Fritzi Bauer stürmt lebenshungrig durch die Nacht

Kino: "Axolotl Overkill"

Den Plagiats-Sermon um Helene Hegemanns Roman "Axolotl Roadkill" (2010) vergessen wir und konzentrieren uns auf den Film, den die 25-Jährige unter dem Titel "Axolotl Overkill" gemacht hat. Nach eigenem Drehbuch, mit leichten Tonverschiebungen. Und der bildert das pralle, wilde, freche Leben ab.

04.07.2017, 15:00 Uhr / Lesedauer: 1 min
Jasna Fritzi Bauer spielt die junge Mifti, in deren Zimmer sich mal eben ein Pingiun verirrt hat.

Jasna Fritzi Bauer spielt die junge Mifti, in deren Zimmer sich mal eben ein Pingiun verirrt hat.

Das Buch wurde verstanden als Beleg für Nihilismus und Hedonismus einer verko(r)ksten "lost" Generation, die sich in Clubs austobt, durch die Betten hüpft, altklug schwafelt, aber mit dem Party-Popanz nur ihre Leere betäubt.

Wer will, kann all das auch aus Hegemanns Film herauslesen. Obwohl der Film, anders als der miesepetrige Grundton im Roman, absolut keine Wertung, keine Interpretation, keine Distanzierung anbietet.

Freie Fahrt für Liebe und Lust

Gaudi für junge Helden. Freie Fahrt für Liebe, Lust, Wut und Frust. Keine Filter, keine Sicherung, kein Netz - mal sehen, wo wir heute landen auf der Spielwiese, die sich Leben nennt. Wo Normalos über markierte Pfade dackeln und die Verrückten die besten Ecken für sich haben. "Axolotl Overkill" verkneift sich jede Botschaft, feiert das fröhliche Kaputtsein, die Lust an Exzess, Rausch und durchtanzten Nächten - eine Gaudi für junge Helden, die morgen den Preis zahlen. Wenn überhaupt.

Keine Dramaturgie-Helden wie die 16-jährige Mifti, umwerfend gespielt von Jasna Fritzi Bauer (28), die für eine Rotzgöre von Teenie durchgeht. Mifti fliegt von der Penne, ihr doch schnuppe. Sie zieht um die Häuser, liebt die Mittvierzigerin Alice (Arly Jover), knutscht mit Ophelia (Mavie Hörbiger), fordert Taxifahrer zum Sex auf und lässt sich treiben. Techno bis in die Puppen, nach drei Tagen zurück in die Wohnung, wo die ältere Schwester (Laura Tonke) ihr den Kopf wäscht.

Lebe wild und gefährlich

Es wird nicht linear erzählt, Dramaturgie Fehlanzeige. Figuren tauchen auf und verschwinden, Dinge passieren, Motive sind kein Thema. Lebe wild und gefährlich, das ist die Handlung. Der Film hat Pepp, Power, ein Herz für Draufgänger. Und er macht Spaß, den man auch bei den Darstellern sieht.

 

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