Frau soll demenzkranke Dame bestohlen haben

210.000 Euro

Die Staatsanwaltschaft skizziert eine schamlose Selbstbedienung - die Angeklagte weist alles von sich. Vor dem Bochumer Amtsgericht hat am Donnerstag ein Untreue-Prozess gegen eine 60-jährige Seniorenbegleiterin begonnen. Die Frau soll eine demenzkranke alte Dame um insgesamt 210.000 Euro erleichtert haben.

BOCHUM

27.07.2017, 16:17 Uhr / Lesedauer: 2 min
Frau soll demenzkranke Dame bestohlen haben

ARCHIV - Eine alte und demenzkranke Frau sitzt am 29.11.2012 in einem Pflegeheim. (zu dpa «Demenzlotsen helfen im Umgang mit Erkrankten» vom 16.07.2017) +++(c) dpa - Bildfunk+++

Wenn sich die Anklageschrift am Ende als richtig erweisen sollte, dann gibt es für die Vorgänge kaum eine treffendere Beschreibung als: abgebrüht, herzlos und gemein. Zwischen Mai 2010 und September 2012 soll sich die Angeklagte von den Konten der 2014 im Alter von 85 Jahren verstorbenen Seniorin bedient haben. 

Frau wurde zur "Allround-Mitarbeiterin" der Seniorin

Durch fünf Überweisungen zwischen 10.000 Euro und 100.000 Euro soll die 60-Jährige insgesamt 210.000 Euro auf ihr eigenes Konto transferiert und anschließend privat verbraucht haben. Als Verwendungszweck soll sie bei den Überweisungen mal die Formulierung „vorgezogener Erbteil“, mal „aus Sicherheitsgründen“ angegeben haben.

Staatsanwältin Christine Ziplies wirft der 60-Jährigen vor, sich bereits im Jahr 2007 ganz gezielt das Vertrauen der alten Dame erschlichen zu haben. Laut Anklage empfahl sich die Angeklagte der vermögenden Rentnerin damals als Seniorenbegleiterin und Immobiliencoach, erschlich sich kurz danach dann auch einen mit 2000 Euro Monatslohn dotierten Arbeitsvertrag als „Allround-Mitarbeiterin“.

Immobilien wohl im eigenen Interesse verkauft

Im weiteren Verlauf soll sie den alteingesessenen Steuerberater der Seniorin in die Wüste geschickt, sich gegenüber der Hausbank der alten Dame selbst als Steuerberaterin ausgegeben und so einen Kontowechsel veranlasst haben. Darüber hinaus ist in der Anklage die Rede davon, dass die 60-Jährige zuvor bereits mehrere Immobilien der alten Dame „weit unter Wert“ - verkauft haben soll. Wie am Rande des Prozesses bekannt wurde, sollen die Immobilien-Käufer ihrem eigenen, engeren Bekanntenkreis zuzurechnen sein.

Zum Prozessauftakt wies die Angeklagte die Vorwürfe von sich. Sie sei nicht Täterin, sondern Opfer, habe selbst massive finanzielle Einbußen gehabt. „Die ganze Geschichte ist inszeniert durch einen betrügerischen Betreuer“, behauptete die 60-Jährige aus Datteln.

Weil sie bereits wegen versuchter Erpressung und Betrugs zu Bewährungsstrafen verurteilt worden ist, steht für die Angeklagte im Prozess viel auf dem Spiel. Richter Karl-Heinz Bösken: „Wenn es für Sie schief geht, werden hier am Ende womöglich drei Jahre Haft verhängt.“ Urteil: voraussichtlich erst Ende August.