtungszeit beträgt rund 4 Sekunden. Das Foto hat mehr Kontraste, aber auch überstrahlte Stellen, wie die Blätter des Baums. Ob Nachtmodus oder Manuell besser gefällt ist auch ein wenig Geschmackssache.© Stachelhaus
So geht es nicht: Zum Vergleich hier ein Foto mit der normalen Automatik, ohne Nachtfunktion. Das Ergebnis ist erwartbar schlecht.© Stachelhaus

Faustregeln bei Nachtaufnahmen:

  • Manuellen Modus der Kamera-App verwenden. Gerne auch „Pro-Modus“ genannt.
  • Lichtempfindlichkeit auf kleine Werte setzen. Faustregel: Zwischen 100 und 400 ISO.
  • Spielen mit langen Belichtungszeiten. Faustregel: Zwischen 1 und 10 Sekunden. Je nach Lichtverhältnissen auch mehr.
  • Kameras von Smartphones haben meist eine feste Blende, es fällt damit eine Einstellmöglichkeit weg.
  • Selbstauslöser der Kamera verwenden um Verwacklungen zu vermeiden.
  • Unter Umständen muss der manuelle Fokus verwendet werden.
  • Achtung! Bei selbst gebastelten Stativen immer die Hand in der Nähe des Handys lassen. Kippt das Stativ um, ist das Smartphone schnell beschädigt.

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