Frank Goosen zeigt das Revier, wie es früher war

Prinzregenttheater Bochum

Unter der neuen Leitung von Romy Schmidt hat das Bochumer Prinzregenttheater eine spannende Wandlung durchgemacht: eine Verjüngungskur mit vielen neuen Gesichtern, eine Öffnung zu anderen Kulturinstitutionen der Stadt. Als letzte Premiere hat die Leiterin eine liebevolle Hommage an ihre neue Heimat inszeniert: Frank Goosens "Sommerfest".

BOCHUM

, 04.06.2016, 12:21 Uhr / Lesedauer: 1 min
Frank Goosen zeigt das Revier, wie es früher war

Ein bisschen wie im Bilderbuch erzählt das Prinzregenttheater die Geschichte von Goosens „Sommerfest“.

"Revier für Held*innen" stand als Motto über dieser Spielzeit. Da passt Goosens Stoff, der gerade auch von Sönke Wortmann verfilmt wird, bestens ins Bild: Er erzählt vom Revier wie es früher einmal war und heute noch zu finden ist und von den vielen kleinen Helden des Alltags, die es bevölkern.

Problembär

Der Zuschauer sieht sie durch die Brille von Stefan, dem Heimkehrer. Eigentlich lebt er in München, wo er sich mäßig erfolgreich als Schauspieler durchschlägt und eine sterbende Beziehung führt. Zwei Tage will er bloß zurück nach Bochum, um das kleine Bergarbeiterhaus seiner Familie zu verkaufen.

Jost Grix spielt den Stefan und markiert den starken Anfang des Stücks, wenn er auf dem Boden einer Holzhütte schlafend zu grollendem Donner und zuckenden Lichtblitzen von den Geistern der Vergangenheit heimgesucht wird. Irgendwo im Klanggewitter geistert auch Edmund Stoibers Stimme herum und stammelt vom "Problembär".

Gemäßigtes Tempo

Ganz so mutig geht die Inszenierung nicht weiter. In gemäßigtem Tempo bebildert sie einige Stationen des Romans, nimmt sich viel Zeit für skurrile Dialoge im Ruhrpott-Dialekt und die Zeichnung von Lokalkolorit.

Über die vom anekdotenreichen Erzähler Goosen gegebenen Umwege findet sie schließlich ihren Fokus in der Liebesgeschichte, die Stefan wirklich zum Helden macht: Er traut sich, zur Jugendliebe Charlie zu stehen, die ein Kind hat und mit ihm eine Kultur-Kneipe eröffnen will.

Nermina Kukic spielt sie voller Hingabe und zusammen mit Jost Grix und Thomas Kemper, der zupackend eine ganze Handvoll schrulliger Charaktere gibt, bildet sie ein wie zuletzt immer starkes Prinzregent-Ensemble.

Termine im : 10./11./17./ 18./19.6., Karten: Tel. (0234) 771117.

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