Führung durch die Vergangenheit

Schulmuseum

BOCHUM Ein Klassenzimmer anno 1900: Es ist dunkel gehalten, die Schulbänke sind hart und unbequem eng. An der Wand, für jeden gut sichtbar, hängt ein Bildnis von Kaiser Wilhelm und der Rohrstock liegt immer für den Lehrer griffbereit. Im Schulmuseum können die Gäste in längst vergangene Zeiten der Bildungskultur reisen.

von Von Angela Wiese

, 10.05.2009, 20:28 Uhr / Lesedauer: 1 min

Beim Tag der offenen Tür am Sonntag im Schulmuseum an der Cruismannstraße konnten die Besucher in eine gänzlich andere Welt eintauchen und sehen, wie sich die Schule in den vergangenen 100 Jahren verändert hat. Die erste Besuchergruppe hat auf den Bänken Platz genommen, schaut nach vorn und lauscht den Ausführungen des Leiters Peter Schneller. Und er ist nicht allein.

Seltenes Fräulein

Neben ihm vor der Tafel steht noch das Fräulein Lehrerin. Dafür musste freilich eine Schaufensterpuppe herhalten, der ein biederes, schwarzes Kostüm übergezogen wurde. Eine Seltenheit, weiß Schneller zu erzählen: "Die waren natürlich auch alle nicht verheiratet", sagt er, "denn die Männer sagten damals: Verheiratete Frauen sind sittlich nicht in der Lage, Kinder zu unterrichten."

Nicht der einzige krasse Gegensatz zu heute. Auch der Rohrstock gehörte vor 100 Jahren zum gängigen "Lehrmittel". Beispielhaft schwingt Schneller den Stock durch die Luft. Das hohe, Luft schneidende Geräusch, das dabei entsteht, lässt den brennenden Schmerz erahnen, den damals vor allem Jungs regelmäßig erleiden mussten.

Zeitungen hielten Schläge ab Eine fast 90-jährige Zuhörerin kann sich noch sehr gut an diese Maßregelungen erinnern. "Die Jungs steckten sich sogar Zeitungen in die Hosentaschen, damit es nicht so wehtut", erzählt sie.

Und dennoch beharrt sie darauf, dass nicht alles schlecht war. Mit leuchtenden Augen schaut sie in einem anderen Raum des Museums auf ein großes, buntes Bild einer Ritterburg.

Bilder von Burgen

So hätten Kinder damals gelernt, wie Ritterburgen aussehen oder auch Elefanten. "Fernsehen gab es ja noch nicht", sagt Peter Schneller der jüngsten Besucherin, der sechsjährigen Florina, die mit einem ungläubigen Blick reagiert.