Füchse, Schläfer und verzerrte Realität

Ausstellung Kunstmuseum

„Es ist ein Experiment gewesen“, sagt Hans Günter Golinski, Direktor des Bochumer Kunstmuseums. „Mit Risiko.“ Er hat zwei Künstlerinnen zusammengebracht, die sich zuvor nicht kannten. Beide zeigen eine fast brutale Offenlegung von Körpern. Heute eröffnet die Ausstellung „Bettina van Haaren/Frauke Wilken – Malerei. Skulptur. Zeichnung“ mit über 100 Werken.

BOCHUM

, 24.09.2015 / Lesedauer: 2 min

Bettina van Haaren, Professorin an der Universität Dortmund, präsentiert mittel- und großformatige Malerei sowie Skizzen. Sie arbeitet nach dem Collagenprinzip, auf Leinwänden, die am Ende wie Seziertische wirken. Zu sehen sind darauf Schweine „mit einer Farbkombination, die glücklich macht“, wie van Haaren sagt, ein Fuchs, Süßigkeiten, auch ein aufblasbares Maschinengewehr.

„Ich lebe dann in dem Bild“

An einem Werk arbeitet die Künstlerin rund 1000 Stunden, sagt sie. „Ich lebe dann in dem Bild. Es ist ein bisschen wie Tagebuchschreiben.“ In van Haarens Atelier in Witten liegen präparierte Tiere, weil das Berühren von Fell und Haut sie inspirieren.

Frauke Wilken erschafft neben Zeichnungen weiche Skulpturen, arbeitet mit Stoff und Farbe und Härtemittel und allerlei Füllmaterial. Manche Werke haben eine fast aggressive Farbigkeit, mache sehen so flauschig aus, dass man sie am liebsten streicheln will. Wie Tiere.

Schwebende Textilplastik

Auch Metamorphosen spielen eine zentrale Rolle. So hat Wilken den „Schläfer“ kreiert, eine schwebende Textilplastik, die in einer hängenden Stoffhülle Extremitäten erahnen lässt. Das erinnert an einen Kokon, lässt aber auch Assoziationen der Gefangenschaft zu.

Die Werke wirken bedrängend, scheinen den Betrachter zum Teil förmlich anzuspringen und regen an, über Massenkonsum und Reizüberflutung nachzudenken. „Wir ordnen, um zu überleben“, sagt van Haaren.  

„Bettina van Haaren / Frauke Wilken – Malerei. Skulptur. Zeichnung“, bis 15. 11., Kortumstraße 147, Di/Do- So 10-17 Uhr, Mi 10-20 Uhr. Kataloge: 15 und 18 Euro.