Freiheit hat Vorfahrt: Goldener Bär für Iraner

Filmfestspiele von Berlin

Dieser Preis ist ein Bekenntnis zur Meinungsfreiheit. Und eine ausgestreckte Zunge in Richtung Teheran. Hatte nicht das staatlich gelenkte Kulturinstitut im Vorfeld der Berlinale gehöhnt, der Regisseur Jafar Panahi werde bloß aus politischen Gründen zu Festivals weltweit eingeladen - tatsächlich seien seine Werke "cineastisch schwach"? Von wegen!

BERLIN

von Von Patrick Wildermann

, 15.02.2015, 11:25 Uhr / Lesedauer: 2 min
Freiheit hat Vorfahrt: Goldener Bär für Iraner

Die beiden Silbernen Bären für die besten Darsteller räumte die britische Produktion »45 Years« ab: Charlotte Rampling und Tom Courtenay spielen in dem Film ein Paar, dessen Liebe nach 45 Ehejahren auf die Probe gestellt wird.

FOTOSTRECKE
Bildergalerie

Preisverleihung der 65. Berlinale

Das war's mit der 65 Berlinale: Die elftägigen Berliner Filmfestspiele zeigten mehr als 400 Filme aus aller Welt. Im Rennen um den Goldenen und die Silbernen Bären waren 19 Regiearbeiten, darunter drei Filme von Deutschen. Am Ende sendet die Jury ein klares politisches Signal: Der Goldene Bär geht an den verfolgten iranischen Filmemacher Jafar Panahi.
15.02.2015
/
Moderatorin Anke Engelke auf der Bühne.© Foto: dpa
Das Mädchen Hanna Saeidi weint, als sie den Goldenen Bären für den Film «Taxi» von Jafar Panahi entgegengenommen hat. Rechts: die Jury-Mitglieder, US-Regisseur Darren Aronofsky und die französische Schauspielerin Audrey Tautou.© Foto: dpa
Zahlreiche Schaulustige warteten am roten Teppich.© Foto: dpa
Die britischen Schauspieler Tom Courteney und Charlotte Rampling halten ihre Silbernen Bären als Beste Darsteller, die ihnen für ihre Arbeit am Film "45 Years" verliehen wurden.© Foto: dpa
Der Goldene Bär und die Silbernen Bären stehen auf einem Podest auf der Bühne.© Foto: dpa
Die spanische Schauspielerin Laia Costa küsst den aus Norwegen stammenden Kameramann Sturla Brandth Grovlen. Er hat den silbernen Bären für herausragende künstlerische Leistung für die Kamera im Film «Victoria» erhalten.© Foto: dpa
Die französische Schauspielerin Audrey Tautou kündig den Silbernen Bären für den Besten Darsteller an.© Foto: dpa
Kameramann Sturla Brandth Grøvlen hält den Silbernen Bären für eine herausragende künstlerische Einzelleistung.© Foto: dpa
Der deutsche Regisseur Wim Wenders und Ehefrau Donata bei ihrer Ankunft.© Foto: dpa
Berlins ehemaliger Bürgermeister Klaus Wowereit (r) kamt mit seinem Lebenspartner Jörn Kubicki zur Preisverleihung.© Foto: dpa
Die Nichte des Regisseurs Jafar Panahi, Hanna Saeidi, hält den Goldenen Bären für den Film «Taxi» von Jafar Panahi in der Hand.© Foto: dpa
Moderatorin Anke Engelke in der Kulisse für die Fotos der Preisträger.© Foto: dpa
Malgorzata Szumowska mit dem Silbernen Bären für die beste Regie, der ihr für die Arbeit am Film "Body" verliehen wurde.© Foto: dpa
Die Nichte des Regisseurs Jafar Panahi, Hanna Saeidi, mit dem Goldenen Bären für den Film «Taxi» von Jafar Panahi.© Foto: dpa
Patricio Guzman mit dem silbernen Bären für das beste Drehbuch, der ihm für die Arbeit am Film "El boton de nacar" verliehen wurde.© Foto: dpa
Na Yong-kil mit dem Goldenen Bären der Kurzfilmjury, den er für seinen Film Hosanna erhalten hat.© Foto: dpa
Patricio Guzman mit seinem Silbernen Bären für das Beste Drehbuch, der ihm für die Arbeit am Film "El boton de nacar" verliehen wurde.© Foto: dpa
Charlotte Rampling mit ihrem Silbernen Bären als Beste Darstellerin.© Foto: dpa
Der rumänische Filmregisseur Radu Jude hat den Silbernen Bären für die Beste Regie erhalten, für die Arbeit am Film "Aferim!".© Foto: dpa
Artem Vasiliev (r) und Andrey Saveliey halten stellvertretend für Evgeny Privin und Sergey Mikhalchuk den Silbernen Bären für die beste Kamera, der ihnen für die Arbeit im Film "Under electric Clouds" verliehen wurde.© Foto: dpa
Wim Wenders, Charlotte Rampling, Tom Courtenay, Daniel Brühl, Hana Saeidi und Audrey Tautou nach der Preisverleihung.© Foto: dpa
Momoko Seto erhält den neuen Audi Kurzfilm Award.© Foto: dpa
Moderatorin Anke Engelke steht neben Jury-Präsident und US-Regisseur Darren Aronofsky und Berlinale-Chef Dieter Kosslick, als sie den Goldenen Bären für den Film «Taxi» von Jafar Panahi verkünden.© Foto: dpa
Regisseur Jayro Bustamante (M) erhält gemeinsam mit den Schauspielerinnen Maria Telon (l) und Maria Mercedes Coroy den Silbernen Bären des Alfred-Bauer-Preises.© Foto: dpa
Schauspieler Udo Kier bei seiner Ankunft zur Preisverleihung.© Foto: dpa
Der chilenische Filmregisseur Pablo Larrain mit dem Silbernen Bären - Großer Preis der Jury. Er wurde für seinen Film "El Club" ausgezeichnet.© Foto: dpa
Regisseur Jayro Bustamante mit dem Silbernen Bären des Alfred-Bauer-Preis, der ihm für den Film "Ixcanul" verliehen worden ist.© Foto: dpa
Der Goldene Bär für den Film «Taxi» von Jafar Panahi© Foto: dpa

