Frühjahrsputz gegen Nazi-Propaganda

Polizei schützt Kolonnen

Mehrere Teams der Stadt Dortmund befreiten am Donnerstag den Dortmunder Stadtteil Dorstfeld über drei Stunden lang von Nazi-Propaganda. Während Arbeiter mit Chemie, Spachteln, Lappen und Besen etliche Aufkleber entfernten, stand eine Nazigruppe feixend auf dem Marktplatz.

DORSTFELD

, 24.03.2016, 16:15 Uhr / Lesedauer: 2 min
An Ampeln, Laternen, auf Stromkästen und an Mauern kleben immer wieder Aufkleber mit Nazi-Sprüchen. Mitarbeiter des Tiefbauamtes und einer Stadtteilwerkstatt sind nahezug täglich im Einsatz, um das Propagadamaterial zu entfernen.

An Ampeln, Laternen, auf Stromkästen und an Mauern kleben immer wieder Aufkleber mit Nazi-Sprüchen. Mitarbeiter des Tiefbauamtes und einer Stadtteilwerkstatt sind nahezug täglich im Einsatz, um das Propagadamaterial zu entfernen.

Nahezu täglich fahren Mitarbeiter des Tiefbauamtes, Teams einer vom Sozialamt betreuten Stadtteilwerkstatt und private Firmen nach Dorstfeld, um Nazi-Propaganda zu entfernen. Unübersehbar hinterlassen Rechtsextremisten an Fassaden, Stromkästen und Masten ihre Spuren. 

Aufkleber und Farbschmierereien sollen den Stadtteil als "Nazi-Kiez" brandmarken. Emsig sorgen Rechtsextremisten dafür, dass von Propaganda befreite Flächen schnell wieder beklebt oder beschmiert werden. "Sie bedrohen uns und bedrängen uns", sagt ein Mitarbeiter der Stadt Dortmund über die Arbeitsatmosphäre auf dem Wilhelmplatz.

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Frühjahrsputz gegen Nazi-Propaganda

