Frank Schätzing mit Show „Limit“ in Dortmund und Münster

Interview mit Bestsellerautor

DORTMUND Seit Erscheinen vor über vier Monaten hält sich Frank Schätzings Thriller „Limit“ vorne in den Bestsellerlisten. Der Autor, der schon mit „Der Schwarm“ einen Riesenerfolg hatte, hat am Mittwoch seine vierwöchige Tour durch 15 Städte gestartet. Im Interview sprach Schätzing über die Vorbereitungen.

von Von Karin von Cieminski

, 24.02.2010, 18:39 Uhr / Lesedauer: 4 min

In „Limit“ schadet der Mensch mit dem Abbau von Helium 3 dem Mond. Sind Sie ein Pessimist, dass Sie glauben, der Mensch richtet bei allem, was er anpackt, Schaden an? Schätzing: Ich bin eigentlich ein Optimist, weil wir bislang noch immer irgendwie die Kurve gekriegt haben. Aber tatsächlich zeigt der Blick in die Geschichte, dass Menschen nicht wirklich lernfähig sind. Insofern glaube ich, dass, was wir hier auf der Erde in den letzten Jahren angerichtet haben, sich auf dem Mond oder anderen Planeten erst mal fortsetzen würde. Aber man fände sicherlich auch hier einen Konsens.Könnte Helium 3 tatsächlich eine gute Lösung sein?Schätzing: Wenn die technischen Voraussetzungen zur Förderung geschaffen sind und bei effizienter Nutzung, glaube ich das schon. Aber tatsächlich sind hier noch etliche Probleme zu lösen, beginnend mit der Frage, wie man das Material für eine industrielle Infrastruktur auf den Mond schaffen soll.Sie vertiefen sich sehr in die wissenschaftlichen Themen. Wird es zu „Limit“ ein Sachbuch geben - wie schon bei „Der Schwarm“?Schätzing: Das ist nicht zwingend gesagt. Das überlasse ich jetzt ein bisschen dem Zufall.Dazu haben Sie keine konkreten Pläne?Schätzing: Ich habe nie einen Plan. Ich mache immer als nächstes das, was mir gerade einfällt.„Der Schwarm“ soll verfilmt werden. Wie ist der aktuelle Stand?Schätzing: Die Chancen stehen gut, dass wir dieses Jahr drehen. Ich habe kürzlich noch mal mit dem Produzenten gesprochen, und tatsächlich scheint das Budget zu stehen. Aber selbst, wenn wir sofort loslegen, wird es vor Weihnachten 2011 keinen Film geben.Gibt es Überlegungen, dass „Limit“ verfilmt wird?Schätzing: Die gibt’s schon, wobei der Verlag und ich das Thema erst mal zurückgestellt haben.Hat denn schon jemand Interesse an den Filmrechten bekundet?Schätzing: Es kommen immer wieder Anschreiben von Filmfirmen. Aber ich hab mir noch keines angeguckt.Zurück zum Schreiben. Wie recherchieren Sie?Schätzing: Ganz unterschiedlich. Wenn ich wenig über ein Thema weiß, lese ich erstmal alles, was ich in die Finger bekomme, um mir eine Faktenbasis zu verschaffen. Was umso leichter ist, wenn man schon eine Affinität dazu hat, wie bei mir zu Raumfahrt und Astrophysik. Ein Jahr lang habe ich mich fast ausschließlich der Frage beschäftigt, wohin sich die Raumfahrt in den kommenden Jahren entwickeln wird und wie man sich die Besiedlung des Mondes oder anderer Planeten vorstellen kann. Danach besuche ich Experten und diskutiere meine Visionen mit ihnen.Von Helium 3 aus „Limit“ haben Sie schon Ende der 1990er Jahre gehört? Warum ist „Der Schwarm“ eher erschienen?Schätzing: Tatsächlich kam mir die Idee zu „Limit“ vorher. Aber Ende der Neunziger stagnierte die technologische Entwicklung in der Raumfahrt. Zudem war es wesentlich schwerer, an Informationen über die Raumfahrtpläne von Agenturen zu kommen als heute oder vor wenigen Jahren. Die Recherche für den „Schwarm“ war dagegen der reinste Spaziergang, schon darum nahm die Meeresstory sehr viel schneller Gestalt an. Sie haben zwei Jahre lang an „Limit“ geschrieben. Wie behalten Sie den Überblick über solch einen Zeitraum und so viele Seiten?Schätzing: Indem man sich so eine Art ein Storyboard anlegt. Zweieinhalb