Der Goldene Bär für Panahis Film "Taxi" ist in jeder Hinsicht verdient. Gerade in künstlerischer. Mit der Kamera im Wagen kurvt der Filmemacher durch Teheran und sammelt Fahrgäste ein, die Skurriles aus dem Alltag, aber auch Beklemmendes über die Repression durch das Regime erzählen. Ein vielschichtiges, nicht zuletzt trotzig-humorvolles Portrait der zerrissenen iranischen Gegenwart.

Hoffnung stirbt zuletzt

Panahi ist in seiner Heimat offiziell zu 20 Jahren Berufs- und Reiseverbot verurteilt. Weswegen er den Hauptpreis, den ihm die internationale Jury unter Vorsitz des Regisseurs Darren Aronofsky verliehen hat, auch nicht entgegen nehmen konnte.

Immerhin, die Berlinale hält ihm die Treue. 2013 war Panahi mit "Pardé" im Wettbewerb vertreten, 2011 hatte Dieter Kosslick ihn in die Jury eingeladen - wo sein Stuhl leer blieb. Die Hoffnung stirbt zuletzt, auch das sagt dieser Goldene Bär.

Nachvollziehbare Jury-Entscheidungen

Überhaupt hat die Jury angesichts eines Jahrgangs, in dem sich keine klaren Favoriten aufgedrängt haben, lauter nachvollziehbare Entscheidungen getroffen. Ihr Großer Preis geht an das spanische Missbrauchs-Drama "El Club", das von straffälligen Priestern erzählt.

Den Alfred-Bauer-Preis für einen Spielfilm, der neue Perspektiven öffnet, erhält das Melodram "Ixcanul". Der erste Film aus Guatemala im Berlinale-Wettbewerb - klar, der musste irgendeinen Preis gewinnen.

Den Silbernen Bären für die beste Regie teilen sich dagegen der Rumäne Radu Jude, der in seinem kargen Schwarzweiß-Western "Aferim!" den Wurzeln des Hasses auf die Roma nachspürt, sowie die Polin Malgorzata Szumowska, die in "Body" die beklemmende Geschichte einer Magersüchtigen erzählt.

Reife Leistung

Die Darsteller-Bären schließlich sind ein Bekenntnis zur reifen Leistung: Charlotte Rampling und Tom Courtenay gewinnen sie hoch verdient für ihre Verkörperung eines alten Ehepaars, das im britischen Drama "45 Years" in die späte Krise stürzt.

Ehrung für Kameramann von "Victoria"

Der tolle deutsche Beitrag "Victoria" von Sebastian Schipper bekam einen Silbernen Bären für die Kameraleistung (Sturla Brandth Grovlen). Auch der erzählt von einer waghalsigen Autofahrt durch die Stadt. Aber da geht es um Bankraub. Und die Existenz steht nicht wirklich auf dem Spiel.