Bei einem Frühjahrsputz entfernten mehrere Teams in Dorstfeld zahlreiche Nazi-Aufkleber und Farbschmierereien. Rechtsextremisten störten die Aktion.
24.03.2016
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Mitarbeiter der Stadt Dortmund entfernten zahlreiche Nazi-Aufkleber.© Foto: Peter Bandermann
Die Stadt Dortmund entfernte Schmierereien von öffentlichem Eigentum.© Foto: Peter Bandermann
Mitarbeiter der Stadtteilwerkstatt entfernen Nazi-Aufkleber von einer Ampel.© Foto: Peter Bandermann
Ein ein Team der EDG beteiligte sich am Frühjahrsputz.© Foto: Peter Bandermann
Das Mahnmal erinnert an das Schicksal der Juden in Dorstfeld.© Foto: Peter Bandermann
Mitarbeiter des Tiefbauamt reinigen das jüdische Mahnmal.© Foto: Peter Bandermann
Während Mitarbeiter des Tiefbauamtes für den Frühjahrsputz sogar ihren Urlaub unterbrochen hatten, standen Nazis feixend auf dem Wilhelmplatz. Sie verhöhnten die Aktion. Dritter von links: Michael Brück, Ratsmitglied.© Foto: Peter Bandermann
Oberbürgermeister Ullrich Sierau beteiligte sich am Frühjahrsputz. Rechtsextremisten bedrängten ihn und störten die Arbeit der Teams.© Foto: Peter Bandermann
An Ampeln, Laternen, auf Stromkästen und an Mauern kleben immer wieder Aufkleber mit Nazi-Sprüchen. Mitarbeiter des Tiefbauamtes und einer Stadtteilwerkstatt sind nahezug täglich im Einsatz, um das Propagadamaterial zu entfernen.© Foto: Peter Bandermann
Frühjahrsputz mit Polizeieinsatz. Rechtsextremisten aus Dorstfeld störten die Aktion der Stadt Dortmund.© Foto: Peter Bandermann
An mehreren Fassaden in Unterdorstfeld haben Rechtsextremisten Schmierereien dieser Art hinterlassen - hier eine Hauswand in der Thusneldastraße.© Foto: Peter Bandermann
Mehrere Häuser in Dorstfeld sind mit Nazi-Schriftszügen beschmiert. Den Eigentümer kümmert das nicht. Denn er vermietet Wohnraum an Rechtsextremisten.© Foto: Peter Bandermann
Mit einem Hubwagen half das Tiefbauamt einem Hausbesitzer, der den Schriftzug "Bullen jagen" selbst nicht von seiner Fassade entfernen konnte, weil der Besitzer des Nachbargrundstückes ihm das Betreten eines Garagendachs verboten hatte. Jener Besitzer vermietet mehrere Wohnungen an Neonazis.© Foto: Peter Bandermann
"Bullen jagen" steht auf dieser Fassade. Weil der Eigentümer des Nachbargrundstücks dem Eigentümer verboten hatte, für die Entfernung der Schrift ein Garagendach zu betreten, half das Tiefbauamt der Stadt Dortmund mit einem Hubsteiger aus.© Foto: Peter Bandermann
Mit Farbe überpinselten Mitarbeiter der Stadt den Schriftzug.© Foto: Peter Bandermann
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Wie selbstbewusst die Rechtsextremisten in Dortmund auftreten, zeigte sich wieder am 24. März 2016. Das Tiefbaumt der Stadt Dortmund und mehrere Tochterunternehmen sowie die Dorstfelder Stadtteilwerkstatt waren im Einsatz. Ein Mitarbeiter hatte seinen Urlaub unterbrochen, um an der Aktion teilzunehmen. Mit der Greifzange unterwegs war auch Oberbürgermeister Ullrich Sierau. Rechtsextremisten nahmen ihn in den Fokus, sie bedrängten und fotografierten ihn. Neonazi Michael Brück wollte begleitet vom Gelächter auch seiner mehrfach vorbestraften Kameraden ein Selfie mit dem Oberbürgermeister aufnehmen.

Von der Polizei beschützt

Die Teams unterbrachen für einen kurzen Moment die Arbeit. Die Gruppe von Rechtsextremisten hatte sich für einige Minuten in den Mittelpunkt gestellt und eher peinlich inszenieren können. Polizisten beobachteten die Szenerie. Das Ordnungsamt und mehrere Streifenwagen der Polizei waren im Einsatz, um den Frühjahrsputz zu beschützen. Auch in der Emscherstraße. "Bullen jagen" stand dort bis Donnerstagmittag in drei Metern Höhe auf einer Fassade. Der Hauseigentümer wollte die Schmiererei entfernen. Allerdings hatte der Besitzer einer Garagenanlage dem Hauseigentümer untersagt, dafür das Garagendach zu betreten. Kein Wunder. Der Garagenbesitzer vermietet Wohnungen an Neonazis. Rechtsextreme Schmierereien an anderen Immobilien kümmern ihn nicht.

Tiefbauamt gegen Nazi-Propaganda

Die Idee für den Frühjahrsputz hatte das Tiefbauamt der Stadt Dortmund. "Wir sind regelmäßig hier unterwegs, denn immer wieder weisen Bürger und auf die Nazi-Propaganda hin. Deshalb fahren wir auch für nur einen Aufkleber raus", sagte ein Sprecher des Tiefbauamtes. Mit der Greifzange unterwegs war auch Oberbürgermeister Ullrich Sierau. "Wenn ich hier unterwegs bin, ist das eine symbolische und solidarische Aktion und auch ein Dankeschön an die Teams, die hier ständig für die Bürger im Einsatz sind. Wer hier arbeitet, ist den Nazis ausgesetzt. Das sind keine guten Bedingungen."

Sierau rechnet damit, dass schon bald neue Aufkleber mit Nazi-Propaganda zu sehen sind - "und wir gehen wieder hinterher."

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