Jahre vor Schreibbeginn bin ich nach England gefahren und habe mich da zehn Tage lang in Küstenpubs eingemietet: vormittags am Meer joggen, nachmittags und abends den Storyablauf entwickeln. Die Charaktere hatten in dieser Phase noch gar keine Namen, die erfüllten erstmal nur ihre dramaturgischen Funktionen. In England habe ich die Schauplätze festgelegt und die Handlungsstränge miteinander verzahnt. An diesem Konstrukt habe ich mich später beim Schreiben entlang gehangelt.Sie haben Zeichnungen zu „Limit“ gefertigt. Helfen Ihnen diese auch?Schätzing: Bei so komplexen und exotischen Bauwerken wie der OSS, einer Riesen-Raumstation, hilft so etwas schon sehr. Es vereinfacht die Schilderung, außerdem hab ich Spaß daran.Ist das Zeichnen ein Hobby von Ihnen?Schätzing: Ich zeichne ständig irgendwas. Ich male anderen Leuten Geburtstagskarten, karikiere sie, ich kann an keinem Stift vorübergehen, ohne irgendetwas zu kritzeln. Als Kind hab ich meiner Oma die Wände vollgemalt. Ich hatte immer schon Freude daran. Meine Oma weniger.Ihr vielseitiges Interesse hat sich auch gezeigt als Sie für Unterwäsche-Werbung gemodelt haben. Haben Sie bei der Anfrage gezögert?Schätzing: Kurz - weil ich immer erst mal zwei Minuten das Für und Wider abwäge. Ich habe aber kein Wider gefunden. Nur Vorzüge: Die Mey-Kampagne ist eine Charity-Kampagne, das gefällt mir schon mal grundsätzlich. Und es hat einen Heidenspaß gemacht, mich so in Form zu bringen, dass ich mit 52 Jahren, ohne mich schämen zu müssen und ohne große Retuschearbeiten, in der Unterhose posieren kann.Haben Sie dafür extra trainiert?Schätzing: Ich bin an sich ganz gut durchtrainiert. Aber ich habe zwei bis drei Wochen vorher das Jogging-Pensum noch mal erhöht und die Zahl der Liegestütze und der Sit-Ups pro Tag verdoppelt.Sie gehen mit Limit als multimediale Lesung mit vielen Effekten wie Musik und Einspielfilmen bald auf Tour. Müssen Sie sich auch dafür fit halten?Schätzing: Ja. Es ist im Moment eine ziemlich anstrengende Zeit, schon seit Anfang des Jahres, die Vorbereitung der Tour hält mich auf Trab. Ich renne von einem Termin zum nächsten, vom Musikstudio ins Filmstudio, und dann knüpft sich schon nahtlos die Show an. Da sitzt man viel im Zug und ist Abende hintereinander auf der Bühne. Das kann man nur, wenn man sich ein ausgiebiges Fitness-Programm gönnt und genug schläft. Dann ist man auch mental gut drauf.Die Show ist sehr abwechslungsreich. Warum wollten Sie keine typische Lesung?Schätzing: Ich erfinde Welten, die man sehr schön in Bilder und Sounds umsetzen kann, außerdem habe ich Spaß an multimedialen Ereignissen. Ich sehe mich nicht so sehr als Schriftsteller, eher als Geschichtenerzähler. Und ich finde es spannend, alle kreativen Möglichkeiten zu nutzen, um eine Geschichte zu erzählen. Ein Buch, bedrucktes Papier, ist nur eine Möglichkeit von vielen.Wie geht es nach der Tour weiter? Haben Sie schon Ideen für das nächste Buch?Schätzing: Ja, aber ich rede vorher nie über ungelegte Eier.

  • Die Show „[LIMIT] – Live“ bietet ein multimediales Konzept mit Filmsequenzen, Musik, Dialogen und Leseelementen. Zu Schätzings Bestseller „Der Schwarm“ gab es auch eine Tournee.
  • Frank Schätzing gastiert am 20. März in der Halle Münsterland und am 21. März im Konzerthaus Dortmund.
  • „Limit“ ist das achte Buch von Schätzing. Der 52-Jährige schreibt seit Anfang der 90er Jahre. Er arbeitete in der Werbebranche. Vor den Wissenschaftsthrillern „Limit“ und „Der Schwarm“ schrieb er Novellen, Satiren, ein historischen Roman und Politthriller. Schätzing lebt in Köln und ist verheiratet.
  • Karten: Tel. 01805 / 57 00 99
  • www.frank-schaetzing.com
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