Frührentner (55) soll Stieftochter missbraucht haben - „Wir glauben, dass da mehr gewesen ist“

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Ein 55-Jähriger soll sich über mehrere Monate hinweg an seiner minderjährigen Stieftochter vergangen haben. Laut Anklage mindestens 40 Mal. Jetzt gab es ein Urteil.

Bochum

, 25.03.2020, 19:00 Uhr / Lesedauer: 1 min

Weil er sich zur Überzeugung der Richter vor mehr als zehn Jahren mindestens dreimal sexuell an seiner minderjährigen Stieftochter vergriffen hat, ist ein Frührentner zu 22 Monaten Haft auf Bewährung verurteilt worden. Der 55-Jährige hatte die Vorwürfe bis zuletzt vehement bestritten.

Die Richter der 4. Strafkammer am Bochumer Landgericht stützen ihre Verurteilung am Ende aber weitestgehend auf das Ergebnis eines Glaubwürdigkeitsgutachtens, das die Schilderungen der heute 20 Jahre alten Belastungszeugin zumindest in einigen Punkten als uneingeschränkt glaubhaft eingestuft hatte.

Am Rande der Kontrolle der Hausaufgaben an dem Mädchen vergangen

Ursprünglich war dem Frührentner in der Anklage sogar vorgeworfen worden, sich vom 8. August 2008 bis Mitte 2009 mindestens 40 Mal an seiner anfangs neun Jahre alten Stieftochter vergangen haben. Und das sogar fast immer bis hin zum Geschlechtsverkehr. In diesem Umfang und in dieser Intensität sahen sich die Richter nach fast zweimonatiger Verhandlung jedoch zu sicheren Missbrauchs-Feststellungen außerstande.

„Wir glauben, dass da mehr gewesen ist, können es aber am Ende nicht sicher feststellen“, hieß es in der Urteilsbegründung. Laut Staatsanwaltschaft soll sich der 55-Jährige seinerzeit häufig am Rande der Kontrolle der Hausaufgaben an dem Mädchen vergangen haben.

Verteidiger kündigt an, in Revision zu gehen

Das mutmaßliche Opfer, das im Prozess als Nebenklägerin aufgetreten ist, hat unter Ausschluss der Öffentlichkeit ausgesagt. Die heute 20 Jahre alte Frau hatte ihren Stiefvater im Jahr 2018 bei der Polizei angezeigt. Den Kontakt zu ihrer Familie hat die Belastungszeugin komplett abgebrochen.

Der Angeklagte hatte die Vorwürfe von Anfang an bestritten und in seinem letzten Wort noch einmal als Lügenmärchen bezeichnet. Mit dem Urteil blieben die Bochumer Richter zwei Monate unter dem Antrag der Staatsanwaltschaft. Verteidiger Jens Tuschhoff, der angesichts unzähliger Widersprüche in der Aussage der Belastungszeugin einen klaren Freispruch beantragt hatte, kündigte an, das Urteil per Revision anzufechten.

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