"Frühlings Erwachen" aktualisiert: Starke Auftritte von Bochumer Schauspiel-Absolventen

Schauspielhaus Bochum

BOCHUM Sie springen und tanzen, kämpfen und wüten, laufen immer wieder gegen die Wand. Die Jugendlichen in "Frühlings Erwachen" am Schauspielhaus Bochum stecken voller Energie und wissen nicht, wohin damit. Moderne Alles-Versteher-Eltern geben ihnen keine Möglichkeit zur Rebellion.

von Von Max Florian Kühlem

, 06.12.2009, 12:25 Uhr / Lesedauer: 1 min
Szene aus "Frühlings Erwachen" mit (v.l.) 
Mareike Hein, Vanessa Mecke  und Rahel Juliane Weiss.

Szene aus "Frühlings Erwachen" mit (v.l.) Mareike Hein, Vanessa Mecke und Rahel Juliane Weiss.

Für ihre Arbeit mit den Absolventen des Studiengangs Schauspiel Bochum der Folkwang Hochschule Essen hat Regisseurin Annette Pullen Frank Wedekinds Drama aktualisiert, mit den Stimmen heutiger Bochumer Jugendlicher angereichert. Keine Frage, dass das Stück dieser Aktualisierung bedarf - ist es doch in vielen Passagen ein eindeutiger Kommentar zur wilhelminischen Gesellschaft und seiner strengen Sexualmoral.

In Bochum wird das Publikum mit einem Panorama der Orientierungslosigkeit heutiger Jugend konfrontiert. Die Schauspiel-Absolventen lassen in exzellent choreografierten Ensembleszenen ihrem Hass, ihrer Angst und Unsicherheit, ihrem Träumen, Wünschen und Lieben freien Lauf. Eine wichtige Anforderung an solcherart Stück - dass alle jungen Darsteller sich potentiellen Arbeitgebern gut präsentieren können - ist damit erreicht. Hier gibt es keine Ausfälle, nur besonders starke Auftritte auch in den Nebenrollen. Großen Spaß macht etwa, wie Holger Spengler das Hänschen Rilow zum Freak macht. Beeindruckend, wie Rahel Juliane Weiss die von den Eltern misshandelte Martha erstarken lässt.

Ein guter Kniff der Inszenierung ist der weiche Boden des Bühnenbilds (Jörg Kiefel), der den Figuren keinen sicheren Halt gibt, ihre ersten Regungen des Erwachsenendaseins unsicher und linkisch erscheinen lässt. Das einzige Manko dieser Wedekind-Aktualisierung ist, dass die eigentliche Geschichte zu sehr in den Hintergrund gerät. Ihre Grundpfeiler - wie Moritz´ Selbstmord oder Wendlas Schwangerschaft - stehen vereinzelt und lose in einem Gesellschaftspanorama, das manchmal eher Nummern- oder Performancecharakter hat.

Termine: 7., 19., 23.12.; Karten: Tel. (02 34) 33 33 55 55.

  • www.schauspielhaus-bochum.de
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