„Freiheit“ ist ein Seelendrama mit der fabelhaften Johanna Wokalek.

Im Kino

Eine Frau verschwindet. Ohne Abschied, ohne Erklärung verlässt sie Mann und Kinder in Berlin und landet per Zufall in Bratislava. Nora (Johanna Wokalek) hatte kein Ziel, sie wollte bloß weg. Raus aus einem Leben, von dem sie sagt, es sei wie ein Gefängnis.

Dortmund

, 08.02.2018, 16:53 Uhr / Lesedauer: 1 min
„Freiheit“ ist ein Seelendrama mit der fabelhaften Johanna Wokalek.

Johanna Wokalek spielt Nora, für die ihr Mann (Hans-Jochen Wagner) in den Hintergrund tritt.Foto: Film Kino

Jan Speckenbachs „Freiheit“ ist kein Film der Paukenschläge, keine Achterbahn der Gefühle. Das Erregungspotenzial ist überschaubar, weil der Konflikt von Wokaleks Nora ein innerer ist:


Sie fremdelt mit ihrer Rolle


Ihr Dasein fühlt sich an wie eine Schablone, in die sie sich hat pressen lassen. Sie funktioniert, sie tut, was erwartet wird, mehr nicht. Gleichzeitig fremdelt sie mit ihrer Rolle als Anwältin, Mutter, Ehefrau.

„Freiheit“ ließe sich auch lesen als Roadmovie über die Suche nach dem echten Leben im falschen. Noras Verschwinden mündet nicht in den großen Knall, Speckenbach braucht keine Explosion. Er beschreibt die Folgen einer Erosion im Gefühlshaushalt der von Johanna Wokalek fabelhaft gut gespielten Nora.

Am Familientisch geht Wokaleks seltsam müder Blick ins Leere, sie fixiert nichts, sie scheint in sich hinein zu schauen. Es ist der reflektorische Blick eines Menschen, der wie ein Zaungast sein Leben beäugt und sich fragt, was zum Teufel er darin verloren habe?


Nur öde Routine



„Ich gehe raus“, sagt Nora. „Wohin?“, fragt ihr Mann. „An die Spree, irgendwohin!“ „Dann ist es wohl besser. Kannst Du mir Zigaretten mitbringen?“ Als wäre der Wortwechsel Noras letzter Test: Nein, keiner merkt, wie es ihr geht.

Dann ist sie weg, schlägt sich in der Slowakei als Putzkraft durch. Der Film moralisiert nicht, er beschwört ein Lebensgefühl von Leere und Ödnis, die Sehnsucht nach einem besseren Ort, der im Schlussbild wie Bruegels Gemälde vom Turm zu Babel aussieht.

Manchmal wird es arg kunstgewerblich, wenn Musik von Purcell ertönt oder Nora Lyrik zitiert. Dennoch: als Seelendrama überzeugend.