Freispruch nach Sex mit 13-jähriger Isselburgerin – im Zweifel für den Angeklagten

rnAmtsgericht Bocholt

Wusste der heute 25-jährige Angeklagte, dass seine Partnerin beim einvernehmlichen Sex in einem Auto 13 Jahre alt war? Diese Frage beschäftigte das Schöffengericht am Amtsgericht Bocholt.

von Claudia Feld

Isselburg

, 30.08.2019, 17:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

Darüber, was im März 2017 am Baggersee geschehen ist, gab es keine widersprüchlichen Aussagen: Es kam zu einvernehmlichem Sex im Auto. Die einzige Frage, die das Schöffengericht am Amtsgericht Bocholt am Donnerstag im Prozess um schweren sexuellen Missbrauch von Kindern beschäftigte: Wusste der heute 25-jährige Angeklagte, dass seine Partnerin damals 13 Jahre alt war?

Der Prozess wegen schwerem sexuellen Missbrauchs von Kindern dauerte viereinhalb Stunden, dann sprach das Gericht den Krefelder frei. Kennengelernt hatten sich der junge Mann und das Mädchen ein paar Wochen vorher im sozialen Netzwerk Instagram. Sie schrieben sich regelmäßig und tauschten sich aus. Dabei sei zur Sprache gekommen, dass das Mädchen 16 Jahre alt sei, sagte der Angeklagte.

Die heute 16-jährige Isselburgerin, die auch Nebenklägerin war, sagte dagegen, sie habe ihr Alter nicht verheimlicht. Er habe sich das Profil des Mädchens angesehen und sei aufgrund der Bilder und ihrer Aussagen zu dem Schluss gekommen, dass sie 16 sei, sagte der Angeklagte.

Von offensiver Art abgeschreckt

Auch sei es von ihr ausgegangen, sich zu treffen und Sex zu haben. Zunächst habe er abgelehnt, da beide gerade einmal ein paar Tage miteinander geschrieben hätten und sich noch nicht kannten. „Ich war von ihrem Alter und ihrer offensiven Art abgeschreckt“, sagte der Angeklagte. Er war zum Tatzeitpunkt 22 Jahre alt, 16 sei ihm da schon zu jung gewesen.

Später habe die Isselburgerin nicht mehr so offensiv nachgefragt, da sei er irgendwann drauf eingegangen. Sie trafen sich und fuhren ein bisschen herum, um eine ruhige Stelle zu finden. Alles sei einvernehmlich gelaufen, sie hätten sich gegenseitig Zeit eingeräumt und seien rücksichtsvoll gewesen, sagten sowohl der Angeklagte als auch die Isselburgerin während der Verhandlung.

13-Jährige befürchtete, schwanger zu sein

Aufgeflogen war alles, nachdem das Mädchen sich seiner Mutter anvertraut hatte mit der Sorge, möglicherweise schwanger zu sein. Die Mutter informierte daraufhin den Vater, der mit dem Mädchen zur Polizei ging und den Krefelder anzeigte.

Bei einer Durchsuchung wurde auf einem Tablet außerdem ein kinderpornografisches Bild gefunden. Er habe das Gerät gebraucht im Internet gekauft, das Bild müsse vom Vorbesitzer sein, sagte der Angeklagte. Da es keinerlei weitere Hinweise auf Kinderpornografie gab, war der Vorwurf schnell vom Tisch, auch hier wurde der Krefelder freigesprochen.

Für die Anzeige entschuldigt

Einige Monate nach dem Treffen nahm die Isselburgerin erneut Kontakt zu dem heute 25-Jährigen auf, beide schrieben ein paar Monate intensiv miteinander. Teile des Chats wurden verlesen. Das Mädchen entschuldigte sich für die Anzeige und schrieb, es wolle noch ein Treffen. Während des Prozesses konnte sich die 16-Jährige an die gesamte Unterhaltung nicht erinnern.

In diesem Chat beschuldigte die Isselburgerin den Krefelder, ihr sein wahres Alter nicht gesagt zu haben – dass er schon 22 statt 21 sei. Fragen, warum sie über ihr Alter gelogen habe, kamen vom Angeklagten hingegen nicht. „Ich wollte mich davon distanzieren“, sagte der 25-Jährige dazu.

Sachverständiger konnte keine Klarheit bringen

Ein Sachverständiger kam zu dem Schluss, dass offenbleibe, welches Alter von dem Mädchen genannt wurde. Es könne nicht nachgewiesen werden, dass das Mädchen gelogen hat – aber auch nicht, dass sie die Wahrheit gesagt hat.

Anklage und Nebenklage forderten Bewährungsstrafen von einem Jahr und sechs beziehungsweise neun Monaten Haft. Außerdem sollte der Krefelder 2000 Euro zahlen. Das Gericht folgte der Verteidigung und sprach den 25-Jährigen frei, weil letzte Zweifel nicht komplett ausgeräumt werden konnten. Dann gelte im Zweifel für den Angeklagten, sagte der Vorsitzende Richter.

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