Frau stirbt nach Martyrium: Lebenspartner vor Gericht

Kriminalität

Eine Frau aus Essen ist vor anderthalb Jahren kollabiert und anschließend verstorben. Die Ärzte stellten massive innere Verletzungen fest. Jetzt steht ihr Lebenspartner vor Gericht.

Essen

, 26.03.2021, 16:30 Uhr / Lesedauer: 2 min
Den Angeklagte steht neben seinem Verteidiger im Essener Landgericht.

Den Angeklagte steht neben seinem Verteidiger im Essener Landgericht. © Jörn Hartwich

Es muss ein qualvoller Tod gewesen sein. Vor knapp anderthalb Jahren ist eine 36-jährige Frau aus Essen innerlich verblutet. Als ihr Lebenspartner den Krankenwagen rief, war es bereits zu spät. Seit Freitag steht der 43-Jährige vor Gericht. Der Vorwurf: Körperverletzung mit Todesfolge.

Kaum Blut in den Adern der Frau

Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass der Angeklagte seine Lebensgefährtin brutal geschlagen und getreten hat. Die Ärzte hatten später massive innere Verletzungen festgestellt – an Milz, Leber und Niere. Außerdem waren mehrere Rippen gebrochen. Bei den Reanimations-Versuchen war kaum noch Blut in den Adern der Frau. Alles hatte sich in der Bauchhöhle gesammelt.

Das Paar soll sich im August 2018 kennengelernt haben. Er kam aus Duisburg, hielt sich fortan aber wohl vor allem bei ihr in Essen auf.

Soziale Kontakte verboten

Was dann passiert sein soll, muss für die Frau ein echtes Martyrium gewesen sein. Laut Anklage begann der 43-Jährige seine Partnerin zu isolieren und ihr alle sozialen Kontakte zu Eltern und Freunden zu verbieten.

Er soll ihr die Kontokarte weggenommen haben, die Wohnung durfte sie angeblich nur noch in seiner Begleitung verlassen. Als es darüber Streit gab, soll der Angeklagte zugschlagen haben – vor Kopf und Körper. Im November 2019 war die 36-Jährige schließlich kollabiert.

Liegegeschwüre und Blumenkohlohren

Bei der Obduktion waren außerdem beginnende Liegegeschwüre an Rücken und Steißbein festgestellt worden. „Daher steht fest, dass sie in der Zeit vor ihrem Tod in der Mobilität deutlich eingeschränkt war, beziehungsweise sich überwiegend in liegender Position befunden hat“, heißt es in der Anklage.

Außerdem habe die Frau Hämatome, Prellmarken und sogenannte „Blumenkohlohren“ gehabt. „Diese bleibende Entstellung des äußeren Ohres war Folge der Gewalt durch Schläge auf das Ohr oder scharfen Knickens der Ohrmuschel“, so die Anklage.

Keine Untersuchungshaft

Der 43-Jährige, der bis heute auf freiem Fuß ist, hat sich zum Prozessauftakt am Essener Landgericht noch nicht zu den Vorwürfen geäußert. Das soll nach Angaben seines Verteidigers Volker Schröder erst am nächsten Verhandlungstag passieren. Mit einem Urteil ist voraussichtlich erst im Juni zu rechnen.

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