"Frantz" mit einer neuen Romy Schneider

Im Kino

Mit dem Melodram „Frantz“ hat sich Regisseur Francois Ozon („8 Frauen“) an die Neu-Interpretation von Ernst Lubitschs „Der Mann, den sein Gewissen trieb“ gewagt. Herausgekommen ist dabei stilsicheres Arthouse-Kino der gehobenen Klasse.

04.10.2016, 12:22 Uhr / Lesedauer: 1 min
"Frantz" mit einer neuen Romy Schneider

Dir 21-jährige Paula Beer brilliert in Francois Ozon einfühlsamen Melodram in der Hauptrolle der Anna.

Anna (Paula Beer) wundert sich. Was will der Franzose am Grab ihres Verlobten, der in Frankreich gefallen ist? Sie soll es erfahren, die Wahrheit wird wehtun. Francois Ozon inszeniert mit „Frantz“ eine Neu-Interpretation von Ernst Lubitschs „Der Mann, den sein Gewissen trieb“.

Lubitsch erzählte im Original von 1932 von einem französischen Ex-Soldaten, der 1919 nach Deutschland reist. Im Strudel deutschnationaler Strömungen, die sich für die Schmach von Versailles revanchieren wollten, war der Film ein pazifistischer Appell, den Ozon abmildern kann.

Tragik ohne Kitsch

Er zeigt den Hurra-Patriotismus bei Siegern und Besiegten, setzt aber den Akzent auf das Private. „Frantz“ ist Schauspieler- und Menschen-Kino, weniger ein Versuch über das Politische. Die 21-jährige Paula Beer („Vier Könige“) darf die Arbeit mit Ozon als Meilenstein ihrer jungen Karriere verbuchen.

Es ist ihr Film, erzählt aus der Perspektive von Anna, deren Nöte das Zentrum der Geschichte bilden. In Frankreich will mancher schon eine Romy Schneider in ihr gesehen haben. In Venedig wurde Beer (für „Frantz“ ) zur besten Nachwuchsdarstellerin gekürt wurde. Sie spielt sich ins Herz der Zuschauer, obwohl Ozon die Emotionen kühl und spröde in Szene setzt.

Ein charmanter Franzose

Da ist also der Franzose Adrien nach Quedlinburg gekommen, um Blumen an Frantz’ Grab zu legen. Warum? Er sei mit Frantz aus Studientagen in Paris befreundet, erzählt der von Pierre Niney („Yves Saint-Laurent“) gespielte Schöngeist den Eltern des Toten.

Selbst der Vater (Ernst Stötzner) erliegt dem Charme des Franzosen, Anna geht sogar auf ein Tanzvergnügen mit ihm. Erkennbar druckst Adrien herum, wenn von Frantz die Rede ist. Er hat ein Geheimnis, das Annas Zuneigung auf eine harte Probe stellt.

Der Film verhandelt Themen wie Reue und Vergebung, bittersüß beschreibt er eine Romanze der verpassten Chancen. Tragik ohne Kitsch. Prima Darsteller, exquisit stilsicher fotografiert, meist in Schwarzweiß. Arthouse-Kino der gehobenen Klasse.