Frank Goosen überzeugt mit Ruhrpott-Geschichten

Zeltfestival Ruhr

Frank Goosen ist Stammgast beim Zeltfestival Ruhr. In jedem Jahr war der Bochumer Schriftsteller bisher dabei – und nie durften seine spitzen Bemerkungen zum Leistungsstand des VfL Bochum fehlen. Umso überraschender, dass bei seiner Lesung am Sonntagabend zum Einstieg zunächst ein anderer Verein herhalten musste.

BOCHUM/WITTEN

, 29.08.2016, 10:29 Uhr / Lesedauer: 2 min
Frank Goosen überzeugt mit Ruhrpott-Geschichten

Mit seinem Programm "Mein Ich und seine Bücher" bescherte Frank Goosen dem Publikum beim Zeltfestival Ruhr einen kurzweiligen Abend.

"Ich möchte den Abend einfach mal mit Westfalia Herne beginnen", so Goosen bei seiner Best-of-Lesung "Mein Ich und seine Bücher" – und ein überraschtes Lachen geht durch das ausverkaufte Stadtwerke-Zelt. Es folgt ein kurzer Exkurs über den Herner Schlagersänger Jürgen Marcus, der Goosens Gedanken auf verschlungenen Wegen zum Verein Westfalia Herne geführt hatte. Das Publikum bekommt einen ersten Eindruck davon, wie skurril die Gedankengänge des Bochumer Urgesteins sein können – und wie pointiert er diese wiedergeben kann.

Das bekommt der VfL Bochum dann aber doch noch zu spüren: Einer kleinen Geschichte über eine Gallenblasen-OP, die Goosen hinter sich bringen musste, folgt die erste Spitze zum Zweitliga-Club. "Vor der OP gab es diese Scheiß-egal-Pille", erzählt er. Da habe er selbstverständlich sofort nachfragen müssen: "Kann ich davon noch ein paar fürs Stadion haben?"

Privatleben auf der Bühne

Eine Episode, die klarmacht, bei Goosen findet sich auch das Privatleben auf der Bühne wieder: "Bei mir ist alles Material, verstehste?" Aber wie autobiografisch sind die Romane, aus denen der Autor und Kabarettist im Anschluss liest, denn nun wirklich?

Ein Beispiel aus dem Roman "Liegen lernen". Protagonist Helmut braucht 16 Jahre, um über seinen Liebeskummer hinwegzukommen. "Dafür habe ich keine 16 Jahre gebraucht, dafür ist das Bochumer Bier zu gut", so Goosen.

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Frank Goosen beim Zeltfestival Ruhr

Ausgedacht oder autobiografisch? Ganz sicher konnte sich das Publikum beim Zeltfestival Ruhr am Sonntagabend nie sein, als Frank Goosen während seines Programms "Mein Ich und seine Bücher" aus seinen Romanen vorlas. Ob wirklich erlebt oder "nur" kreativ erdacht - unterhaltsam waren die abwechslungsreichen Episoden, die der Bochumer Schriftsteller vortrug, so oder so.
28.08.2016
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Mit seinem Programm "Mein Ich und seine Bücher" bescherte Frank Goosen dem Publikum beim Zeltfestival Ruhr einen kurzweiligen Abend.© Michael Printz
Mit seinem Programm "Mein Ich und seine Bücher" bescherte Frank Goosen dem Publikum beim Zeltfestival Ruhr einen kurzweiligen Abend.© Michael Printz
Mit seinem Programm "Mein Ich und seine Bücher" bescherte Frank Goosen dem Publikum beim Zeltfestival Ruhr einen kurzweiligen Abend.© Michael Printz
Mit seinem Programm "Mein Ich und seine Bücher" bescherte Frank Goosen dem Publikum beim Zeltfestival Ruhr einen kurzweiligen Abend.© Michael Printz
Mit seinem Programm "Mein Ich und seine Bücher" bescherte Frank Goosen dem Publikum beim Zeltfestival Ruhr einen kurzweiligen Abend.© Michael Printz
Mit seinem Programm "Mein Ich und seine Bücher" bescherte Frank Goosen dem Publikum beim Zeltfestival Ruhr einen kurzweiligen Abend.© Michael Printz
Mit seinem Programm "Mein Ich und seine Bücher" bescherte Frank Goosen dem Publikum beim Zeltfestival Ruhr einen kurzweiligen Abend.© Michael Printz
Mit seinem Programm "Mein Ich und seine Bücher" bescherte Frank Goosen dem Publikum beim Zeltfestival Ruhr einen kurzweiligen Abend.© Michael Printz
Mit seinem Programm "Mein Ich und seine Bücher" bescherte Frank Goosen dem Publikum beim Zeltfestival Ruhr einen kurzweiligen Abend.© Michael Printz
Mit seinem Programm "Mein Ich und seine Bücher" bescherte Frank Goosen dem Publikum beim Zeltfestival Ruhr einen kurzweiligen Abend.© Michael Printz
Schlagworte Bochum

Bei einer Szene aus "Pokorny lacht" gibt der Schriftsteller Parallelen zu eigenen Erfahrungen aber freimütig zu: Der Roman vom Erwachsenwerden in den 80er-Jahren zeichnet ein wenig schmeichelhaftes Bild des Lateinlehrers Dr. Bergmann, der seine Schüler unbarmherzig zum Vokabeltest bittet. "Genau so einen Lehrer hatte ich auch. Das war so einer, der Franz Josef Strauß für eine linke Socke hielt."

Aber auch seine eigenen Schwächen macht Goosen zum Thema: "Ich verarbeitet auf der Bühne auch Sachen aus meiner mittelmäßigen Schulkarriere. Ich hab ja nicht G8 oder G9 gemacht - sondern G10."

Kreativ oder erlebt?

Ob wirklich erlebt oder "nur" kreativ erdacht - unterhaltsam sind die abwechslungsreichen Episoden, die der Bochumer Schriftsteller vorträgt, so oder so. Er berichtet unter anderem aus dem "Salon des kleinen Mannes", dem Ruhrpott-Partykeller. Da gibt einer seiner Roman-Protagonisten eine Einführung in die Feier-Gepflogenheiten: Vom Kotzeimer unter dem Waschbecken bis zum Vater, der im Freundeskreis seines Sohnes Pariser verteilt. Der Zweck der Parties war demnach völlig eindeutig: "die körperliche Annäherung zwischen den Geschlechtern." 

Ein Höhepunkt ist auch der Besuch "inner Bude von Tante Änne": Da vertreibt die resolute Bochumer Kiosk-Besitzerin einen bewaffneten Ganoven mit den Worten: "Was willst du denn hier, du Idiot? Verpiss dich!" "So Stories erlebst du nur hier", meint Goosen. 

Und letztlich ist es dann auch egal, ob seine Geschichten autobiografisch oder erdacht sind: "Ich habe meine Omma mal gefragt, stimmt diese Geschichte denn?", "Hast du dich gelangweilt?", "Nö", "Na also". Recht hat sie, die Omma!

 

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