Frank Hoffmann irritiert mit "Das Leben ein Traum"

Ruhrfestspiele

Calderóns „Das Leben ein Traum“ (von 1636) erzählt von einem Prinzen, der isoliert in einem Turm aufwächst. Pasolinis „Calderón“ (1968) leiht sich Motive des Klassikers, analysiert aber sonst das Scheitern von Revolutionären, die Pasolini in Anpassung und Kleinbürgerlichkeit enden sieht.

RECKLINGHAUSEN

, 11.05.2016, 17:32 Uhr / Lesedauer: 1 min
Frank Hoffmann irritiert mit "Das Leben ein Traum"

Wolfram Koch liefert eine tolle Vorstellung als kichernder Irrer, Dominique Horwitz ist im Video zu sehen.

Pasolini „übermalt“ Calderón. Und Frank Hoffmann, Intendant der Ruhrfestspiele, übermalt alle beide in seiner Inszenierung „Das Leben ein Traum. Calderón“, die am Dienstag in Recklinghausen Premiere hatte.

Leitmotiv des Stückes ist der Wechsel zwischen Wahn und Wirklichkeit, Traum und Realität. Calderóns Prinz rätselt, ob er wacht oder schläft, was ihn zur Erkenntnis treibt, das ganze Leben sei ein Traum. Hier nun ist es Rosaura (Jacqueline Macaulay), die an Orten erwacht, die ihr fremd sind.

Patientin einer Klapsmühle

1967 ist sie in Madrid, als Mitglied einer Familie, die sich prächtig mit dem Regime General Francos arrangiert hat. 1975 findet sie sich am Strand von Ostia, 1979 steckt sie als Hure am Hafen von Palermo.

Später sehen wir sie als Patientin einer Klapsmühle, umwuselt von einem verrückten Professor. Aber wer ist hier nicht verrückt? Wolfram Koch als Sigismondo liefert die schöne Miniatur eines Meschuggenen, der irre kichernd zwischen Trugbild und Tatsachen zu unterscheiden versucht.

Realitätsebene wechseln viel zu abrupt

Wie auch der Zuschauer irgendwann desorientiert ist. Zeit, Ort, Realitätsebene wechseln viel zu abrupt, als dass man den Überblick behält. Diverse Manifestationen der Figuren stiften weitere Verwirrung. Der Text wuchert, und man fragt sich, worauf er hinaus will? Das Politische bleibt vage.

Auschwitz oder die Flüchtlingskrise – Diskurse, die aufgepfropft wirken. Es fehlt die ordnende Hand, die dramaturgische Rundung. Ben Willkens kreiert starke Bühnenbilder (so ein Velázquez-Motiv), Dominique Horwitz und Hanna Schygulla spielen auch mit – doch das Stück befördert keine tiefere Einsicht, als dass die Welt ein Tollhaus ist. Das ist etwas wenig für (zähe) zweieinhalb Stunden.

Termine bei den : 12./13./14. 5., Karten:Tel. (023 61) 921 80.